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Anzag

Ein durchwachsenes Geschäftsjahr

08.12.2009
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Von Daniel Rücker, Frankfurt am Main / Erstmals seit fünf Jahren konnte der Vorstandsvorsitzende des Pharmagroßhändlers Anzag, Dr. Thomas Trümper, in einer Bilanzpresskonferenz gestiegene Erträge seines Unternehmens verkünden.

Am 31. August endete das Geschäftsjahr 2009. Zu diesem Zeitpunkt hatte der Frankfurter Großhändler Andreae Noris Zahn AG (Anzag) vor Zinsen und Steuern 35 Millionen Euro verdient, knapp 7 Millionen Euro mehr als im Vorjahr.

 

Der Konzernumsatz stieg im selben Zeitraum um 4,1 Prozent auf 4 Milliarden Euro. Euphorie löst das Ergebnis bei Trümper allerdings nicht aus: »Wir haben uns leicht verbessert, zufriedenstellend ist das Ergebnis aber nicht.« Zufrieden sei er erst ab einer Umsatzrendite von einem Prozent, im abgelaufenen Jahr habe sie 0,56 Prozent betragen. Immerhin sei es gelungen, das Ergebnis zu stabilisieren.

 

Den größten Teil des Konzernumsatzes machte die Anzag mit 3,7 Milliarden Euro in Deutschland. Das ist eine Steigerung von 0,9 Prozent gegenüber 2008. Hinzu kommen 280 Millionen Euro, die das Unternehmen in Litauen, Kroatien und Rumänien erwirtschaftete. Ihr Auslandsengagement will die Anzag nach Trümpers Angaben weiterhin vornehmlich auf Osteuropa fokussieren. An einem Einstieg in andere Märkte zeigte er wenig Interesse.

 

Zufrieden ist der Anzag-Chef mit der Entwicklung der Apothekenkooperation Vivesco. Dieser gehören fünf Jahre nach ihrer Gründung 1100 Apotheken an. Diese Zahl sei relativ stabil, sagte Trümper. Es gebe nur wenig Bewegung. Daran habe sich auch nach dem Urteil des Europäischen Gerichtshofes zum Apothekenfremdbesitz nichts geändert.

 

Direktgeschäft schmälert Ergebnis

 

Das Ergebnis der Anzag wäre laut Trümper wohl besser ausgefallen, wenn das Direktgeschäft zwischen Herstellern und Apothekern im abgelaufenen Geschäftsjahr nicht weiter auf 17,5 Prozent des Umsatzes gestiegen wäre. Für das aktuelle Geschäftsjahr rechnet Trümper allerdings wegen des mit der 15. AMG-Novelle eingeführten Belieferungsanspruchs des Großhandels mit einer deutlich niedrigeren Quote für das Direktgeschäft. Seit dem Inkrafttreten der 15. AMG-Novelle sei das Volumen auf zuletzt 16 Prozent zurückgegangen. Auch die Rabattverträge waren nach Auskunft Trümpers kein Segen für das Geschäftsergebnis. Sie verursachten viel Arbeit beim Großhandel. Das betreffe vor allem Bestellungen, Lagerhaltung, Kommissionierung und die Beratung der Kunden.

 

Für das Geschäftsjahr 2010 rechnet Trümper erneut mit einem »moderaten Wachstum« auf 4,1 Milliarden Euro. Die langfristige Perspektive beurteilt er im weiter wachsenden Gesundheitsmarkt positiv. Dazu trage auch bei, dass sich die neue Bundesregierung ausdrücklich zu einer hochwertigen Gesundheitsversorgung in Deutschland bekannt habe und nicht allein auf die Kosten schaue.

 

Erwartungsgemäß unzufrieden ist Trümper mit der Vorgängerregierung, die den Vorschlag des pharmazeutischen Großhandels für eine Umstellung der Vergütung nicht aufgenommen habe. Damit leisteten preiswerte Arzneimittel weiterhin keinen angemessenen Beitrag zu den Distributionskosten. Trümper, der auch Vorsitzender des Bundesverbandes des Pharmazeutischen Großhandels ist, will diese Idee erneut in die Politik tragen. Allerdings nicht in nächster Zukunft. /

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