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Pharmaindustrie

Die Aussichten

08.12.2009
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Von Sven Siebenand, Frankfurt am Main / Finanzkrise hin oder her: Die forschenden Pharmaunternehmen blicken dem Jahr 2010 optimistisch entgegen. Ergebnisse einer Umfrage und Antworten auf die Frage, wie innovative Medikamente auch weiterhin bei den Patienten ankommen, gab es vorige Woche in Frankfurt am Main.

Kein Arbeitsplatzabbau, keine dramatischen Umsatzeinbrüche und kein Rufen nach staatlichen Hilfen: »Die 50 im VFA organisierten Unternehmen haben sich auch in den stürmischen Zeiten der Wirtschafts- und Finanzkrise gut geschlagen«, sagte Dr. Wolfgang Plischke, Vorstandsvorsitzender des Verbandes Forschender Arzneimittelhersteller (VFA). Mit Andauern der Wirtschaftskrise sei die Branche jedoch etwas weniger optimistisch für das kommende Jahr als im Vorjahr. »Aber etwas weniger Optimismus ist kein Pessimismus«, stellte Plischke klar. Als »Stimmungsbarometer 2010« bezeichnete er die Herbstumfrage seines Verbandes. Demnach erwarten fast 60 Prozent der Mitgliedsunternehmen konstante oder sogar leicht steigende Umsätze. Knapp 20 Prozent hoffen sogar auf einen mittel bis stark steigenden Umsatz.

 

Jeder Fünfte erwartet ein Minus

 

Die restlichen 20 Prozent rechnen mit einem rückläufigen Ergebnis, im vergangenen Jahr war dies nur bei jedem achten Unternehmen der Fall. Fasst man diese Zahlen zusammen, dann ist offenbar bei 80 Prozent der Unternehmen eine positive Grundstimmung zu verzeichnen. Diese Zahlen decken sich nicht ganz mit den Angaben in punkto Beschäftigung. Denn immerhin plant mehr als ein Drittel (37,5 Prozent) der Unternehmen eine Reduktion der Arbeitsplätze.

 

»Ein bisschen verhaltener und ein bisschen vorsichtiger« agieren die Unternehmen Plischke zufolge auch bei Forschung und Entwicklung. Während 2008 noch knapp 44 Prozent der Unternehmen eine Erhöhung der Ausgaben in diesem Bereich geplant hatten, sind es in diesem Jahr nur noch 29 Prozent. Positiv ist jedoch, dass nur eine Minderheit von etwa 16 Prozent über Kürzungen bei Forschung und Entwicklung nachdenkt und mehr als die Hälfte den derzeitigen Stand halten will.

 

»Forschende Pharmaunternehmen, die sich in den vergangenen Monaten als volkswirtschaftlicher Stabilitätsfaktor erwiesen haben, können einen Beitrag zur Überwindung wirtschaftlich schwieriger Zeiten leisten«, sagte Plischke. Eine wichtige Stärke des deutschen Gesundheitsmarktes sei seine Innovationsoffenheit. Moderne Medikamente stünden mit ihrer Zulassung den Patienten zur Verfügung und pharmazeutische Unternehmen seien schnell im wichtigsten europäischen Markt präsent. »Dieses deutsche Markenzeichen sollten wir nutzen und uns global als Leitmarkt für Innovationen positionieren, statt eine Stärke zur Schwäche umzudeuten«, forderte Plischke.

 

»Auf Dauer kann nur ein starkes Gesundheitssystem Innovationen finanzieren«, betonte im Anschluss Cornelia Yzer, Hauptgeschäftsführerin des VFA. Die Teilhabe aller Patienten am medizinischen Fortschritt zu sichern, sei erfreulicherweise die politische Leitlinie der neuen Bundesregierung. Um das zu realisieren, sind zum einen die Kosten-Nutzen-Bewertung und zum anderen der Ausbau des Vertragsgeschehens im Gespräch. »Im Grundsatz sind wir bereit, beide Wege zu gehen, um unseren Teil der Verantwortung für den Arzneimittelsektor zu übernehmen«, sagte Yzer. Was die Kosten-Nutzen-Bewertung angeht, mahnte sie jedoch die Etablierung von Methoden nach internationalen wissenschaftlichen Standards sowie ein transparentes Verfahren und angemessene Beteiligungsrechte in allen wesentlichen Verfahrensschritten an.

 

Mehrwert- statt Rabattverträge

 

Auch das Instrument der Versorgungsverträge lehnt der VFA nicht grundsätzlich ab. Allerdings werden Rabattverträge mit ihrer einseitigen Fokussierung auf die Preiskomponente innovativen Arzneimitteln nicht gerecht, so Yzer. Sie plädierte dagegen für Mehrwertverträge. Diese hätten vor allem die Qualitätssteigerung und eine Verbesserung der Outcomes der medizinischen Versorgung zum Ziel.

 

Bislang haben solche mehrdimensionalen Verträge Yzer zufolge noch Pilotprojekt-Charakter in Deutschland. Denkbar sei zum Beispiel, dass bei Vertragsabschluss auch eine Erfolgsquote mitbetrachtet wird. Würde der Behandlungserfolg dann doch nicht in dem erwarteten Maße eintreten, müsste der Hersteller Rückzahlungen leisten.

 

Bis es aber so weit ist, muss zunächst ein verlässlicher gesetzlicher Rahmen abgesteckt werden, in dem dann unterschiedliche Verträge abgeschlossen werden können, so Yzer. /

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