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Neu auf dem Markt

Certolizumab Pegol, Golimumab, Saxagliptin und Vinflunin

01.12.2009
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Von Brigitte M. Gensthaler, Kerstin A. Gräfe und Sven Siebenand / Im November kamen vier neue Arzneistoffe auf den Markt: Die zwei Antikörper Certolizumab Pegol und Golimumab zur Behandlung rheumatischer Erkrankungen, das Antidiabetikum Saxagliptin zur Kombinationstherapie bei Typ-2-Diabetes und das Zytostatikum Vinflunin zur Therapie des fortgeschrittenen oder metastasierten Harnblasenkrebses.

Die rheumatoide Arthritis (RA) ist die häufigste entzündliche Erkrankung der Gelenke. In Deutschland schätzt man die Zahl der Erkrankten auf 800 000. Zwei Drittel davon sind Frauen. Bis heute ist die Ursache nicht eindeutig geklärt; aktuell diskutiert wird eine Fehlsteuerung des Immunsystems (Autoimmunerkrankung). Eine Schlüsselrolle spielt hier der Tumornekrosefaktor-α. Er induziert die Expression von proinflammatorischen Molekülen wie Interleukin IL-6, IL-8 und PGE2 sowie von prodestruktiven Molekülen. Daher ist er bereits seit Jahren ein intensives Forschungstarget zur Behandlung von rheumatischen Erkrankungen.

Derzeit sind sieben Biologika in diesem Indikationsbereich auf dem Markt, darunter mit Adalimumab (Humira®), Etanercept (Enbrel®) und Infliximab (Remicade®) drei TNF-α-Blocker. Des Weiteren stehen der IL-1-Rezeptorantagonist Anakinra (Kineret®), der Co-Stimulations-Blocker Abatacept (Orencia®), der CD20-Antikörper Rituximab (MabThera®) und der IL-6-Rezeptorantagonist Tocilizumab (RoActemra®) zur Verfügung. Vergangenen Monat kamen nun mit Certolizumab Pegol und Golimumab zwei weitere TNF-α-Antagonisten hinzu.

 

Certolizumab Pegol

 

Certolizumab Pegol (Cimzia® 200 mg Injektionslösung, UCB) ist in Kombination mit Methotrexat (MTX) zur Behandlung mittelschwerer bis schwerer aktiver Rheumatoider Arthritis (RA) von Erwachsenen zugelassen, die auf lang wirksame Antirheumatika einschließlich MTX nicht angesprochen haben. Als Monotherapie darf der neue Arzneistoff eingesetzt werden, wenn eine Unverträglichkeit gegenüber MTX vorliegt oder eine Fortsetzung der Behandlung mit MTX ungeeignet ist. In der Schweiz und den USA ist der neue Arzneistoff zudem zur Behandlung von Morbus Crohn zugelassen. Die europäische Zulassungsbehörde EMEA lehnte bislang einen entsprechenden Antrag mit der Begründung unzureichende Wirksamkeit und Sicherheitsbedenken ab.

Certolizumab Pegol ist ein pegylierter monoklonaler Antikörper gegen den Tumornekrosefaktor-α. Im Gegensatz zu den konventionellen Antikörpern besitzt der neue Antikörper kein Fc-Fragment, sondern besteht nur aus einem pegylierten Fab-Fragment. Bildlich gesprochen: das »Bein« des Ypsilon-förmigen Antikörpers wurde entfernt; übrig bleiben die »Arme« (Fab-Fragment). Hintergrund ist folgender: Die Fc-Region führt in vitro zum programmierten Zelltod von Mono- und Lymphozyten sowie zur Komplementaktivierung und zur antikörperabhängigen zellvermittelten Schädigung von Zellen (Zytotoxizität). Von dem fehlenden Fc-Teil verspricht man sich daher unter Certolizumab weniger Nebenwirkungen und Antikörperbildungen.

 

Als Fab-Fragment wäre das Molekül jedoch nicht stabil genug, um ausreichend hohe Serumspiegel aufzubauen. Daher wurde das Fragment mit zwei Polyethylenketten modifiziert, was zu einem langsameren Abbau und dementsprechend zu einer längeren Halbwertszeit führt. Diesse beträgt bei Certolizumab Pegol rund zwei Wochen.

 

Der neue Antikörper wurde zur subkutanen Injektion mithilfe einer Fertigspritze zugelassen. Die empfohlene Anfangsdosis beträgt 400 mg in zwei Injektionen an einem Tag. Zwei und vier Wochen später folgt jeweils eine weitere 400-mg-Dosis, danach eine 200-mg-Erhaltungsdosis. Nach entsprechender Einweisung kann sich der Patient den Wirkstoff auch selbst spritzen. Laut Hersteller ist die Fertigspritze so gestaltet, dass RA-Patienten sie ohne Anstrengung halten und den Inhalt injizieren können.

 

TNF-α-Antagonisten wie Certolizumab Pegol können eine Immunsuppression verursachen. Daher müssen die Patienten während und nach der Behandlung engmaschig auf Infektionen überwacht werden. Tuberkulose oder andere schwere Infektionen wie Sepsis oder Abzesse sowie eine mittelschwere bis schwere Herzinsuffizienz sind Kontraindikationen. Die gleichzeitige Anwendung mit anderen in der Rheumatherapie üblichen Biologika wie Anakinra, Abatacept oder Etanercept wird nicht empfohlen. Ein mögliches Risiko für das Auftreten von Lymphomen oder anderen bösartigen Erkrankungen kann nicht ausgeschlossen werden. Aufgrund der fehlenden Datenlage sollten Lebendimpfstoffe oder abgeschwächte Impfstoffe nicht gleichzeitig mit dem neuen Antikörper verabreicht werden.

 

Die Zulassung beruht auf den beiden internationalen doppelblinden placebokontrollierten Phase-III-Studien RAPID 1 und RAPID 2. Certolizumab Pegol reduzierte in beiden Studien signifikant das Fortschreiten der Gelenkschäden und verbesserte die körperliche Funktionsfähigkeit. Insgesamt waren mehr als 1600 Patienten eingeschlossen. In beiden Studien wurde Certolizumab mit Methotrexat für mindestens sechs Monate kombiniert. Dabei betrug die wöchentliche MTX-Dosis mindestens 10 mg für zwei Monate. In beiden Studien wurden ab der ersten beziehungsweise ab der zweiten Woche signifikant höhere Ansprechraten erreicht als unter Placebo. Diese konnten über 52 Wochen (RAPID 1) und 24 Wochen (RAPID 2) aufrechterhalten werden. Eine offene Verlängerungsstudie von RAPID 1 zeigte zudem, dass bei Patienten, die auf die Antikörperbehandlung angesprochen hatten, die Verbesserungen über zwei Jahre anhielten. Radiologische Untersuchungen in den Wochen 16, 24 und 52 Wochen dieser Patienten zeigten zudem, dass die Progredienz der Gelenkschäden aufgehalten wurde.

 

Die häufigsten Nebenwirkungen waren bakterielle und virale Infektionen sowie parasitäre Erkrankungen (15,5 Prozent Certolizumab Pegol, 7,6 Prozent Placebo) sowie Fieber, Schmerzen und Reaktionen an der Injektionsstelle (10,0 Prozent Certolizumab Pegol, 9,7 Prozent Placebo). Die schwerwiegendsten Nebenwirkungen waren schwere Infektionen (einschließlich Tuberkulose und Histoplasmose), Malignome (einschließlich Lymphome) und Herzver­sagen.

 

Golimumab

 

Mitte November wurde der TNF-α-Inhibitor Golimumab (Simponi® 50 mg Injektionslösung in einer Fertigspritze, Centocor B. V) zur Anwendung bei Erwachsenen in gleich drei Indikationsgebieten zugelassen. Erstens zur Behandlung von mittelschwerer bis schwerer aktiver rheumatoider Arthritis, wenn eine Basistherapie einschließlich Methotrexat (MTX) nicht angesprochen hat. Zweitens in Kombination mit MTX oder als Monotherapie bei aktiver und fortschreitender Psoriasis-Athritis, sofern andere Behandlungen erfolglos waren. Drittens bei schwerer ankylosierender Spondylitis, die auf andere Behandlungen unzureichend angesprochen hat. Dabei handelt es sich um eine Einkrankung, die Entzündungen und Schmerzen in den Gelenken und der Wirbelsäule verursacht.

 

Im Gegensatz zu den anderen auf dem Markt befindlichen Biologika, die von täglich über ein- bis zweimal wöchentlich bis zu zweimal monatlich gegeben werden, wird Golimumab nur einmal im Monat appliziert. Die empfohlene Dosis beträgt 50 mg subkutan, stets am selben Tag des Monats. Durch Reduktion des Injektionsvolumens (0,5 ml) und die Verwendung einer Citronensäure-freien Formulierung soll die Injektion besser verträglich sein. Neben einer Fertigspritze wurde für die Selbstapplikation ein vorbefüllter Autoinjektor (SmartJect®) entwickelt. Beide müssen im Kühlschrank (2 °C bis 8 °C) gelagert werden. Vor der Applikation muss 30 Minuten gewartet werden; Fertigspritze und Injektor dürfen nicht geschüttelt werden.

 

Wie auch bei Certolizumab Pegol sind Tuberkulose oder andere schwere Infektionen wie Sepsis oder Abzesse sowie eine mittelschwere bis schwere Herzinsuffizienz Kontraindikationen. Die Patienten müssen aufgrund des erhöhten Infektionsrisikos während und bis zu fünf Monate nach der Therapie engmaschig überwacht werden. Auch hier wird die gleichzeitige Gabe von Anakinra und Abatacept nicht empfohlen. Ebenfalls kann auch unter Golimumab ein mögliches Risiko für das Auftreten von Lymphomen oder anderen bösartigen Erkrankungen nicht ausgeschlossen werden. Auch hier gilt: Lebendimpfstoffe oder abgeschwächte Impfstoffe sollten nicht gleichzeitig mit dem neuen Antikörper verabreicht werden.

 

Golimumab wurde in einem umfassenden Phase-III-Studienprogramm in den drei Indikationsgebieten getestet. In allen Studien erhielten die Patienten einmal im Monat 50 mg oder 100 mg des Antikörpers, wobei die 50-mg-Dosis das günstigste Nutzen-Risiko-Profil zeigte. Die Indikation RA beruht auf den Phase-III-Studien GO-FORWARD (MTX-Versager) und GO-AFTER (TNF-Antagonisten erfahrene Patienten). In die GO-FORWARD-Studie wurden 444 Patienten aufgenommen, die mindestens drei Monate lang erfolglos mit 15 mg oder mehr Methotrexat pro Woche therapiert wurden, aber bislang keine Anti-TNF-α-Therapie erhielten. In der vierarmigen Studie erhielten sie entweder 50 mg Golimumab plus MTX, 100 mg Golimumab plus MTX, 100 mg Golimumab plus Placebo oder MTX plus Placebo. Der kombinierte Endpunkt beinhaltete die Verringerung der Symptome um 20 Prozent in Woche 14 und die mittlere Verbesserung der körperlichen Funktionen nach Woche 24. In beiden Punkten zeigten sich die Kombitherapien der MTX-Monotherapie signifikant überlegen. In die GO-AFTER-Studie wurden 461 Patienten aufgenommen, die bereits mit einem oder mehreren TNF-Blockern wie Adalimumab, Etanercept oder Infliximab vorbehandelt waren. Sie erhielten 50 mg oder 100 mg Antikörper oder Placebo. In der Studie waren die üblichen Co-Medikationen – auch MTX – erlaubt und wurden unverändert beibehalten. Primärer Endpunkt war ebenfalls die Verringerung der Symptome um 20 Prozent in Woche 14. Diesen Endpunkt erreichten mit 35 und 38 Prozent in den Golimumab-Gruppen doppelt so viele Patienten wie in der Placebogruppe (18 Prozent).

 

Die Zulassung in der Indikation Psoriasis-Arthritis beruht auf der GO REVEAL-Studie mit 405 Patienten, die nur unzureichend auf andere Behandlungen angesprochen haben. Sie erhielten entweder 50 oder 100 mg Golimumab oder Placebo. Nach 14 Wochen verringerten sich bei 51 Prozent der Golimumab-Patienten die Symptome um 20 Prozent (Placebo 9 Prozent).

 

Bei ankylosierender Spondylitis wurde der Antikörper in der GO RAISE-Studie an 356 Patienten, die nur unzureichend auf andere Behandlungen angesprochen hatten, 24 Wochen lang mit Placebo verglichen. Primärer Endpunkt war hier ebenfalls die Abnahme der Symptome um 20 Prozent in der Woche 14. Den primären Endpunkt erreichten 59 Prozent der Patienten, die den Antikörper erhielten, gegenüber 22 Prozent der Placebogruppe.

 

Gepoolte Daten aus allen Zulassungs-relevanten Studien zeigten eine gute Verträglichkeit des Antikörpers. Die häufigsten Nebenwirkungen waren Infektionen der oberen Atemwege wie Entzündung von Nase und Rachen, Kehlkopfentzündung und Rhinitis. Es gab keine statistich signifikanten Unterschiede zwischen Golimumab und Placebo in Bezug auf die Häufigkeit von schweren Infektionen oder Todesfällen. Die Inzidenz maligner Erkrankungen war nicht erhöht.

Saxagliptin

 

Seit Anfang November ist mit Saxagliptin (Onglyza™ 5 mg Filmtabletten, Bristol-Myers Squibb/AstraZeneca) ein weiteres Antidiabetikum auf dem deutschen Markt verfügbar. Die Anwendung ist bei erwachsenen Typ-2-Diabetikern zur Verbesserung der Blutzuckerkontrolle in der Kombinationstherapie angezeigt. Als Kombinationspartner kommen Metformin, Sulfonylharnstoffe oder ein Thiazolidindion infrage, wenn mit der jeweiligen Monotherapie zusammen mit Diät und Bewegung keine ausreichende Blutzuckerkontrolle erreicht wird. Wird mit einem Sulfonylharnstoff kombiniert, kann es erforderlich sein, dessen Dosis zu reduzieren, um das Risiko einer Unterzuckerung zu verringern. Wirksamkeit und Sicherheit von Saxagliptin in einer oralen Tripeltherapie mit Metformin und einem Thiazolidindion oder mit Metformin und einem Sulfonylharnstoff sind laut Fachinformation nicht belegt. Zudem liegen bei diesem DPP-4-Hemmer auch keine Untersuchungen in Kombination mit Insulin vor (siehe dazu Kasten).

Saxagliptin gehört wie Sitagliptin und Vildagliptin zur Wirkstoffklasse der Dipeptidyl-Peptidase-4-Hemmer (DPP-4-Hemmer). Diese Wirkstoffe senken den Blutzuckerspiegel, indem sie die Insulinproduktion steigern und die Glucoseproduktion in der Leber senken. Dies wird dadurch erreicht, dass Saxagliptin das Enzym DPP-4 hemmt, welches Inkretine wie GLP-1 abbaut. Inkretine stimulieren abhängig von der Nahrungsaufnahme die Insulinsekretion und unterdrücken gleichzeitig die Glucagonsekretion. Durch die Enzymblockade bleibt der körpereigene Insulinstimulus der Inkretine länger erhalten. Der Blutzucker wird bedarfsabhängig gesenkt. Folglich ist das Risiko einer Unterzuckerung (Hypoglykämie) gering.

 

Die starke Bindung von Saxagliptin an DPP-4 und die Bildung eines ebenfalls aktiven Hauptmetaboliten bewirken bei einer Dosierung von 5 mg täglich eine Halbwertszeit des DPP-4-Saxagliptin-Komplexes von 26,9 Stunden. Über einen Zeitraum von 24 Stunden wird dabei eine etwa 60-prozentige Hemmung von DPP-4 erreicht, und der GLP-1-Spiegel steigt um den Faktor 1,5 bis 3.

Diabetes: Kombi aus Gliptin und Insulin zugelassen

Sitagliptin hat als erster Dipeptidyl-Peptidase-4-Hemmer (DPP-4-Hemmer) von der europäischen Arzneimittelbehörde EMEA die Zulassung für die Kombinationstherapie mit Insulin erhalten. Demnach ist eine Add-On-Therapie zulässig, wenn Diät und Bewegung sowie eine stabile Insulindosis allein den Blutzucker nicht ausreichend senken können. Im Rahmen dieses neuen Anwendungsbereichs kann Sitagliptin mit oder ohne Metformin kombiniert werden. Damit steht für insulinpflichtige Typ-2-Diabetiker eine neue Therapieoption zur Verfügung, ohne das bestehende Insulinregime zu intensivieren. Bereits in den vergangenen Monaten war der Anwendungsbereich von Sitagliptin erweitert worden. Im August hat die Substanz als erster DDP-4-Hemmer die Zulassung zur Monotherapie erhalten, wenn Diät und Bewegung allein den Blutzucker nicht ausreichend senken und wenn Metformin aufgrund von Gegenanzeigen oder Unverträglichkeit nicht geeignet ist. Bereits seit Ende Mai ist Sitagliptin auch als Dreifach-Kombination mit Metformin und einem Glitazon zugelassen, wenn Patienten unter einer Kombinationstherapie aus Metformin und Glitazon plus Diät und Bewegung keine ausreichende Blutzuckersenkung erreichen.

Diese pharmakokinetischen Daten erklären, weshalb als Tagesdosis 5 mg ausreichen. Patienten können die Tablette mit oder ohne Nahrung zu jeder Tageszeit einnehmen. Bei Patienten mit leichter Niereninsuffizienz ist eine Dosis­anpassung nicht notwendig. Patienten mit mäßiger bis schwerer Niereninsuffizienz wird die Behandlung mit dem DPP-4-Hemmer jedoch nicht empfohlen. Gleiches gilt für Typ-1-Diabetiker und bei schwerer Leberinsuffizienz. In der Schwangerschaft sollte der Wirkstoff nur dann gegeben werden, wenn dies eindeutig erforderlich ist.

 

Die Zulassung beruht auf sechs randomisierten Doppelblindstudien der Phase III mit mehr als 4000 Patienten. In drei dieser Studien wurde Saxagliptin bei mehr als 2000 Typ-2-Diabetikern, die nicht auf eine frühere Behandlung ansprachen, als Zusatztherapie zu Metformin, einem Thiazolidindion beziehungsweise einem Sulfonylharnstoff (Glibenclamid) mit Placebo verglichen. Primärer Endpunkt war die Veränderung des HbA1c-Wertes über einen Zeitraum von 24 Wochen. Die Studien zeigten, dass Saxagliptin in Kombination mit Metformin, dem Sulfonylharnstoff oder dem Thiazolidindion im Vergleich zu den Einzelsubstanzen den HbA1c-Wert im Schnitt um 0,64 bis 0,94 Prozentpunkte senkte, während sich in den Kontrollarmen der HbA1c-Wert kaum veränderte (-0,3 bis + 0,1 Prozentpunkte). Auch der Anteil der Patienten, die einen HbA1c-Zielwert von kleiner als 7 Prozent erreichten, war unter der Add-on-Therapie höher als in den Kontrollgruppen. In einer Studie wurde die Kombination aus Saxagliptin und Metformin mit den jeweiligen Monotherapien bei Patienten verglichen, die vorher kein Antidiabetikum eingenommen hatten. Die Ergebnisse dieser Studie wurden jedoch als klinisch nicht relevant erachtet, sodass der Antrag zur Anwendung von Saxagliptin als initiales Kombinationsarzneimittel bei zuvor unbehandelten Patienten zurückgezogen wurde. Ferner wurden die Ergebnisse von zwei Studien vorgelegt, bei denen der DPP-4-Hemmer als alleinige Therapie mit Placebo verglichen wurde. Die Monotherapie wurde jedoch nicht beantragt. Beide Studien hatten aber gezeigt, dass die einmal tägliche Einnahme von Saxagliptin zu signifikanten Verbesserungen des HbA1c-Wertes geführt hatte.

 

Laut Fachinformation besteht bei Saxagliptin nur ein geringes Risiko für klinisch relevante Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln. Bei der Anwendung mit starken CYP3A4-Induktoren wie Carbamazepin, Dexamethason, Phenytoin und Rifampicin sollte man jedoch bedenken, dass die blutzuckersenkende Wirkung von Saxagliptin reduziert sein kann.

 

Zu den häufigsten Nebenwirkungen gehören Infektionen der oberen Atemwege, Harnwegsinfektionen, Gastroenteritis, Sinusitis, Kopfschmerzen und Erbrechen.

Vinflunin

 

Seit November ist mit Vinflunin ein weiteres Vinca-Alkaloid auf dem Markt (Javlor® 25 mg/ml Konzentrat zur Herstellung einer Infusionslösung, Pierre Fabre Pharma). Es ist zugelassen zur Monotherapie bei Patienten mit fortgeschrittenem oder metastasiertem Übergangszellkarzinom des Urothels. Diese Krebsart befällt die Schleimhaut der Harnblase und des Harntrakts (siehe dazu Kasten). Vinflunin gilt als Zweitlinientherapie, wenn die Patienten auf eine Platin-haltige Therapie (nicht mehr) ansprechen. Laut Hersteller ist Vinflunin ein bifluorinierter Mikrotubulin-Inhibitor, der durch chemische Modifikation des Vincagerüsts in superazidem Medium hergestellt wird. Wie andere Vinca-Alkaloide bindet der Arzneistoff an das Zellprotein Tubulin, verhindert damit die Polymerisation zu Mikrotubuli und inhibiert letztlich die Zellteilung. Die Apoptose der Zelle wird eingeleitet.

Das Medikament wird alle drei Wochen in einer Dosierung von 320 mg/m2 Körperoberfläche als 20-minütige intravenöse Infusion – keinesfalls als Bolus – verabreicht. Bei Patienten mit mittlerer bis schwerer Nieren- oder Leberfunktionsstörungen muss die Dosis reduziert werden. Vor jedem Therapiezyklus muss der Arzt das Blut des Patienten gründlich testen und insbesondere die Zahl der Neutrophilen kontrollieren, da eine Neutropenie eine häufige Nebenwirkung des Medikaments ist.

 

Vinflunin wurde in zwei Phase-II- und einer Phase-III-Studie geprüft. In der multizentrischen offenen Phase-III-Studie erhielten 253 Patienten das Medikament plus eine optimale unterstützende Therapie (best supportive care, BSC) und 117 Patienten nur BSC. Das mediane Gesamtüberleben betrug mit Vinflunin 6,9 versus 4,6 Monate in der BSC-Gruppe, was statistisch nicht signifikant war. Das progressionsfreie Überleben verdoppelte sich von 1,5 auf 3,0 Monate (signifikant). Wenn nur die Patienten analysiert wurden, die die strengen Aufnahmekriterien der Studie komplett erfüllten, war das Gesamtüberleben statistisch signifikant verlängert.

 

Die häufigsten Nebenwirkungen waren vor allem Neutro- und Leukopenie, Anämie und Thrombozytopenie, Magen-Darm-Störungen wie Obstipation, Übelkeit, Bauchschmerzen, Stomatitis und Erbrechen sowie allgemeine Probleme wie Schwäche (Asthenie) und Reaktionen am Infusionsort. Davon gelten verschiedene Nebenwirkungen wie Obstipation, periphere sensorische Neuropathien oder kardiale Nebenwirkungen als Klasseneffekt der Vinca-Alkaloide.

Krebs der Harnblase

Jedes Jahr erkranken etwa 29 000 Menschen in Deutschland an einem Tumor der Harnblase, meldete das Robert-Koch-Institut 2008. Männer sind knapp dreimal so häufig betroffen wie Frauen. Das mittlere Erkrankungsalter liegt über 70 Jahren. Bei den bösartigen Neubildungen handelt es sich fast immer um Urothelkarzinome, die auch als Übergangszell- oder Transitionalzellkarzinome bezeichnet werden. Sie treten häufig gleichzeitig an verschiedenen Stellen des Organs auf. Ein typisches Symptom sind Blutbeimengungen im Urin, die meist keine Schmerzen bereiten. Wesentlicher Risikofaktor für den Blasenkrebs ist Zigarettenrauchen, auch Passivrauchen. Ebenso können bestimmte Chemikalien wie aromatische Amine den Krebs verursachen; daher gibt es auch berufsbedingte Harnblasenkarzinome.

 

Bei drei Viertel der Patienten wird der Tumor im lokal begrenzten Stadium entdeckt; dann liegt die durchschnittliche relative Fünfjahres-Überlebensrate laut RKI bei 70 bis 76 Prozent. Bei einem Viertel wächst der Tumor zum Diagnosezeitpunkt bereits invasiv. Dann sind die Überlebensraten deutlich schlechter.

In der Hauptstudie litt jeder siebte Patient an schwerer Verstopfung. Zur Prophylaxe sollen die Patienten daher vom ersten bis zum fünften oder siebten Tag des Zyklus ein Laxans bekommen. Bei Patienten mit Herzerkrankungen, zum Beispiel Rhythmusstörungen oder nach Herzinfarkt, darf Vinflunin nur mit Vorsicht eingesetzt werden.

 

Die gleichzeitige Gabe von Arzneistoffen, die das QT-Intervall verlängern können, soll vermieden werden. Gleiches gilt für Arzneistoffe, die die CYP-Enzyme beeinflussen, da diese die Konzentration von Vinflunin oder seines aktiven Metaboliten DVFL verändern können. /

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