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Vier Jahre AMNOG

Gemischte Bilanz

05.11.2014
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Von Anna Hohle, Berlin / Knapp vier Jahre nach Einführung des Arzneimittelmarkt-Neuordungsgesetzes (AMNOG) bewerten Ärzte, Krankenkassen und Hersteller dessen Erfolg ganz unterschiedlich. Das wurde auf einer Diskussion im Rahmen der vom Handelsblatt initiierten Jahrestagung Health vergangene Woche in Berlin deutlich.

Vier Jahre AMNOG, das bedeutet vor allem vier Jahre frühe Nutzenbewertung für neue Arzneimittel. Wie gut diese Methode inzwischen funktioniert, darüber gab es unter den Referenten der Health-Jahrestagung verschiedene Ansichten.

Antje Haas vom GKV-Spitzenverband zog eine positive Bilanz. Infolge des AMNOG würden echte Innovationen identifiziert und auch belohnt, sagte sie. Allerdings hält Haas es für nötig, einmal bewertete Medikamente in Abständen regelmäßig erneut zu beurteilen. Schließlich ändere sich der Anspruch an eine optimale Therapie für eine bestimmte Krankheit mit der Zeit immer wieder.

 

Ohne Zusatznutzen

 

Für falsch hält Haas es, wenn Medikamente ohne erwiesenen Zusatznutzen trotzdem erstattungsfähig bleiben. Das mindere die Qualität der Versorgung. »Der Erstattungsbetrag müsste hier 0 Euro sein«, so Haas. Außerdem vertrat sie die bekannte Kassenposition, Erstattungsbeträge sollten rückwirkend ab dem ersten Tag der Zulassung gelten und nicht erst nach einem Jahr. So ließen sich Szenarien wie die aktuelle Debatte um das teure Präparat Sovaldi® zur Behandlung von Hepatitis-C verhindern.

 

Robert Welte von Glaxo-Smith-­Kline (GSK) positionierte sich naturgemäß gegen einen solchen Plan. Es gebe schließlich einen Patentschutz, damit Hersteller ihre Produktionskosten einigermaßen decken könnten, sagte er. »Wenn jemand sagt, für dieses neue Präparat bekommt ihr generell nur diese bestimmte Summe, stellt er damit das Instrument des Patents infrage.« Allerdings gestand Welte ein, dass der Fall Sovaldi »unglücklich verlaufen« sei. Gerade wenn viele Patienten betroffen seien, müssten Hersteller zweimal überlegen, ob ein so hoher Preis für ein Medikament angemessen sei.

 

Laut Silke Baumann, Referatsleiterin beim Bundesgesundheitsministerium, hat sich das AMNOG bewährt. Man sei auf dem richtigen Weg. Allerdings kritisierte Baumann jene Fälle, in denen Hersteller Medikamente, die im Rahmen der frühen Nutzenbewertung keinen Zusatznutzen erhalten hatten, vom Markt genommen und kurz darauf für ein anderes Anwendungsgebiet wieder eingeführt hatten. Es gehe nicht, dass Unternehmen sich so um einen Erstattungspreis drückten, so Baumann. Die Bundesregierung werde diese Entwicklung weiter genau beobachten.

 

Dringend nachbessern

 

Der Vorsitzende der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft, Wolf-Dieter Ludwig, nannte das AMNO­G einen wichtigen Fortschritt. Endlich sei eine unabhängige Bewertung neuer Medikamente möglich. Allerdings seien die im Rahmen der frühe­n Nutzenbewertung herangezogenen zweckmäßigen Vergleichstherapien oft ungeeignet. Hier müsse nachgebessert werden.

 

Auch müsse die Bewertung des Bestandsmarkts wieder auf den Verhandlungstisch. Ludwig prophezeite, dass neue Arzneimittel künftig immer schneller auf den Markt kommen und die Kenntnisse über das jeweilige Präparat damit zum Zeitpunkt der Zulassung immer geringer sein werden. Früher oder später werde das AMNOG dadurch in Schwierigkeiten kommen, so der Mediziner. /

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