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Hypertonie

Therapieprobleme

31.05.2017  09:31 Uhr

Viele Hypertoniker erreichen ihre Blutdruckzielwerte nicht. Das kann an einer inadäquaten Therapie, aber auch an mangelnder Adhärenz oder einer blutdrucksteigernden Komediaktion liegen. Worauf der Apotheker bei der Behandlung der Hypertonie achten sollte, erklärte Dr. Eric Martin von der Hubertus-Apotheke in Marktheidenfeld.

»In der Hypertonie-Therapie in Deutschland ist noch Luft nach oben«, sagte der Pharmazeut. Ein Drittel der Hypertoniker weiß nichts von der Erkrankung, ein Drittel der diagnostizierten Hypertoniker erreicht nicht den Zielwert und nur ein Drittel ist ausreichend therapiert. Der Apotheker kann hier einen wichtigen Betrag leisten, um die Situation zu verbessern – etwa bei der Früherkennung. Bluthochdruck bleibt häufig lange unbemerkt, da er – außer bei sehr hohen Werten – fast symptomlos ist. Messungen in der Apotheke können zur Früherkennung beitragen, aber nur, wenn die Patienten konsequent an die behandelnden Ärzte weitergeleitet werden, so Martin.

 

Lebenslange Therapie

 

Eine grundlegende Maßnahme sei es, die Patienten mit erhöhten Blutdruckwerten zu Lebensstiländerungen wie Gewichtsreduktion, Umstellung der Ernährung, Salzverzicht und mehr Bewegung anzuhalten. Vor allem auf das Rauchen sollte verzichtet werden, obwohl der Rauchverzicht nicht blutdrucksenkend wirkt, er aber das kardiovaskuläre Risiko deutlich senkt. Da eine Hypertonie nicht heilbar ist, erfordert sie eine lebenslange Umstellung des Lebensstils und meist auch eine lebenslange Therapie. Diese wird bei moderat erhöhten Blutdruckwerten und geringem kardiovaskulärem Risiko mit einer Monotherapie begonnen. Mittel der ersten Wahl sind die Wirkstoffgruppen, die in Studien nachweislich die Morbidität und Mortalität senken. Das sind Diuretika, ACE-Hemmer, AT1-Blocker, Calciumkanal-Blocker und Betablocker. Während jüngere Patienten besser auf ACE-Hemmer, AT1-Blocker und Betablocker ansprechen, gilt dies für Calciumkanal-Blocker und Diuretika bei älteren Patienten. Wenn die Ziel-Blutdruckwerte nicht erreicht werden, kann die Dosis erhöht werden. Dabei ist zu beachten ist, dass die volle Wirksamkeit der Medikation erst nach zwei bis sechs Wochen abgeschätzt werden kann.

 

Bei stark erhöhten Blutdruckwerten oder hohem kardiovaskulärem Gesamt­risiko wird die Therapie in der Regel mit einer Kombination aus zwei Erstwahlmitteln begonnen. Häufig sei eine Kombination auch dann sinnvoll, wenn die Zielwerte mit einer Monotherapie nicht erreicht werden. Die meisten Anti­hypertonika zeigen in der halben Standarddosierung noch 80 Prozent der Wirksamkeit wie in voller Dosierung. Daher ist Martin zufolge eine Kombination aus zwei Wirkstoffen in halber Dosierung vergleichbar gut wie eine Monotherapie in hoher Dosierung, aber besser verträglich.

 

Dass die Zielwerte nicht erreicht werden, kann auch darauf beruhen, dass eine Komedikation der blutdrucksenkenden Therapie entgegenwirkt. Das sind zum Beispiel Antidepressiva, Hormone wie Corticosteroide oder weibliche Geschlechtshormone, Immunsuppressiva und Ginseng. Besondere Bedeutung haben hier nicht steroidale Schmerzmittel (NSAR), verdeutlichte Martin. Diese bewirken eine Wasser- und Natriumretention und schwächen die Wirkung der Antihypertonika ab. Zudem schränken sie die Nierenfunktion ein. Gefährlich wird dies vor allem bei älteren Patienten, bei eingeschränkter Nierenfunk­tion oder bei bestehendem Risiko für eine Exsikkose. Vor allem die Kombination von NSAR, RAS-Blockern und Diuretika sei kritisch zu sehen, da sie zu akutem Nierenversagen führen kann.

 

Vorsicht mit NSAR

 

»Bei Hypertonikern sollten Apotheker den Einsatz von NSAR in der Selbstmedikation drosseln«, empfahl Martin. Wenn ein Patient keine Nieren- oder Herzerkrankungen hat, sei eine kurzfristige Einnahme vertretbar. Liegen aber Erkrankungen vor, sollten Schmerzmittel nicht ohne Absprache mit dem Arzt eingenommen werden. Für ASS als Prophylaxe in einer Dosierung von 100 mg gilt dies allerdings nicht. Insgesamt könne Par­acetamol als Alternative zur Schmerz­behandlung eingesetzt werden.

 

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