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Pandemie

Weniger Hautkrebsscreening, größere Tumoren

In der Coronapandemie nehmen deutlich weniger Menschen die gesetzliche Hautkrebs-Früherkennungsuntersuchung wahr. Die Folgen: größere Tumore bei der Erstdiagnose mit schlechteren Heilungschancen.
Brigitte M. Gensthaler
21.02.2022  14:30 Uhr

»Wir erleben in den dermatologischen Praxen und Kliniken, dass die entdeckten Hauttumore größer und weiter fortgeschritten sind«, berichtete Dr. Thomas Stavermann, Vizepräsident des Berufsverbands der Deutschen Dermatologen, bei einer online-Pressekonferenz anlässlich der Tagung »Dermatologie Kompakt & Praxisnah«. Die Inanspruchnahme des Hautkrebsscreenings habe seit Beginn der Pandemie deutlich nachgelassen. »Die Menschen scheuen den direkten nahen Kontakt zum Arzt und schieben Präventionsmaßnahmen auf.«

Eine verschleppte Diagnose berge vor allem beim schwarzen Hautkrebs das hohe Risiko, dass der Tumor bereits gestreut hat, was die Prognose deutlich verschlechtere, warnte der Berliner Arzt. Beim malignen Melanom sei unter anderem die Tumordicke ein wichtiger Parameter für die Überlebenschance der Betroffenen. Bereits ab 1,01 mm steige das Risiko für die Entstehung von Metastasen.

Der viel häufigere helle Hautkrebs, zu dem das Basalzell- und das Plattenepithelkarzinom gehören, metastasiert nur sehr selten. Dennoch sollte auch dieser Tumor möglichst früh erkannt werden, da dies die oft notwendigen Operationen vereinfacht. Das gilt vor allem für Tumore im Gesicht und in anderen sichtbaren Körperarealen. »Gerade beim hellen Hautkrebs sehen wir, beispielsweise im Augenbereich, häufiger größere Tumore bei der Erstdiagnose als vor der Pandemie.« Außerdem kämen Patienten während der Pandemie verzögert zu Befundbesprechungen und seltener zur Nachsorge, so Stavermann.

»Digitale Methoden und Handy-Fotos der Haut können das Screening beim Arzt nicht ersetzen«, stellte er klar. Der gesamte Körper müsse beim Screening untersucht werden. Zudem berate der Arzt auch zur Hautkrebsprävention. »Wir müssen die Menschen wieder zum frühzeitigen Hautkrebsscreening und zur Krebsprävention motivieren.«

Jährlich erkranken in Deutschland nach Daten der Krebsregister rund 272.000 Menschen neu an Hautkrebs, davon etwa 37.000 am malignen Melanom, 143.000 an einem Basalzellkarzinom und 92.000 an einem Plattenepithelkarzinom. Jedoch schätzen Experten die tatsächliche Zahl neuer Hautkrebsfälle auf mehr als 500.000 pro Jahr.

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