Pharmazeutische Zeitung online
BPhD

Volles Tagungsprogramm

28.11.2016
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BPhD / Der Bundesverband der Pharmaziestudierenden in Deutschland (BPhD) hielt Mitte November die 121. Bundesverbandstagung (BVT) in Halle an der Saale ab und nutzte diese Gelegenheit auch, um die Meinungen der Studierenden zum vor Kurzem gefällten EuGH-Urteil zum Rx-Versandhandel zu­sammenzutragen.

Das EuGH-Urteil ist in aller Munde und somit war es auch ein wichtiges Thema auf der BVT: Die Delegiertenversammlung bot die ideale Möglichkeit, um sich ein Stimmungsbild der Pharmaziestudierenden in Deutschland einzuholen. Das Ergebnisprotokoll eines Workshops, das vom Beauftragten für Lehre und Studium, Max Willie Georgi, geleitet wurde, ist Grundlage einer Stellungnahme (siehe Kasten).

 

In einem anderen Workshop zeigte Friedrich Emmendörffer, EPSA Liaison Secretary, Wege ins Ausland auf. Im Fachschaften-Diskussionsforum konnten die Delegierten standortspezifische Themen und Ideen unter Leitung von Hannah Esser, Beauftragte für Internes, mit anderen Studierenden erörtern und teilen. Des Weiteren fand das Clinical Skills Event, geleitet von der IPSF Contact Person Sebastian Lehmann, statt, in dem sich Studierende des Hauptstudiums in der Königsdisziplin der Apotheker messen konnten: der Patientenberatung. Der fünfte Workshop mit dem Titel »Journalismus und Quellenrecherche«, der in Kooperation mit der Avoxa-Mediengruppe angeboten wurde, wurde von Jennifer Evans, Redakteurin der Pharmazeutischen Zeitung, geleitet. An dieser Stelle danken wir für diese tolle Gelegenheit, einen Blick in den professionellen Journalismus werfen zu können.

 

Nach der Eröffnung der BVT und dem Festvortrag von Professor Dr. An­drea Sinz zum Thema »Schneller, höher, weiter, gedopter? Mit Pillen zum Sieg« wurde auch der Beginn des Karnevals gefeiert. Die Kostümfeier fand bei den Studierenden viel Anklang. Koalabären auf der Tanzfläche waren daher nichts Ungewöhnliches.

 

BVT live

Zum ersten Mal konnten die Pharmaziestudierenden die Diskussionen im Plenum von zu Hause aus verfolgen: Der in Bonn beschlossene Live-Stream wurde in Halle erstmalig umgesetzt und soll auch auf folgenden BVT den nicht anwesenden Mitgliedern die Möglichkeit bieten, die Diskussionen und Beschlüsse verfolgen zu können. Dies­bezüglich war die Speicherdauer Gegenstand eines Antrages und einer ausgiebigen Diskussion, genau wie die Anträge zur Einführung eines neuen Vorstandamtes und zweier Koordinatorenstellen. Hierbei wurde der Koordinator für Interdisziplinarität eingeführt, um den Vorstand in seiner Arbeit mit den Partnerverbänden anderer Gesundheitsberufe zu unterstützen. Der IT/Medienkoordinator, der vor allem für die Technik auf den BPhD-Veranstaltungen zuständig gewesen wäre, wurde abgelehnt. Die Einführung eines Beauftragten für Gesundheitspolitik konnte ebenfalls nicht beschlossen werden.

Stellungnahme des BPhD zum EUGH-Urteil C-148/15

In seinem Urteil vom 19. Oktober ist der Europäische Gerichtshof einer klar ökonomisch orientierten Argumentation gefolgt. Mit der Entscheidung, dass ausländische Versandapotheken zukünftig das Recht haben, Boni auf rezeptpflichtige Arzneimittel zu geben, werden ganz deutlich wirtschaftliche Interessen der EU über die gesundheits- und versorgungspolitischen Interessen gestellt. Hieraus ergibt sich ein klarer Nachteil für inländische Apotheken, der aus unserer Sicht durch die Argumentation des EuGH nicht rechtfertigbar ist. Vielmehr wird hierdurch die individuelle pharmazeutische Betreuung vor Ort massiv gefährdet und stellt somit eine nicht hinnehmbare Situation für die Apotheken dar. Hinzu kommt, dass die Tatsache, dass Patienten durch das Einlösen von Rezepten Geld verdienen können, Hohn für unser Gesundheitssystem ist und unter anderem zu Arzneimittelmissbrauch in Form von illegalem Handel führen kann. Deshalb ist eine logische erste Konsequenz, die Beschränkung des Versandhandels auf rezeptfreie Medikamente.

 

Eine mögliche Alternative zu einer solchen Beschränkung, ist der Fall der Arzneimittelpreisverordnung, da sowohl deutsche Versandapotheken als auch Offizinapotheken gegen die hieraus entstandene Inländerdiskriminierung vorgehen werden. Zudem grassiert die Angst vor einer Höchstpreisverordnung und Rabattverträgen zwischen einzelnen Apotheken und Krankenkassen als Folge. Hiermit würde sich das Apothekenwesen endgültig einem marktwirtschaftlichen Wettbewerb unterwerfen und somit kleine Apotheken in ländlichen Gebieten jegliche Chancen nehmen, die flächendeckende Versorgung weiterhin zu gewährleisten. Bereits jetzt liegt die Apothekendichte in Deutschland unterhalb des EU-Durchschnitts und die Apothekenzahlen sind rückläufig.

 

Nichtsdestotrotz wirft das Urteil auch einmal mehr die Frage auf, warum der Fokus in Apotheken noch nicht ausreichend auf die pharmazeutische Betreuung und die Entlohnung von pharmazeutischen Dienstleistungen gelenkt wird. Denn auch wenn ein Versandhandelsverbot mit rezeptpflichtigen Arzneimitteln eine kurzfristige ordnungspolitische Lösung sein kann, müssen Apotheker langfristig ihre Kompetenz als Arzneimittelexperte herausstellen und die Politik die Rahmenbedingungen für patientenorientiertere Pharmazie in öffentlichen Apotheken schaffen, in ­denen AMTS-Management und individuelle Betreuung zur selbstverständlichen Honorarleistung werden.

 

Nur auf diese Weise kann man zukunftsorientiert Patienten an die Vor-Ort-Apotheke binden und die Gesellschaft davon überzeugen, dass Apotheken eine wichtige Säule unseres Gesundheitswesens sind. Allein eine Preisbindung und ordnungspolitische Maßnahmen werden für die Zukunft der Apotheken nicht ausreichen. Eines ist uns auf der Bundesverbandstagung klar geworden: Die Unsicherheit bezüglich der Zukunft der öffentlichen Apotheke ist unter den Pharmaziestudierenden groß. Deshalb wünschen wir uns ebenso wie die Apothekerschaft Planungssicherheit für ­unsere Zukunft.

 

Wir appellieren an alle Beteiligten, den Patienten auch weiterhin in den Mittelpunkt aller Überlegungen und Handlungen zu stellen, in den Kampf um Rezeptboni nicht einzusteigen und die pharmazeutische Kompetenz von Apotheken in Zukunft noch stärker in die Gesellschaft zu tragen.

 

Neubesetzung des Vorstandes

 

Auf dieser BVT wurden drei Vorstandsämter neu besetzt: Als Nachfolger von Carl Vogel wurde Christian Dündar aus Marburg zum neuen Beauftragten für Bildung und Tagung gewählt. Zudem wurde Julia Lanzenrath aus Bonn als Nachfolgerin von Hannah Ruhhammer zur Beauftragten für Internet und Presse durch Wahl bestimmt. Die Wahl des Schatzmeisters wurde schließlich durch eine Vorschlagswahl entschieden: Imara Helmus aus Hamburg löst Nadin Kersten nach drei Jahren Amtszeit ab.

Auch der Austragungsort der Winter-BVT des kommenden Jahres wurde bestimmt: Wir freuen uns sehr, unsere Mitglieder nächstes Jahr in München begrüßen zu dürfen. Auf diese Wahl folgte die Vorstellung der Sommer-BVT im Mai in Greifswald sowie die Vorstellung des 15. PharmaWeekends, welches im Juni 2017 in Regensburg stattfinden wird.

 

Zu guter Letzt wurde das Ergebnis des Vampire Cups bekannt gegeben. Der Vampire Cup ist eine Blutspende-Aktion, die möglichst viele Menschen zur Blutspende bewegen möchte, um somit Tausende Leben zu retten. Diese Gesundheitskampagne wurde von der International Pharmacy Students´ Federation (IPSF) initiiert und dieses Jahr zum zweiten Mal auf nationaler Ebene in Deutschland durchgeführt. Dieses Jahr konnten 502 Liter Blut unter dem Banner dieser Kampagne in Deutschland gesammelt werden. Offiziell haben die Fachschaften Bonn, Halle, Marburg und Heidelberg am Vampire Cup teilgenommen und konnten gemeinsam mehr als doppelt so viel Blut sammeln wie vergangenes Jahr. Da diese Kampagne in Form eines Wettbewerbs ausgetragen wird, muss es auch einen Gewinner geben: Bonn schaffte mit 259,5 Litern Blut mehr als die Hälfte des gespendeten Blutes zu sammeln. Das gesammelte Blut steht den Kooperationspartnern, zumeist den jeweiligen Universitätskliniken, zur Verfügung. Drei weitere Fachschaften haben Blut gesammelt, konnten aber aufgrund von Formfehlern nicht in die nationale Auswertung mit einfließen. Stattdessen werden sie gemeinsam mit den vier national teilnehmenden Fachschaften in die internationale Auswertung des IPSF eingehen und hoffentlich auch für den BPhD auf internationaler Ebene den Sieg bringen.

 

Wir danken unseren Sponsoren, die die Ausrichtung der BVT in diesem Umfang ermöglicht haben: der Deutschen Ärzte Finanz, der Apobank, der Avoxa Mediengruppe, dem Deutschen Apotheker Verlag, der Noweda, den Ravati Seminaren, dem Wort&Bild-Verlag, der Apothekerkammer Sachsen-Anhalt, SimpleSoft sowie der Treuhand. Ferner gilt unser Dankeschön allen weiteren Sponsoren, welche die Bundesverbands­tagung durch Materialien bereichert haben. Abschließend danken wir der Fachschaft Halle für die Ausrichtung dieser wunderbaren BVT und wünschen den ausgeschiedenen Vorstandsmitgliedern alles Gute für ihren weiteren Weg. /

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