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Schweinegrippe

Minister ruft zur Impfung auf

08.12.2009
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Von Uta Grossmann, Berlin / Gesundheitsminister Dr. Philipp Rösler (FDP) appelliert eindringlich an die Bevölkerung und die im Gesundheitswesen Beschäftigten, sich gegen die Schweinegrippe impfen zu lassen. Bisher sind erst ungefähr 5 Prozent aller Deutschen und 15 Prozent des medizinischen Fachpersonals immunisiert.

Angesichts von etwa 190 000 Infizierten und 86 Todesfällen in Deutschland warnte der Minister vor Impfmüdigkeit. Nach einem kurzfristigen Ansturm auf die Arztpraxen, nachdem der Impfstoff Pandemrix ausgeliefert war, und anfänglichen Lieferschwierigkeiten der Firma GlaxoSmithKline (GSK) hat sich die Lage inzwischen entspannt und es steht ausreichend Impfstoff zur Verfügung. Jetzt ist sogar zu befürchten, dass die Länder, die insgesamt 50 Millionen Dosen Impfstoff geordert hatten, auf einem Teil der Lieferung sitzen bleiben. Bis Ende Dezember soll GSK 20 Millionen Dosen geliefert haben.

 

Was mit überzähligem Impfstoff geschieht, müssen die Länder noch entscheiden. Im Gespräch ist, 2,2 Millionen Dosen an bedürftige Staaten abzugeben. Die Ukraine hat bereits bei der Bundesregierung nachgefragt, ob sie nicht benötigten Impfstoff erwerben könne. Auch Moldawien und Afghanistan sollen ihr Interesse bekundet haben.

 

Für einen ausreichenden Impfschutz wäre es wünschenswert, dass sich 30 Prozent statt der derzeitigen 5 Prozent der Bevölkerung impfen lassen. Angesichts der geringen Impfbereitschaft warnte Minister Rösler davor, die vom H1N1-Virus ausgelöste Neue Influenza A (»Schweinegrippe«) zu unterschätzen. Nach der ersten könne eine zweite Welle folgen, man dürfe sich vom momentanen »Wellental« nicht täuschen lassen. Ängste vor der Impfung versuchte Rösler zu zerstreuen: Das sei nur ein kleiner Pikser in den Oberarm. Er habe sich vorigen Donnerstag impfen lassen und lediglich an den Tagen danach etwas wie Muskelkater gespürt, sagte er.

 

Der Impfstoff sei auch für Kinder ab dem sechsten Monat unbedenklich, versicherte der Präsident des Bundesverbandes der Kinder- und Jugendärzte, Dr. Wolfram Hartmann. Der Großteil der Erkrankten sind Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene bis zum 24. Lebensjahr. Hartmann riet Eltern, ihre Kinder auch dann impfen zu lassen, wenn sie bereits Symptome der Neuen Influenza gezeigt hätten.

 

Der Hauptgeschäftsführer der Bundesärztekammer, Professor Dr. Christoph Fuchs, räumte selbstkritisch ein, dass die Ärzteschaft ihr Teil dazu beigetragen habe, dass viele Menschen unsicher seien, ob sie sich impfen lassen sollen oder nicht. Die Ärzte müssten ihrer Vorbildfunktion gerecht werden, verlangte er. Sie sollten sowohl sich selbst und ihr Personal impfen lassen als auch die Impfbereitschaft ihrer Patienten fördern, forderte Fuchs am Montag nach dem zweiten Impfgipfel im Bundesgesundheitsministerium, zu dem Minister Rösler Vertreter der Ärzteschaft, der Krankenkassen und Krankenhäuser eingeladen hatte.Der eigens für Schwangere bestellte nichtadjuvantierte Spaltimpfstoff (ohne Wirkverstärker) soll Mitte Dezember von der australischen Herstellerfirma CSL geliefert werden, sagte Minister Rösler. Es wurden 150 000 Dosen geordert. /

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