Pharmazeutische Zeitung online
Grippeschutzimpfung für Risikogruppen

Impfquote noch zu niedrig

Nur ein Bruchteil der Risikopersonen, die sich gegen Grippe impfen lassen sollten, hat das in den vergangenen Jahren in Deutschland auch getan. Die Impfquoten liegen bei chronisch Kranken je nach Erkrankung zwischen 19 und 44 Prozent, zeigt eine aktuelle Analyse.
Christina Hohmann-Jeddi
25.09.2020  17:44 Uhr

In der anhaltenden Covid-19-Pandemie kommt der Grippeimpfung eine besondere Bedeutung zu. Sie verhindert nicht nur Doppelinfektionen, sondern schützt auch vor schweren Grippeverläufen, was die Krankenhäuser entlastet. Dabei überschneiden sich die Risikogruppen für schwere Grippeverläufe mit denen für schwere Covid-19-Erkrankungen. Besonders gefährdet sind Ältere und chronisch Kranke. Entsprechend empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) allen Patienten mit bestimmten chronischen Grundleiden sowie allen Personen ab 60 Jahren, und zudem Schwangeren und medizinischem Personal, sich jährlich gegen Influenza impfen zu lassen. Nur ein Bruchteil der Chroniker folgt der Empfehlung, wie die Versorgungsatlas-Studie »Inanspruchnahme von Influenza-Impfungen bei chronisch kranken Personen im vertragsärztlichen Sektor« zeigt, die das Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung (Zi) aktuell veröffentlicht hat.

Das Institut hatte vertragsärztliche Abrechnungsdaten aus den Jahren 2009 bis 2018 untersucht und den Anteil von chronisch Kranken bestimmt, die sich gegen Grippe impfen ließen. Demnach variierten die Impfquoten im Jahr 2017 je nach Erkrankung bundesweit erheblich. Mit 44 Prozent war sie bei Patienten mit chronischen Nierenkrankheiten am höchsten und mit 19 Prozent bei Patienten mit Multipler Sklerose am niedrigsten. Sehr niedrig lagen die Impfquoten – neben MS – auch bei Patienten mit Virushepatitis, Asthma oder Immundefekten. Damit lagen die Impfquoten bei allen Erkrankungen deutlich niedriger als die von der Europäischen Union geforderte Quote von 75 Prozent, heißt es in dem Zi-Bericht.

Im Zeitraum 2013/14 bis 2017/18 gingen die Impfquoten insgesamt leicht zurück beziehungsweise stagnierten. Für 2018 ist aber ein leichter Anstieg zu verzeichnen. Auch während der ersten Pandemiewelle wurde verstärkt geimpft, meldet das Zi. Dies zeigt der jüngst veröffentlichte Zi-Trendreport für die Monate Januar bis März 2020. Diesen Trend belegen auch die Zahlen im »Arzneimittel-Atlas«, demzufolge der Verbrauch von Influenza-Impfstoffen von 16,7 Millionen Dosen in 2009 auf 12,3 Millionen Dosen in 2017 kontinuierlich abfiel; in 2018 stieg er wieder leicht auf 13,4 Millionen Dosen an.

Ein weiteres Ergebnis der Studie: Die Impfquoten stiegen mit zunehmendem Alter, vor allem ab 60 Jahren, an und waren bei den über 80-Jährigen am höchsten. Frauen ließen sich generell häufiger impfen als Männer. Zwischen den östlichen und westlichen Bundesländern bestehen weiterhin zum Teil deutliche Unterschiede. So wurden 2017 Patienten mit Diabetes im Osten mit 55 Prozent deutlich häufiger geimpft als im Westen mit 31 Prozent. Ein Grund dafür könnte die historisch belegte bessere Impfakzeptanz im Osten sein.

»Die Influenza­-Impfquoten bei chronisch kranken Personen sind historisch auf einem niedrigen Niveau«, heißt es in dem Bericht. Anhand der Daten könne man Risikogruppen mit den größten Impflücken identifizieren. Weitere Maßnahmen seien notwendig, um die Impfbereitschaft bei chronisch kranken Menschen zu erhöhen. Wie die Impfbereitschaft in der kommenden Saison ausfällt, bleibt abzuwarten. Insgesamt wird mit einer erhöhten Nachfrage gerechnet

Mehr von Avoxa