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Union

»Wir setzen auf Freiberufler«

13.11.2012
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Von Daniel Rücker / Volker Kauder hält nichts von Apothekenketten. Die inhabergeführte Apotheke habe sich bewährt, sagt der Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion. Bei der Honorierung unterstützt er den Wunsch der Apotheker nach einer regelmäßigen Überprüfung.

PZ: Wie zufrieden sind Sie mit der Arbeit der Apotheker in Deutschland?

 

Kauder: Ich bin sehr zufrieden. Die Apotheke hat sich im Vergleich zu früher deutlich verändert. Die Beratung der Patienten hat heute einen sehr hohen Stellenwert und ein sehr hohes Niveau. Wegen der guten Arbeit in den Apotheken werde ich mich auch weiterhin für die flächendeckende Arzneimittelversorgung über die öffentlichen Apotheken einsetzen.

 

PZ: Welche Bedeutung hat für Sie die Freiberuflichkeit im Gesundheitswesen?

Kauder: Freiberuflichkeit ist ein ganz wichtiges Element im Gesundheitswesen. Das gilt natürlich auch für die Arzneimittelversorgung. Die inhabergeführte Apotheke hat sich hier sehr bewährt. Die CDU/CSU ist deshalb auch klar gegen Apothekenkonzerne.

 

PZ: Die Zahl der Apotheken in Deutschland ist seit Jahresbeginn um rund 230 Betriebsstätten gesunken. Wie beurteilen Sie diesen Trend?

 

Kauder: Mir bereitet das Sorgen. Wir brauchen die Präsenzapotheke in den ländlichen Räumen und müssen sie auch finanziell ausreichend ausstatten. Der jetzige Rückgang ist noch keine Bedrohung für die Versorgung insgesamt. Wir müssen ihn aber ernst nehmen.

 

PZ: Wie will die Union die flächendeckende Versorgung gewährleisten?

 

Kauder: Wir müssen die Leistungen der Apotheker entsprechend vergüten. Das ist im ländlichen Raum bei abnehmender Bevölkerung nicht ganz einfach. Deshalb haben wir über die Notdienstgebühr auch dafür gesorgt, dass gerade diese Apotheken finanziell stabilisiert werden.

 

PZ: Die Apotheker haben in diesem Jahr nach zähem Ringen erstmals seit 2004 eine höhere Vergütung erhalten. Nun fordern sie eine regelmäßige Anpassung und Überprüfung des Honorars. Was halten Sie davon?

 

Kauder: Nach den der Erfahrungen der vergangenen Jahre habe ich für die Forderung viel Verständnis. Ich bin da ganz an der Seite der Apotheker. Wir müssen die Entwicklung genau beobachten.

 

PZ: In Sachsen und Thüringen startet im Frühjahr das ABDA-KBV-Modell. Wie wichtig ist aus ihrer Sicht die Zusammenarbeit der Heilberufe?

 

Kauder: Ich sehe das Modell sehr positiv. Die Zusammenarbeit von Ärzten und Apothekern ist wichtig. Sie sollte aber von der Selbstverwaltung organisiert werden und nicht von der Politik.

 

PZ: Ein anderes Thema: Warum hat die Bundesregierung in der vergangenen Woche die Praxisgebühr abgeschafft?

 

Kauder: Die Praxisgebühr hatte nach allem, was wir wissen, nicht die Steuerungsfunktion, die wir uns von ihr versprochen hatten. Zudem war der bürokratische Aufwand sehr hoch. Weil die finanzielle Lage der Gesetzlichen Krankenversicherung derzeit gut ist, konnte die Praxisgebühr deshalb gestrichen werden. Die Abschaffung war durchaus vertretbar.

 

PZ: Ist dies eine grundsätzliche Abkehr von Patientenzuzahlungen?

 

Kauder: Nein. Die Selbstbeteiligung ist eine Form der Mengensteuerung und der Eigenverantwortung. Darauf können und wollen wir nicht verzichten.

 

PZ: Warum wird mit der Argumentation gegen die Praxisgebühr nicht gleich auch die Arzneimittelzuzahlung abgeschafft? Auch diese bedeutet für die Patienten zusätzliche Kosten und für die Apotheker mehr Aufwand. Einen größeren Steuerungseffekt hat sie auch nicht.

 

Kauder: Ich sehe dies anders. Im Bereich der Arzneimittel hat sich die Zuzahlung bewährt. Es wäre grundsätzlich falsch, alle Zuzahlungen abzuschaffen. Die Praxisgebühr war unter bürokratischen Gesichtspunkten sicher ein Problem. In der Union halten wir Selbstbeteiligungen aber für richtig.

 

PZ: Warum hat man nur die Kranken entlastet und nicht die Versicherten generell?

 

Kauder: Wir entlasten die Versicherten bereits über die Senkung der Rentenbeiträge. Über niedrigere Beiträge zur Gesetzlichen Krankenversicherung denken wir deshalb derzeit nicht nach. / 

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