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Weichenstellung

08.12.2008  14:08 Uhr

Weichenstellung

In drei Wochen ist 2008 Geschichte. Was die Apotheker 2009 erwartet, hängt allerdings erheblich von den Ereignissen dieser Wochen ab. In den nächsten Tagen werden wichtige Weichen für die Zukunft der Arzneimittelversorgung gestellt.

 

Nächsten Dienstag, am 16. Dezember, wird Yves Bot, Generalanwalt am Europäischen Gerichtshof in Luxemburg seinen Schlussantrag im Vorlageverfahren zum deutschen Fremdbesitzverbot stellen. In vier von fünf Fällen folgt das Gericht dem Schlussantrag; das Urteil wird für Sommer 2009 erwartet. Experten halten den Ausgang für völlig offen. Selbst die Profiteure einer Deregulierung sind in ihren Prognosen zurückhaltender geworden. Aus gutem Grund, denn es gibt eine starke Fraktion in Europa, die eine industrialisierte Arzneimittelversorgung ablehnt. Zudem hat die aktuelle Wirtschaftskrise recht eindrucksvoll gezeigt, dass es um die Selbstreinigungskräfte in einem freien Markt nicht allzu gut bestellt ist. Mancher Ex-Neoliberale entdeckt dieser Tage seine Sympathie für staatliche Regulierung.

 

Die Bedenken gegen eine Industrialisierung der Arzneimittelversorgung dürften auch dazu beigetragen haben, dass der Bundesrat am 19. Dezember über die Rückführung des Versandhandels auf das europarechtlich mögliche Maß diskutiert. Die Entscheidung wird allerdings spannend. Der Gesundheitsausschuss der Länderkammer ist dafür, der Wirtschaftsausschuss dagegen. Falls der Bundesrat zustimmt, ist der Bundestag am Zug. Er könnte noch vor der Bundestagswahl im September 2009 den Versand von rezeptpflichtigen Arzneimitteln verbieten. Es wäre ein mutiger Schritt im Sinne der Patienten.

 

Für ein drittes Thema, das die Apotheker 2009 beschäftigt, werden zurzeit die Weichen gestellt. Die AOK hat die Zuschläge für ihre neuen Rabattverträge erteilt. Einige große Hersteller sind dabei, aber auch sehr kleine. Für die Versorgung der AOK-Patienten mit Omeprazol ist bundesweit eine einzige kleine Firma zuständig. Kennen Sie KSK? Der Geschäftsführer bekräftigt zwar, man sei in jedem Fall lieferfähig, doch das hatten Biomo, Corax und die anderen Unternehmen aus der ersten Rabattrunde auch getan. Das Ergebnis ist bekannt. Die AOK hat hoffentlich daraus gelernt.

 

Das kommende Jahr wird spannend. Es gibt aber keinen Grund zur Panik. Der Wettbewerb ist längst in den Apothekenmarkt eingezogen. Die meisten Apotheker haben ihre Betriebe darauf eingestellt. Sie sind effizient und konkurrenzfähig. Sie sind es, nicht weil sie den potenziellen Eindringlingen in den Markt möglichst ähnlich geworden sind, sondern weil sie ihre eigenen Stärken, die pharmazeutische Kompetenz, persönliche Beratung und Service, weiter ausgebaut haben. Deshalb sind Weltuntergangsszenarien völlig fehl am Platz. Politik und Gerichte geben zwar den Rahmen vor, aber sie entscheiden damit nicht über Sieger und Verlierer.

 

Daniel Rücker

Stellvertretender Chefredakteur

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