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Medizintechnik

Branche trotzt der Krise

17.11.2009
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Von Werner Kurzlechner, Berlin / Die Medizintechnologie zählt zu den wenigen gallischen Dörfern, die der Krise trotzen. Damit sich der positive Trend in der Branche fortsetzt, fordert der Bundesverband Medizintechnologie von der Bundesregierung vor allem freie Fahrt für Innovationen.

»Die Gesundheit ist eines der höchsten Güter«, sagte Joachim M. Schmitt vor einigen Tagen in Berlin. An dieser Wahrheit ändere auch eine Finanz- und Wirtschaftskrise nichts, so der Geschäftsführer des Bundesverbandes Medizintechnologie (BVMed). Tatsächlich konnte der Verband von einer optimistischen Lageeinschätzung seiner Mitgliedsunternehmen berichten.

 

Den Finanzierungssorgen im Gesundheitswesen zum Trotz erweisen sich die involvierten Wirtschaftsakteure als bemerkenswert stabil in der allgemeinen Krise – das gilt für die Pharmabranche ebenso wie für die 220 im BVMed organisierten Hersteller und Händler von Gütern wie Spritzen, Kathetern, Herzschrittmachern und künstlichen Gelenken.

 

Optimistisch im Herbst

 

Die Herbstumfrage unter 110 dieser Firmen zeigt, dass sich die Stimmung gegenüber den von relativer Unsicherheit geprägten Frühlingstagen merklich aufgehellt hat. Dazu trägt auch die veränderte politische Weichenstellung bei.

Der BVMed-Vorstandsvorsitzende Dr. Meinrad Lugan benutzte zur Erklärung das Bild einer Ampel, die von Rot auf Grün schaltet. »Ein Blick in die Koalitionsvereinbarung zeigt uns, dass die wettbewerblichen Elemente und die Wahlfreiheiten der Versicherten gestärkt werden«, so Lugan. Das stimme zuversichtlich. Aus dem Meer der gesamtökonomischen Klagen und Ängste also ragen die Ergebnisse der Branche heraus. Insgesamt dürfte sie in diesem Jahr vier Prozent mehr Umsatz machen als 2008, schätzt der BVMed.

 

Vor einem halben Jahr hatten 37 Prozent der Firmen mit einem gegenüber dem Vorjahr verbesserten Umsatzergebnis gerechnet – schon das eine recht rosige Prognose in Rezessionszeiten. Nun stieg dieser Wert sogar auf 52 Prozent, während lediglich ein knappes Fünftel mit Einbußen rechnet. Daraus resultiert ein weiterer positiver Befund. »Die Medizintechnologie-Branche bleibt ein Jobmotor«, so Schmitt.

 

47 Prozent der befragten Unternehmen schufen nach eigenem Bekunden in diesem Jahr neue Arbeitsplätze, nur 17 Prozent bauten Personal ab. Hochgerechnet auf die gesamte Branche würde das einen Zuwachs von 4200 neuen Jobs bedeuten. Für das kommende Jahr erwarten 46 Prozent anhaltendes Wachstum, mit Umsatzeinbußen kalkulieren 15 Prozent. Allerdings geht mehr als die Hälfte davon aus, dass die verschlechterte Finanzsituation des Gesundheitsfonds ihrem Unternehmen schaden wird.

 

Vom Regierungswechsel in Berlin und der angekündigten Kommission zur Vorbereitung einer weiteren Gesundheitsreform erwartet sich die Branche weitere Wachstumsimpulse. Lugan formulierte konkrete Forderungen, wie die Ansätze aus der Koalitionsvereinbarung in der Praxis umgesetzt werden müssten. So wünscht der BVMed sich weniger Bürokratie bei den Regelungen zu Neuen Untersuchungs- und Behandlungsmethoden (NUB), auf deren Grundlage Innovationen in Krankenhäusern finanziert werden. Das Prinzip der »Erlaubnis mit Verbotsvorbehalt« für neue Produkte müsse in Krankenhäusern beibehalten und möglichst auf die ambulante Versorgung ausgedehnt werden, so Lugan.

 

Vorfahrt für Innovationen

 

Eine hohe und flächendeckende Durchlässigkeit für Innovationen ist ein Kernanliegen der Branche. Lugan und Schmitt erteilten der politisch diskutierten Idee eine klare Absage, Innovationen erst einmal in ausgewählten Zentren zu erproben. Schon aus ethischen Gründen dürfe man Patienten Produkte nicht vorenthalten, nur weil sie am falschen Ort wohnen.

 

Stattdessen forderte Lugan, die Telemedizin konsequent im Leistungskatalog der Krankenkassen zu verankern. Eine Mehrkostenregelung sei beispielsweise für Patienten mit multifokalen Intraokularlinsen sinnvoll und geeignet. Zudem müssten Patienten wieder die Freiheit erhalten, ihren Hilfsmittelleistungserbringer frei zu wählen. Es gelte, die Konkurrenz um Qualität gegenüber dem reinen Preiswettbewerb zu stärken.

 

»Wenn wir bei der Förderung von Innovationen koordinierter vorgehen und Qualitätsaspekte stärker berücksichtigen, werden unsere Unternehmen weiter zum Wohle der Patienten ein Motor der Gesundheitswirtschaft sein.« /

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