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Noweda

Gewinner im Großhandel

01.12.2009
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Von Daniela Biermann, Essen / 30 Prozent Umsatzplus, bis zu 13 Prozent Dividende: Die Zahlen der Noweda sprechen für sich. Während andere Großhändler zusehends um ihren Erhalt kämpfen, fährt die Apothekergenossenschaft einen guten Gewinn ein – und sorgt vor für die Zukunft.

»Ihre Noweda hat wiederum ein erfolgreiches Geschäftsjahr absolviert. Sie steht gut da, sie ist stabil.« Mit diesen Worten begrüßte der Noweda-Vorstandsvorsitzende Wilfried Hollmann mehr als 250 Apotheker, die zur Mitgliederversammlung vergangenen Mittwoch in Essen gekommen waren. Der Vorstand konnte wahrlich gute Zahlen präsentieren: Um fast 30 Prozent auf 3,19 Milliarden Euro stieg der Umsatz im Vergleich zum Vorjahr. Als Gründe nannte Hollmann die erstmalige Einbeziehung des übernommenen Unternehmens Kapferer in die Bilanz sowie eine positive Entwicklung im Stammgebiet im Westen Deutschlands. Ohne den Kapferer-Anteil betrug das Wachstum noch satte 7,2 Prozent, während der Pharma-Großhandelsmarkt insgesamt nur um 1,72 Prozent wuchs, betonte Hollmann.

 

Guter Start ins neue Geschäftsjahr

 

Der Rohertrag stieg um 33 Prozent auf 187,7 Millionen Euro; das Betriebsergebnis (EBIT) kletterte von 31,4 auf 45,3 Millionen Euro. Der Jahresüberschuss beträgt 17,1 Millionen Euro. Das neue Geschäftsjahr, das am 1. Juli begann, sei ebenfalls gut gestartet. Auch im Süden und Osten des Landes will das Unternehmen weiter wachsen. Noweda investiert beispielsweise zurzeit 16 Millionen Euro in eine neue Niederlassung bei München. Der Erfolg der Noweda liege zum einen in einem umfassenden Sortiment, zum anderen in der genossenschaftlichen Struktur. So überschritt die Zahl der Mitglieder im Geschäftsjahr 2008/2009 die 7000. »Die große Zahl der neuen Mitglieder ist ein gutes Zeichen«, sagte Hollmann. »Es zeigt, dass wir uns mit unseren Leistungen auf die Erwartungen der Apotheken richtig einstellen und dass unser unternehmerisches Konzept nachhaltig Zustimmung findet.« Für die Mitglieder zahlt es sich im wahrsten Sinne des Wortes nicht nur im alltäglichen Geschäft aus: Sie erhalten diese Woche eine Dividende von 11 Prozent für die Grundanteile und 13,2 Prozent für freiwillige Anteile. Nach Abzug der Körperschaftsteuer bleiben noch stolze 9,35 beziehungsweise 11,22 Prozent Bardividende.

Der Mitgliedernutzen sei unmittelbar, mittelbar und nachhaltig betrachtet überdurchschnittlich hoch. »Mit allen Angeboten werden wir aber nicht in die wirtschaftliche Hoheit des Apothekeninhabers eingreifen, so wie es Dachmarken- und Franchisekonzepte tun«, versicherte Hollmann. Er plädierte dafür, sich zum roten Apotheken-A zu bekennen.

 

Auch mit neuer Regierung und positiv ausgegangenem Urteil des Europäischen Gerichtshofs zum Fremd- und Mehrbesitzverbot dürfen sich die Apotheken nicht zurücklehnen, sondern sollen mit Politik und Öffentlichkeit in die Diskussion eintreten. »Es ist die Chance, selbstbewusst die pharmazeutische Wertschöpfung und die apothekerlichen Leistungen und damit den Wert der Apotheke für die Gesellschaft in den Fokus der Öffentlichkeit zu rücken«, so Hollmann. »Sie haben kein Leistungsproblem, aber unverändert ein Kommunikationsproblem.« Bei der Lösung wolle die Noweda die Apotheker unterstützen. »Jede Apotheke ist aufgerufen, Leistung, Qualität, Service und Sozialkompetenz uneingeschränkt zu forcieren«, sagte der Vorsitzende. Die Gegner lauerten weiterhin hinter jeder Ecke. »Es gibt viele gute Gründe dafür, dass sich die inhabergeführte Apotheke behaupten wird. Aber nur dann, wenn sich der Apotheker in erster Linie als Heilberufler versteht.«

 

Apotheker als Lotse

 

Hollmann riet von Preisdumping, Happy Hour in der Apotheke und marktschreierischen Aktivitäten dringend ab. Vielmehr werde der Apotheker, gerade in einer alternden Gesellschaft, als Lotse gebraucht. Die Menschen seien zunehmend gesundheitsbewusster, zauderten jedoch noch bei der Umsetzung der guten Vorsätze. Hier sieht Hollmann einen Bereich, in dem sich die Apotheker stärker engagieren können.

 

Der demografische Wandel schlägt sich auch in einer Satzungsänderung der Genossenschaft nieder. So sei in Zukunft mit weniger berufstätigen Mitgliedern zu rechnen, sagte Aufsichtsratmitglied Dr. Matthias Lempka.

 

Um die aktiv im Berufsleben stehenden Apotheker zu entlasten, werden neue Mitglieder mit Eintritt nach dem 1. Juli 2010 in förderfähige und investierende Mitglieder unterschieden. Die Versammlung könne in Zukunft unterschiedliche Dividenden beschließen. So soll das Unternehmen wirtschaftsfähig gehalten und für nachrückende Generationen attraktiv gemacht werden.

 

Auch die Angestellten der Noweda können demnächst Anteile zeichnen, je nach Dauer der Betriebszugehörigkeit. So will der Großhändler Anreize für engagiertes und qualifiziertes Personal schaffen, das immer schwerer zu finden und zu halten sei. Die Angestellten erhalten jedoch kein Stimmrecht in der Versammlung.

 

»Das Geschäftsmodell der Noweda, bei dem die Mitgliederapotheken uneingeschränkt im Vordergrund stehen und bei dem die unternehmerische Kompetenz des Apothekers nicht amputiert wird, trägt heute und wird in Zukunft tragen«, erklärte Hollmann das Erfolgsrezept des genossenschaftlichen Großhandels. »Wir sind als Genossenschaft nur Ihnen, unseren Mitgliedern, verpflichtet.« /

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