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Bluthochdrucktherapie

Hoffnung liegt auf Fixkombination

21.12.2010
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Von Conny Becker / Bluthochdruck belastet die Patienten kaum, weshalb es um die Compliance bei ihnen besonders schlecht steht. Die einmal tägliche Gabe sowie die Kombination in einer einzelnen Tablette könnte für eine neue Fixkombination aus Telmisartan und Amlodipin sprechen.

Die Sachlage ist nicht neu, aber dadurch wird sie nicht besser: Höchstens ein Drittel der deutschen Hypertoniker sind gut eingestellt. Dabei fehlt es gerade bei dieser verbreiteten Indikation nicht an pharmazeutischen Tools, sondern an deren konsequentem Einsatz – Stichwort: mangelnde Compliance wegen fehlendem Leidensdruck. Aber auch ihre richtige Kombination spielt eine Rolle. Denn der Körper verfügt über verschiedene Mechanismen, um den Blutdruck zu kontrollieren, womit die Beeinflussung einer einzelnen Schaltstelle bei vielen Patienten nicht zu normotonen Werten führt. Die Deutsche Hochdruckliga empfiehlt daher eine Kombinationstherapie, wenn die Gabe eines Antihypertensivums nicht ausreichend effektiv ist oder wenn eine Hypertonie vom Grad 2 oder 3 oder ein hohes beziehungsweise sehr hohes kardiovaskuläres Risiko besteht, wozu das Vorliegen eines Diabetes mellitus, einer Niereninsuffizienz oder klinisch manifeste kardiovaskuläre Erkrankungen zählen.

Kombinieren lassen sich Diuretika und ACE-Inhibitoren beziehungsweise AT1-Antagonisten; Dihydropyridin-Cal­ciumantagonisten und Betablocker; Cal­ciumantagonisten und ACE-Inhibitoren beziehungsweise AT1-Antagonisten; Calciumantagonisten und Diuretika sowie Betablocker und Diuretika. Bei Letzteren ist jedoch zu beachten, dass die Substanzen sich ungünstig auf den Stoffwechsel auswir­ken und bei metabolischem Syndrom nicht angewendet werden sollten. »Betablocker sind gut am Herzen, aber nicht so effektiv an den Gefäßen«, schlussfolgerte Profes­sor Dr. Jürgen E. Scholze von der Berliner Charité bei einem von Boehringer Ingelheim unterstützten Symposium auf dem Hypertoniekongress in Berlin. Während man festen Substanzkombinationen lange Zeit zurückhaltend gegenüberstand, zeichnet sich laut Scholze nun eine »Renaissance der Kombinationstherapie« ab. So hält die deutsche Leitlinie fest, dass fixe Kombinationen von zwei Antihypertensiva die Behandlung vereinfachen und die Therapietreue erhöhen können, und die Europäische Gesellschaft für Hypertonie empfiehlt sogar explizit, bei einer Kombinationstherapie, wenn möglich, eine Single-pill-Gabe.

 

Seit Oktober diesen Jahres steht für Patienten, bei denen Amlodipin nur unzureichend effektiv war oder die bereits beide Substanzen als Monopräparate erhalten, eine neue Fixkombination aus dem Angiotensinrezeptorblocker Telmisartan und dem Calciumkanalblocker Amlodipin zur Verfügung (Twynsta® 40 mg/10 mg Tabletten). Beide Substanzen weisen eine lange Halbwertszeit auf, sodass eine einmal tägliche Gabe ausreicht. »In Studien zeigte sich bei schwerster Hypertonie fast eine Senkung um 50 mmHg«, berichtete Scholze. In einer 562 Patienten umfassenden Vergleichsstudie gegen die jeweiligen Monotherapien zeigte sich die Kombination mit einer Blutdrucksenkung um 22,4 systolisch und 14,6 diastolisch doppelt so effektiv wie die Einzelsubstanzen. Dabei wurde die Therapie gut vertragen, zum Teil sogar besser als die Monotherapie: »Gegenüber Amlodipin allein waren unter der Kombination die Knöchelödeme reduziert«, so der Mediziner. Die neue Fixkombi hält er für sinnvoll bei schwer einstellbaren Hypertonikern, Patienten mit Diabetes mellitus, metabolischem Syndrom oder mit stabiler Herz-Kreislauf-Erkrankung. / 

Hypertonie-Leitlinien

Leitlinie der Deutschen Hochdruckliga unter www.awmf.org

Leitlinie der European Society of Hypertension unter www.eshonline.org/Guidelines/ArterialHypertension.aspx

 

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