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Hautkrebs

Heterogen und sehr häufig

11.12.2012
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Von Annette Mende, Berlin / Schätzungsweise 180 000 Menschen erkranken in Deutschland jährlich neu an Hautkrebs – mehr als an Brust- und Prostatakrebs zusammen. Nur etwa jeder zehnte dieser Patienten leidet allerdings an einem malignen Melanom. Die meisten anderen Hautkrebsformen sind deutlich weniger aggressiv.

»Der Begriff Hautkrebs bezeichnet eine sehr heterogene Erkrankungsgruppe«, leitete Dr. Klaus Kraywinkel vom Zentrum für Krebsregisterdaten des Robert-Koch-Instituts seinen Vortrag bei einem Symposium des Berliner Iges-Instituts ein. Die Vielfalt der Hauttumore werde jedoch in der internationalen Krankheitsklassifikation ICD-10 nicht abgebildet. Diese unterscheidet lediglich zwischen malignen Melanomen (C43) und sonstigen bösartigen Tumoren der Haut (C44).

 

»Die nicht-melanotischen Hautkrebsformen werden in den meisten epidemiologischen Krebsregistern nicht oder nur unvollständig erfasst«, so Kraywinkel. Dafür gebe es mehrere Gründe. »Einerseits sind sie nicht so gefährlich wie das maligne Melanom. Andererseits ist die Erfassung sehr schwierig, weil diese Tumore oft ambulant behandelt werden, die epidemiologischen Krebsregister aber traditionell auf klinischen Daten aus Krankenhäusern fußen«, erklärte Kraywinkel. Verlässliche Aussagen zu Trends der Erkrankungshäufigkeiten seien daher derzeit nicht möglich. In Deutschland würden erst seit Kurzem in einigen Landesregistern detaillierte Daten zu diesen Erkrankungen gespeichert. Eine flächendeckende Erfassung sei aber nicht geplant, unter anderem aus Kostengründen.

 

Ganz anders ist die Situation beim malignen Melanom, dessen Inzidenz, Überleben und Stadien seit drei Jahren in ganz Deutschland erfasst werden. Kraywinkel zufolge erkranken jährlich etwa 18 000 Menschen neu an einem malignen Melanom. Auf den sogenannten schwarzen Hautkrebs entfallen damit circa 10 Prozent aller bösartigen Haut­tumore, aber 80 Prozent aller 3000 Todesfälle durch Hautkrebs pro Jahr.

 

Relativ gute Prognose

 

Trotz dieser Zahlen ist das relative 5-Jahres-Überleben von Melanom-Patienten mit circa 90 Prozent vergleichsweise sehr gut. »Das relative 5-Jahres-Überleben ist immer ein bisschen schwierig zu vermitteln, denn überleben kann man ja nur absolut und nicht relativ«, sagte Kraywinkel. Es diene als Maßzahl, um die Sterblichkeit an verschiedenen Tumoren altersangepasst miteinander zu vergleichen. Bei einem relativen 5-Jahres-Überleben von 100 Prozent ist das Überleben so wie in der Normalbevölkerung gleichen Alters und Geschlechts.

 

Das maligne Melanom hat also im Vergleich mit anderen Krebserkrankungen, deren durchschnittliches relatives 5-Jahres-Überleben 55 Prozent beträgt, eine relativ günstige Prognose. Das liegt vor allem daran, dass mittlerweile jedes zweite Melanom in einem noch frühen Tumorstadium erkannt wird. Kraywinkel nannte noch einen weiteren Grund: »Bei vielen Hauttumoren ist der 5-Jahres-Zeitraum eigentlich etwas zu kurz gegriffen. Das 10-Jahres-Überleben würde wahrscheinlich ein negativeres Bild ergeben. Um das zu erfassen, fehlen uns aber momentan noch die Daten.«

 

Der mit Abstand häufigste bösartige Hauttumor mit schätzungsweise 130 000 Neuerkrankungen pro Jahr ist das Basaliom. Der sogenannte weiße Hautkrebs entwickelt sich aus den basalen Schichten der Epidermis beziehungsweise den Haarfollikeln. An einem Basa­liom erkranken vor allem ältere Menschen, und zwar am häufigsten im Gesicht. »Basaliome metastasieren extrem selten, nur in weniger als 0,1 Prozent der Fälle. Möglich ist aber ein lokal destruierendes Wachstum«, informierte Kraywinkel. Da dem Basaliom mit der nahezu fehlenden Metastasierungstendenz eines der Kriterien für Malignität fehlt, wird es auch als semi-maligne bezeichnet.

 

Risikofaktor UV-Licht

 

Wie das Basaliom ist auch das Platten­epithel-Karzinom der Haut eine Erkrankung des höheren Lebensalters. Mit etwa 30 000 Neuerkrankungen jährlich ist es sehr viel seltener als das Basaliom, aber immer noch deutlich häufiger als das maligne Melanom. Es entwickelt sich meistens auf dem Boden einer aktinischen Keratose, die durch UV-Licht verursacht wird. »Eine Metastasierung ist möglich, aber selten«, so Kraywinkel. Häufig erkranken immungeschwächte Patienten.

 

1500 Fälle pro Jahr entfallen laut dem Referenten auf seltene Hautkrebsformen. Dazu gehören Merkelzell-Tumore, Fibrosarkome, Karzinome der Talg- und Schweißdrüsen sowie Hautlymphome, die zu den Non-Hodgkin-Lymphomen zählen. Merkelzellen sind spezielle Sinneszellen, die in der tieferen Oberhaut Druckrezeptoren bilden. »Merkelzell- Tumoren haben wahrscheinlich zum Teil eine virale Genese«, sagte Kraywinkel. Fibrosarkome gehen vom Bindegewebe der Haut aus und betreffen bevorzugt Männer mittleren Alters. /

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