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Bundesverbandstagung

»Wir wollen mitbestimmen«

22.11.2017
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Von Brigitte M. Gensthaler, München / Wahlen, Workshops und etliche Satzungsänderungen: Der Bundesverband der Pharmaziestudierenden in Deutschland (BPhD) hatte bei seiner 123. Bundesverbandstagung in München ein dichtes Programm. Der Apothekernachwuchs setzte erneut auf die Devise: Mitmischen statt nur mörsern!

»Der BPhD ist unverzichtbar, weil wir die Zukunft sind. Wir sind die Apotheker von morgen und wollen mitbestimmen, wie unsere Zukunft aussieht«, sagte dessen Präsident Max Willie Georgi im Gespräch mit der PZ. Der Pharmaziestudent aus Jena war vorher BPhD-Beauftragter für Lehre und Studium – vielleicht liegt ihm deshalb eine zeitgemäße Ausbildung so am Herzen. »Eine Änderung der Approbationsordnung ist erklärtes Ziel des Bundesverbands. Wir müssen die Ausbildung anpassen, denn auch der Apothekerberuf ist ständig im Wandel.«

Mehr Studienplätze schaffen

 

Zu den Kernforderungen der Studierenden zählen eine Neugewichtung der Inhalte mit mehr Gewicht auf Klinischer Pharmazie, eine Verlängerung des Studiums und mehr interprofessionelle Zusammenarbeit, zum Beispiel mit den Medizinstudierenden. Zwar biete die Approbationsordnung einen Rahmen, der den Hochschulen viel Spielraum für die Ausbildung gibt, doch dieser Rahmen sei nicht mehr zeitgemäß, sagte Georgi.

 

Da eine Neuregelung bekanntlich viel Zeit braucht, lote eine Arbeitsgruppe des BPhD jetzt aus, welche Verbesserungen innerhalb der aktuellen Ordnung möglich und realistisch sind. Dies sei auch notwendig, um das Studium attraktiv zu halten, meint der Präsident. Noch sei die Bewerber­zahl viel höher als das Studienplatzangebot, aber »das muss ja nicht so bleiben«. Neben einer Umgestaltung fordert der BPhD höhere ­Kapazitäten an den Universitäten. »Wir brauchen künftig mehr Apotheker und entsprechend auch mehr Studienplätze.«

 

Wie wichtig fachübergreifendes Lernen, Wissen und Forschen in der Pharmazie ist, hatte zu Beginn der BVT bereits Professor Dr. Franz Bracher von der Universität München im Festvortrag zum Stellenwert von Naturstoffen in der Entwicklung von Zytostatika betont. Fächerdenken sei in der Pharmazie fehl am Platz ist, zumindest zwischen Biologie und Chemie gebe es keine Grenzen. »Versuchen Sie, interdisziplinär zu lernen und zu denken: Das ist die Stärke der Pharmazie«, riet Bracher den Studierenden. Ein Ausblick auf interdisziplinäres Arbeiten und die Klinische Pharmazie gab Ulrich Koczian, Vizepräsident der Bayerischen Landesapothekerkammer.

 

IPSF-Kongress vielleicht in drei Ländern

 

Anregungen zum moderneren Studieren könnte ein Kongress der International Pharmaceutical Students’ Federation (IPSF) geben, den der BPhD-Vorstand 2020 nach Deutschland holen will. Ein entsprechender Arbeitsauftrag wurde bei der Tagung in München erteilt. Bei der nächsten BVT in Frankfurt werden die Delegierten darüber abstimmen, ob sich der Verein dann für den Weltkongress bewerben wird.

Der IPSF-Kongress könne zusammen mit der Schweiz und Österreich ausgerichtet werden, sagt Georgi. Der BPhD führt hierzu mit den nationalen Verbänden der beiden Nachbarländer Gespräche über eine Kooperation. Der BPhD sei international »unglaublich gut vernetzt« und sehr engagiert im ISPF. Nicht zuletzt ist der deutsche Pharmazeut im Praktikum, Christian Roth, seit August Präsident des internationalen Verbands.

 

»Der Austausch ist uns sehr wichtig und gibt Anregungen, gerade in puncto Approbationsordnung«, sagte Georgi gegenüber der PZ. Da könnten die deutschen Pharmaziestudierenden gut mitmischen.

 

Neu im Vorstand

 

Die studentischen Delegierten hatten zudem viele Regularien zu erledigen. So wurden fünf Vorstandsämter neu besetzt. Drei davon mussten nach zwei Jahren Amtsarbeit obligatorisch neu gewählt werden, heißt es in der Pressemeldung. Neue Schatzmeisterin des BPhD ist Alicia Trendle, die ihr Amt als Beauftragte für Public Relations an Sebastian Jens Drewes aus Halle abgibt. Die Auslandsposten wurden ebenfalls neu gewählt. Neue IPSF Contact Person ist Luisa Pollmann aus Regensburg, neue EPSA Liaison Secretary ist Nora Guigas aus Mainz. Sebastian Walesch übergibt nach zwei Jahren sein Amt des Beauftragten für Jungpharmazeuten an Hannah Esser aus Bonn, die bis Mai 2017 als Beauftragte für Internes Mitglied des Vereinsvorstands und zwischenzeitlich als Pressekoordinatorin tätig war.

 

Noch eine erfreuliche Wahl: Für ihr »unglaubliches Engagement für den Verein« dankten die Delegierten der ehemaligen Schatzmeisterin Nadin Kersten mit der Wahl zum Ehrenmitglied des BPhD. Somit ist Kersten neben Barbara Schmidt-Arndt und Stefan Rack eines von drei Ehrenmitgliedern des Vereins.

 

Anträge und Workshops

 

Wie schon bei der letzten Bundesverbandstagung gab es eine große Zahl an Anträgen. In München standen Satzungsänderungen ganz oben auf der Liste. So wurde die Satzung hinsichtlich Grammatik und Rechtschreibung aktualisiert. Außerdem wurde das neue Alumni-Netzwerk in der Satzung verankert. Druck- und Versandkosten für Einladungsbriefe entfallen künftig, da diese nur noch elektronisch versandt werden.

 

Das Amt des Kampagnenkoordinators wurde in der Geschäftsordnung zum »Koordinator für Public Health« umbenannt; dies soll den Aufgabenbereich erweitern. Ein Antrag auf die Erstellung eines Positionspapiers zum CHE-Ranking der Zeitung »Die Zeit« wurde als Dringlichkeitsantrag eingebracht und positiv verabschiedet.

 

Auch einige Workshops fanden statt, darunter »Digital Skills« von Friedrich Emmendörffer, ehemaliger EPSA Liaison Secretary, und »E-Learning« von Ulrich Brunner von pharma4u. Den Workshop »Leitlinie versus Realität in der Uni – AG Zukunft« hielt die Beauftragte für Lehre und Studium, Elisabeth Schwarz.

 

Der BPhD hat bei der 123. Tagung ­erneut seine Ideenstärke bewiesen. Die Frage der PZ »Der BPhD ist unverzichtbar, weil …?« ergänzten Vorstandsmitglieder spontan mit: »Weil wir den Studierenden eine Stimme ­geben. Weil wir gemeinsam stärker sind.« /

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