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Hilfsmittel erfordern Beratung

10.12.2007  13:39 Uhr

Hilfsmittel erfordern Beratung

Den Apothekern bleibt nichts erspart. Seit Anfang des Jahres müssen sie sich schon mit den Auswirkungen der unglücklichen Rabattverträge von AOK und anderen Kassen herumärgern. Eine zweite, hoffentlich weniger chaotische Runde steht im nächsten Jahr bevor. Nun soll ein weiteres Segment des Apothekensortiments den Arzneimitteln in die Ausschreibung folgen: die Hilfsmittel.

 

Laut GKV-Wettbewerbstärkungsgesetz (GKV-WSG) sollen Verträge zur Versorgung mit Hilfsmitteln ebenfalls öffentlich ausgeschrieben werden, soweit dies »in einer wirtschaftlichen und in der Qualität gesicherten Versorgung zweckmäßig ist« (siehe dazu Hilfsmittel: Ausschreibungen könnten Apotheker aus dem Markt drängen). Was der Gesetzgeber sich allerdings unter dem Begriff »zweckmäßig« genau vorstellt, hat er offen gelassen. Somit steht noch nicht fest, für welche Produkte Rabattverträge geschlossen werden. Ob die bislang geltenden Hilfsmittel-Lieferverträge auch weiterhin gültig bleiben, ist ebenfalls unklar. Ein ordentlich strukturiertes Ausschreibungsverfahren sieht anders aus.

 

Möglich ist, dass es für Apotheker demnächst schwerer wird, an der Hilfsmittelversorgung teilzunehmen. Es ist noch offen, ob und bei welchen Produkten die Apotheker Chancen haben, eine Ausschreibung zu gewinnen und sich gegen Sanitätshausketten und andere Anbieter durchzusetzen. Aus wirtschaftlicher Sicht ist es für viele Apotheker sicher schmerzhaft, auf die Hilfsmittelversorgung zu verzichten. Da diese nur etwa 4 Prozent des Umsatzes ausmachen, würde es aber nicht den Ruin bedeuten. Doch für die Patienten wäre die Entwicklung nicht von Vorteil - denn mit Beratung und Diskretion steht es in Sanitätshäusern laut eines Berichts der Stiftung Warentest nicht immer zum Besten (siehe dazu Hilfsmittel: Chancen für die Apotheker).

 

Der Vorteil der Apotheken ist hier die kompetente Beratung zu den meist hoch beratungsbedürftigen Hilfsmitteln. Ob Blutdruckmessgerät, Wundverbände oder Katheter - die wenigsten Artikel erklären sich selbst. Vor allem ältere Patienten brauchen Unterstützung, um die notwendigen Hilfsmittel auch so anzuwenden, dass sie tatsächlich eine Hilfe sind. Hier leisten die Apotheker jeden Tag wichtige Arbeit. Es wäre schön, wenn sie das auch in Zukunft noch könnten. Die Apotheker sollten sich daher bemühen, eventuell in Kooperation mit Sanitätshäusern, auf dem Hilfsmittelmarkt präsent zu bleiben.

 

Christina Hohmann

Ressortleitung Medizin

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