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Berufswahl

Perspektiven für General-Dilettanten

03.12.2012
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Von Annette Mende, Berlin / Manche behaupten, das Wissen von Journalisten sei groß wie ein Meer, aber flach wie eine Pfütze. Im Vergleich zu anderen Naturwissenschaftlern könnte man das auch über Apotheker sagen. Für die Berufswahl frischgebackener Pharmazeuten ist das aber ein Vorteil, denn ihnen stehen viele Möglichkeiten offen.

Laborpraktika, Kolloquien, Referate, Klausuren: Gerade im letzten Abschnitt des Studiums haben Pharmaziestudierende einen proppenvollen Stundenplan. Viele denken da nur noch von Prüfung zu Prüfung und machen sich wenig Gedanken über die Zeit nach dem Staatsexamen. Um Berliner Pharmaziestudierenden die vielen möglichen Einsatzgebiete von Apothekern vorzustellen, lud der Govi-Verlag zusammen mit der Apothekerkammer Berlin vergangene Woche zu einer Podiumsdiskussion.

»Apotheker sind General-Dilettanten«, sagte Dr. Andreas Sachse, der in der pharmazeutischen Industrie Karrie­re gemacht hat. »Das ist genial, denn man kann als Apotheker verschiedene Positionen in einem Pharmaunter­nehmen ausprobieren und ist viel weniger festgelegt als beispielsweise ein Chemiker.« Die Arbeit in der Pharma­industrie sei unglaublich interessant und sehr gut bezahlt – aber es werde auf der anderen Seite auch erwartet, dass man überdurchschnittlich viel arbeite. Vielfach sei ein Doktortitel Einstellungsvoraussetzung, auch Auslandserfahrung werde gerne gesehen.

 

Wer sich in ein bestimmtes pharmazeutisches Fachgebiet vertiefen und darin zu einem Thema eigene Ideen entwickeln möchte, ist in der Forschung gut aufgehoben. Dr. Charlotte Kloft, Professorin für Klinische Pharmazie an der Freien Universität Berlin, warb für die akademische Laufbahn: »Als Doktorand lernt man, sich mit einer bestimmten Fragestellung intensiv auseinanderzusetzen, das Wichtige vom Unwichtigen zu trennen und schließlich eine eigene Lösung des Problems zu entwickeln. Diese Fähigkeiten kommen einem später auch in anderen Lebens- und Arbeitsbereichen zugute.« Doktoranden in spe riet Kloft, bei der Wahl ihres Promotionsinstituts auch darauf zu achten, dass dieses ausreichend mit Drittmitteln ausgestattet ist.

 

Apotheker, deren Herz für die Klinische Pharmazie schlägt, können in einer Krankenhausapotheke eine erfüllende Tätigkeit finden. Diese Stellen sind allerdings rar – nur etwa 3 Prozent aller Apotheker in Deutschland arbeiten in einer Krankenhausapotheke –, sodass ein Doktortitel bei der Bewerbung mit Sicherheit nicht schadet. »Eine Promotion ist aber für Apotheker, die in einer Krankenhausapotheke arbeiten wollen, viel weniger wichtig als die Weiterbildung zum Fachapotheker für Klinische Pharmazie«, betonte Thomas Waßmann, der die Apotheke des Helios-Klinikums in Berlin-Buch leitet. Zu den Aufgaben eines Krankenhausapothekers gehören neben der Versorgung der Stationen mit Arzneimitteln auch die Herstellung von Parenteralia, die Beratung der Ärzte und die Teilnahme an Runden­besprechungen auf Station.

 

Auch wenn viele Pharmaziestudierende sich während des Studiums noch nicht vorstellen können, einmal in einer öffentlichen Apotheke zu landen, ist auch die Arbeit in einer Offizin alles andere als langweilig. »Sie können sich aussuchen, ob Sie sich lieber in einer kleinen Apotheke intensiv um Ihre Stammkunden kümmern, oder lieber in einer großen Apotheke arbeiten, wo viel Trubel ist und jeden Tag etwas Unvorhergesehenes passiert«, sagte Dr. Susanne Damer. Die Vizepräsidentin der Apothekerkammer Berlin weiß, wovon sie spricht, denn sie leitet die Apotheke im Berliner Hauptbahnhof. Essenziell sei in jedem Fall, dass man gut mit Menschen reden könne: »Sie müssen lernen, all die komplizierten Dinge, die Sie im Kopf haben, einem normalen Menschen zu erklären«, sagte Damer.

 

Einen völlig anderen Arbeitsalltag als in der Offizin finden Apotheker bei den Krankenkassen vor. »Eine unserer Aufgaben ist, mit Arzneimittelherstellern Erstattungspreise zu verhandeln«, berichtete Kristina Günther vom Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV). Sie schätzt an ihrer Tätigkeit, dass sie eine »Draufsicht auf das gesamte Gesundheitssystem« ermöglicht und man dieses aktiv mitgestalten könne. Der GKV-Spitzenverband verhandelt auch mit dem Deutschen Apothekerverband über den Preisnachlass, den Apotheker den Krankenkassen gewähren müssen. Als Apotheker beim GKV-Spitzenverband beschäftigt zu sein, bedeutet daher auch, in solchen Verhandlungen eine andere Position zu vertreten als die Mehrheit der ehemaligen Kommilitonen. / 

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