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Dermopharmazie

Nahrungsergänzungsmittel in der Kosmetik

18.11.2008  10:30 Uhr

Dermopharmazie

Nahrungsergänzungsmittel in der Kosmetik

Von Ulrike Heinrich und Hagen Tronnier, Witten/Herdecke

 

Immer häufiger werden Nahrungsergänzungsmittel zur Gesunderhaltung von Haut und Haar angeboten. Was ist von solchen Produkten zu halten? Sind sie sinnvoll oder gar notwendig? Und ist die Wirksamkeit der Präparate tatsächlich gesichert?

 

Grundsätzlich gilt, dass bei einer ausgewogenen Ernährung nicht zusätzlich Nahrungsergänzungen supplementiert werden müssten. Aber: Kann man diesen Anforderungen wirklich immer gerecht werden? Alltagshektik, Kantinenessen, Fastfood sind kaum geeignet, um eine ausreichende Versorgung von Vitaminen, Mineralsstoffen oder Antioxidanzien zu gewährleisten.

 

Eine Verschiebung des Gleichgewichtes von Antioxidanzien zugunsten von Prooxidanzien wird als oxidativer Stress bezeichnet. Sowohl photobiologische Effekte als auch aerobe Stoffwechselprozesse, exogene Noxen und körpereigene Abwehrprozesse führen zur kontinuierlichen Bildung von reaktiven Sauerstoffverbindungen im Organismus. Hierzu gehören unter anderem Peroxylradikale und Singulettsauerstoff.

 

Diese reaktiven Intermediate sind in der Lage, mit biologisch relevanten Molekülen wie der DNA, Proteinen, Kohlenhydraten oder Lipiden zu reagieren, wobei diese modifiziert oder zerstört werden können. Diese oxidativen Veränderungen spielen auch bei UV-bedingter Hautalterung (Photoaging) eine wichtige Rolle.

 

Wirkung von Carotinoiden belegt

 

Für die Substanzklasse der Carotinoide konnte in den vergangenen Jahren gezeigt werden, dass sie in lipophilen Systemen als Antioxidantien wirksam sind. In zahlreichen Studien  wurde nachgewiesen, dass Carotinoide nicht nur Algen und Pflanzen vor intensiver Sonneneinstrahlung schützen. Auch beim Menschen kann von einer photoprotektiven Wirkung ausgegangen werden. Üblicherweise werden die Carotinoide wie β-Carotin, Lycopin und Lutein als Nahrungsergänzung in Kapselform oder als Drink eingenommen. Ziel ist es, einen systemischen Lichtschutz zu erreichen und der Hautalterung vorzubeugen.

 

Die Untersuchungen zeigen, dass bei einer Supplementierung von circa 20 bis 25 mg Carotinoide/Tag bei Anwendung über einen Zeitraum von acht bis zwölf Wochen Schutzeffekte erzielt werden, die bei einer drei- bis vierfachen Erhöhung des körpereigenen Lichtschutzes liegen. Im Verlauf der Studien konnte die Hautrötung im Erythemmaximum nach Bestrahlung mit 1.25 MED um 20 bis 30 Prozent verringert werden. Bei den Referenzgruppen, die Placeborezepturen erhielten, konnten dagegen keinerlei Effekte beobachtet werden. Allerdings sollte darauf hingewiesen werden, dass es sich hierbei nur um einen erhöhten Basisschutz handelt. Auf topische Sonnenschutzmittel kann bei stärkerer Sonneneinstrahlung keinesfalls verzichtet werden.

 

Vitamine erhöhen die Wirksamkeit

 

Eine Verbesserung der Wirksamkeit lässt sich durch die Kombination von Carotinioiden mit Vitaminen wie α-Tocopherol oder Vitamin C erreichen. Hier scheinen synergistische Effekte eine wichtige Rolle zu spielen.

 

Entscheidend für die Wirksamkeit ist darüber hinaus die Bioverfügbarkeit der Wirkstoffe. So weiß man, dass Carotinoide in denaturierter Form und mit einem lipidhaltigen Träger deutlich besser bioverfügbar sind als etwa beim Verzehr von rohem Gemüse. Auch neue Technologien wie die Ankopplung des Wirkstoffes Lycopin (roter Farbstoff der Tomate) an ein Lactoprotein sind in der Lage die Bioverfügbarkeit und damit auch die Wirksamkeit zu erhöhen. Grundsätzlich ist bei einer sinnvollen Supplementierung von Nahrungsergänzungsmitteln für den kosmetischen Bereich (Nutricosmetics) darauf zu achten, dass sie eine gute Verträglichkeit, eine hohe Bioverfügbarkeit, Synergien (zum Beispiel mit Vitaminen) aufweisen und dem Tagesbedarf angepasst sind.

 

Phyto-Estrogene für Barrierefunktion

 

Auch aus Sojakeimen gewonnene Isoflavone werden zur Bekämpfung der vorzeitigen Hautalterung eingesetzt. Diese Stoffe, die zur Gruppe der Phyto-Estrogene gehören, haben positive Wirkungen auf die Hautdichte, Elastizität und Hautfeuchtigkeit. Dies ergab eine doppelblinde, placebokontrollierte Studie an 90 Probandinnen (postmenopausal) über einen Zeitraum von sechs Monaten.

 

In Untersuchungen am Institut für Experimentelle Dermatologie der Universität Witten/Herdecke konnten ebenfalls äußerst positive Wirkungen festgestellt werden. So zeigte sich bei der Einnahme von einem Produkt mit Rotklee-Isoflavonen, Vitaminen und Mineralstoffen eine Glättung des Oberflächenreliefs der Haut. Sowohl die Rauigkeit als auch die Schuppigkeit der Haut konnten im Verlauf der zwölfwöchigen Prüfung reduziert werden. Gleichzeitig wurde eine Verbesserung der Barrierefunktion der Haut beobachtet.

 

Bedeutung hat dies besonders für Personen mit sehr empfindlicher Haut, da bei ihnen häufig eine Störung der Barrierefunktion vorliegt. Folge der vermehrten Wasserabgabe an die Umgebung ist eine verstärkte Trockenheit der Haut, was vor allem bei Kälte zu Spannungsgefühl und Juckreiz führt. Durch Supplementierung mit dem Präparat ließ sich eine Stärkung der Barrierefunktion der Haut erreichen. Die oben  beschriebenen Effekte wurden deutlich reduziert.

 

Carotinoide für die Hautdichte

 

Ein weiterer wichtiger Ansatz bei Anti-Aging-Konzepten ist die Verbesserung der Elastizität. Allerdings kann diese nur bedingt durch äußerliche Pflege beeinflusst werden. Auch hier zeigen Studien mit geeigneten Nahrungsergänzungsmitteln hoffnungsvolle Ansätze. Durch eine Steigerung der Hautdichte und -dicke findet eine Festigung der Kollagenstruktur der Dermis statt, die sich dann günstig auf die Elastizität und Spannkraft der Haut auswirkt.

 

Eine zwölfwöchige Anwendung eines Produktes mit verschiedenen natürlichen Carotinoiden, in Kombination mit Selen und Vitamin E führte zu einer signifikanten Erhöhung der Hautdichte und der Hautdicke, die mittels Ultraschall nachgewiesen werden konnte. Gleichzeitig konnte die Oberflächenstruktur der Haut positiv beeinflusst werden.

 

Polyphenole als Anti-Aging-Drink

 

Auch andere Wirkstoffe wie Kakao-Polyphenole (Epicatechin) zeigten bei zwölfwöchiger Supplementierung positive Wirkungen auf Hautdichte, Oberflächenstruktur und Barrierefunktion der Haut und damit ebenfalls eine Wirkung für den Bereich Anti-Aging. 

 

Während bei dem Drink mit hohem Polyphenolgehalt statistisch signifikante Verbesserungen aller gemessenen hautphysiologischen Parameter erzielt werden konnten, zeigten sich bei der Referenzgruppe mit einem zehnfach geringeren Polyphenolgehalt keine positiven Effekte. Auch konnte in der Verumgruppe mit hohem Polyphenolgehalt eine photoprotektive Wirkung durch die Einnahme des Drinks festgestellt werden, die die Haut zusätzlich vor UV-Licht-bedingter Hautalterung schützt.

 

Literatur

... bei der Verfasserin

 

Für die Verfasser:

Dr. Ulrike Heinrich

Institut für Experimentelle Dermatologie

Universität Witten/Herdecke

Alfred-Herrhausen-Straße 44

58455 Witten

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