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GKV-Finanzen
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Kommission will Hautkrebsscreening streichen

Unter dem Bündel an Maßnahmen, die die Finanzkommission Gesundheit am Montag vorgelegt hat, ist auch der Vorschlag, das Hautkrebsscreening zu streichen. Trotz steigender Diagnosen ist das Screening fachlich umstritten. Auch die Laboruntersuchungen beim Check Up 35 sieht die Kommission kritisch.
AutorKontaktDaniela Hüttemann
Datum 31.03.2026  16:20 Uhr
Kommission will Hautkrebsscreening streichen

Die Sonnenbrände der Kindheit rächen sich mit zunehmendem Alter: Die Hautkrebsrate stieg über Jahre kontinuierlich an und liegt seit 2012 relativ konstant bei 21 (Frauen) beziehungsweise 23 (Männer) Erkrankungen pro 100.000 Einwohnern pro Jahr. 2023 wurde in Deutschland bei 27.430 Menschen die Diagnose malignes Melanom (schwarzer Hautkrebs) gestellt. Die relative Zehn-Jahres-Überlebensrate liegt aktuell bei 95 bis 96 Prozent.

Wie immer bei Krebs gilt, dass die Entdeckung in einem frühen Stadium mit einer besseren Prognose verbunden ist. Daher wurde 2008 in Deutschland ein allgemeiner Anspruch für alle Versicherten ab einem Alter von 35 Jahren verankert, alle zwei Jahre zum Hautkrebsscreening zu gehen. Ob das tatsächlich die Hautkrebsmortalität der Allgemeinbevölkerung senkt, ist jedoch bisher nicht nachgewiesen.

Die Evidenzlage hat sich offensichtlich auch die von Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) eingesetzte Finanzkommission Gesundheit angesehen. Unter ihren am 30. März veröffentlichten Sparvorschlägen findet sich die Empfehlung, das Screening abzuschaffen. »Weil der Patientennutzen fehlt, empfehlen wir das Aussetzen und gegebenenfalls die Weiterentwicklung der anlasslosen Ganzkörperuntersuchung der Haut bei gesunden Erwachsenen«, sagte Professor Dr. Ferdinand Gerlach, Vizechef der Finanzkommission Gesundheit, gegenüber der »Frankfurter Allgemeinen Zeitung«.

»Deutschland ist das einzige Land, das sich das leistet, nicht einmal Australien macht das«, so der Mediziner. »Das Ziel, Erkrankungen oder die Sterblichkeit zu verringern, wurde verfehlt. Die jetzigen Screenings beschäftigen rechnerisch 600 bis 900 Haut- und Hausärzte in Vollzeit und haben keinen relevanten Effekt.« Einsparen ließen sich 240 Millionen Euro pro Jahr.

Hautkrebsscreening für bestimmte Personengruppen sinnvoll

Gemäß eines Beitrags in der »Deutschen Medizinischen Wochenzeitschrift« vom April 2025 führt ein flächendeckendes Screening zwar zur vermehrten Detektion von Melanomen in frühen Stadien, senkt jedoch bisher nicht nachweislich die Sterblichkeit. Auf Basis der aktuellen Studienlage könne man ein Screening asymptomatischer Populationen weder empfehlen noch davon abraten – Risikopatienten sollten jedoch gescreent werden. Dazu gehören laut dem Artikel Menschen mit sehr heller Haut, Patienten unter Immunsuppression, bei einer Familiengeschichte mit Melanomen, nach häufigen Sonnenbränden in der Kindheit oder mit mehr als 50 Leberflecken/Muttermalen und einer Vorgeschichte von auffälligen, atypischen Malen.

Von Eigenscreenings raten die Fachautoren ab: »Kommerzielle Smartphone-Apps zur Beurteilung von melanozytären Hautveränderungen führen häufig zu überhöhten Risikoeinschätzungen.« KI-gestützte 3D-Ganzkörperfotografie und digitale Dermatoskopie hätten dagegen in Kombination mit menschlicher Expertise das Potenzial zur Verbesserung des Screenings, insbesondere für Hochrisikopatienten.

Die Finanzkommission Gesundheit schlägt vor, dass der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) innerhalb von zwei Jahren prüfen und definieren soll, welche Gruppen von einem »risikobasierten opportunistischen Screening« profitieren könnten und ob dazu neue technische Untersuchungen genutzt werden können.

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