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Noch nicht am Ziel

29.11.2011
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»Tina, wat kosten die Kondome?« Dieser Fernsehspot der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung ist mittlerweile ein echter Klassiker der Aidsaufklärung. Der Erfolg solcher Kampagnen ist riesig: Deutschland ist heute eines der Länder mit der niedrigsten HIV-Neuinfektionsrate weltweit. Auch der Welt-Aids-Tag am 1. Dezember sorgt dafür, dass das Thema HIV mindestens einmal pro Jahr wieder einmal in Erinnerung gerufen wird.

 

Alles in Ordnung also? Mitnichten. Zwar muss man heute niemandem mehr erklären, dass Kondome wichtig für die Verhinderung einer HIV- Infektion sind. Doch auch dreißig Jahre nach dem ersten Auftreten der damals rätselhaften Immunschwächekrankheit wird eine HIV-Infektion vielfach noch immer als etwas Anrüchiges empfunden. Aus Scham versuchen Betroffene nicht selten, ihre Erkrankung geheim zu halten. Dass die Furcht vor Diskriminierung leider berechtigt ist, zeigt aktuell das Beispiel eines Berliner Chemielaboranten, dem sein Arbeitgeber aufgrund seiner HIV-Infektion fristlos kündigte.

 

Von Beginn an hatte die HIV-Epidemie neben der medizinischen auch eine politische Komponente. In den Anfangsjahren war dies der Kampf homosexueller Menschen für gesellschaftliche Anerkennung und gegen Ausgrenzung (lesen Sie dazu den Titelbeitrag dieses Schwerpunktheftes, HIV: Ein Virus verändert die Welt). Heute steht auch beim Thema HIV immer mehr die globale Ungleichverteilung des Wohlstandes im Vordergrund. So hat laut jüngstem UNAIDS-Bericht rund die Hälfte der HIV-Infizierten in ärmeren Ländern, die eine antiretrovirale Therapie brauchen, Zugang zu entsprechenden Medikamenten (HIV-Therapie: Weltweit bessere Versorgung). Das ist zwar eine deutliche Verbesserung gegenüber den Vorjahren. Im Umkehrschluss bedeutet es aber auch: Jeder Zweite wird nicht versorgt.

 

Die moderne antiretrovirale Therapie hat die HIV-Infektion von einer tödlichen zu einer chronischen Krankheit gemacht (HIV-Medikamente: Kombimodelle gefragt). Betroffene haben heute bei guter Therapietreue eine annährend normale Lebenserwartung. Doch gegen Diskriminierung und Benachteiligung helfen keine Pillen. Die gewonnene Lebenszeit für HIV-positive Menschen lebenswert zu machen, ist eine Aufgabe für die ganze Gesellschaft.

 

Annette Mende

Redakteurin Pharmazie

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