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IPSF-Kongress

Thailand begeistert seine Gäste

04.11.2011  13:27 Uhr

Von Julia Ernst / Für zehn Tage reisten mehr als 450 Pharmazie-studenten aus 52 Ländern nach Hat Yai, Thailand, um am Welt-kongress der International Pharmaceutical Students´ Federation (IPSF) teilzunehmen. Neben dem kulturellen Austausch standen Symposien, Plenen, Vorträge, Workshops und Live-Kampagnen auf dem Stundenplan.

Der Titel des diesjährigen Weltkongresses »Samila Mermaid« versprach viel: thailändische Freundlichkeit, märchenhafte kulturelle Highlights und atemberaubende Tänze. Bereits bei der Eröffnungszeremonie wurden diese Versprechen erfüllt. Mit heißen Rhythmen und in traditionellen Gewändern begrüßten die thailändischen Studenten jeden Kongressteilnehmer mit frischen Orchideenketten. Nach dem typischen Thai-Essen und den offiziellen Reden des IPSF-Präsidenten sowie der Gastgeber der Prince of Songkla University wurden Nationalflaggen an die Delegierten eines jeden Landes überreicht. Aus Deutschland reisten dreizehn Studenten der Universitäten in Greifswald, Münster, Bonn, Freiburg und Jena in das fast 10 000 Kilometer entfernte Südthailand, darunter zwei Delegierte des Bundesverbandes der Pharmaziestudierenden in Deutschland (BPhD).

In den darauffolgenden zehn Tagen folgte ein anstrengendes, aber sehr vielfältiges und interessantes Pro­gramm. Das Herzstück des Kongres­ses war die Generalversammlung, in der verschiedene Anträge beschlos­sen, neue Vertreter der Exekutive gewählt und neue Länder in die IPSF aufgenommen wurden. Außerdem konnten Workshops zu Gesundheits­themen wie Tuberkulose, Diabetes sowie neurodegenera­tiven Erkrankun­gen und Kampagnen zu HIV/Aids und Tabak besucht werden.

 

Soft Skills & Clinical Skills

 

Drei Tage vor Beginn des Kongresses konnten einige Studenten an einem speziellen Workshop teilnehmen, dem Leaders in Training Programme (LIT). Dieses Programm sollte sie in Schlüsselkompetenzen und Führungsqualitäten trainieren. Fortgesetzt wurde die Workshopreihe für alle Teilnehmer während des Kongresses zu Themen wie Kommunikation, Projektplanung oder Stressmanagement.

 

Neben den Soft Skills wurden auch Clinical Skills geschult. Beim Clinical Skill Event, was mit einer OSCE-Prüfung vergleichbar ist, mussten die Teilnehmer unter Wettbewerbsbedingung ihr Wissen in Klinischer Pharmazie sowie Arzneimittelinteraktionen und -nebenwirkungen an sieben verschiedenen Stationen mit unterschiedlichen Patientenfällen unter Beweis stellen. Erstmals gab es hier dieses Jahr ein Team-event, wo ein Patientenfall über 24 Stunden in der Gruppe bearbeitet werden konnte.

 

Educational & Scientific Symposium

 

Ein weiterer Wettbewerb war das Patient Councelling Event (PCE), welches auch auf der Bundesverbandstagung des BPhD angeboten wird. Unter realistischen Bedingungen wird eine Beratung in der Apotheke nachgespielt und von einer Jury, bestehend aus erfahren Apothekern, bewertet.

 

Wie jedes Jahr gab es auch zum 57. Weltkongress ein Symposien- wochenende. Während des Educational Symposiums hatten Vertreter verschiedener Länder die Möglichkeit, die nationalen Besonderheiten des Pharmaziestudiums und des Apothekenwesens vorzustellen. Die Vorträge zeigten auch die unterschiedliche Bedeutung der Pharmazeuten: In Australien und in Großbritannien können Apotheker in bestimmten Bereichen Arzneimittel verschreiben, in Thailand darf der Apotheker sogar Antibiotika verordnen, wohingegen in Kolumbien Apothekern per Gesetz die Beratung verboten ist. Das Symposium endete mit weiteren Vorträgen und Diskussionen.

Am nächsten Tag stand das Scientific Symposium unter dem Thema »Complementary and Alternative Medicine« an. Nach Vorträgen zu traditioneller Thaimedizin (TTM) hatten alle angehenden Pharmazeuten die Möglichkeit, selbst TTM herzustellen. Unter Anleitung der Gastgeber fertigten die Studenten eine Art Tigerbalsam, ein Moskito-Repellent und Inhalate gegen Erkältung. Den Abschluss des Symposiums bildete eine Posterausstellung, die das Thema alternative Heilmethoden ebenfalls aufgriff.

 

Ein weiteres wichtiges Thema des Kongresses war Tabak. Während eines Workshops listeten die Studenten in unterschiedlichen Teams Fakten und Ideen für eine Anti-Raucher-Kampagne. Später wurden die besten Ideen umgesetzt. Auf den Straßen von Hat Yai informierten die Teilnehmer mit riesigen Pappzigaretten und Postern die Einheimischen über die schädlichen Folgen des blauen Dunstes. Diese »Tobacco Awareness Live Campaign« verdient viel Anerkennung.

 

Kulturelles Rahmenprogramm

 

Neben den Workshops, Symposien und Kampagnen konnten die Studenten aber auch das abwechslungsreiche Abendprogramm genießen. Von Poolparty und Auction Night bis zum eleganten Galaabend war alles vorhanden. Besonders beeindruckend war die Thai Dancing Amazing Show. In der wunderschönen Prince of Songkla University wurden traditionelle Tänze zu thailändischen Mythen und Sagen aufgeführt. Nach diesen farbenfrohen Darbietungen wurden ein Minisprachkurs, volkstümliche Instrumente, das Dekorieren von typischen Süßspeisen und das Basteln von Blütenketten angeboten. Den Höhepunkt fand der Abend in einem atemberaubenden Feuerwerk.

 

Ein voller Erfolg war die International Night. Jedes Land brachte typische Speisen, Getränke und Tänze mit. Zudem kleideten sich die Kongressteilnehmer in den Nationalgewändern. Deutsche Teilnehmerinnen kamen im Dirndl, die Franzosen mit Baskenmützen und besonders sehenswert waren die prachtvollen orientalischen und asiatischen Kleider.

Das Abendprogramm, aber auch die vielen Veranstaltungen, boten die Chance, mit vielen Vertretern der unterschied­lichen Nationen ins Gespräch zu kommen, Gemeinsam­keiten und Unterschiede zu diskutieren sowie Freund­schaften zu schließen. Während der fakultativen Post Congress Tour konnten diese Freundschaften vertieft werden.

 

Viele Studenten nutzten das Angebot, sieben Tage durch Südthailand zu reisen. Von Hat Yai fuhren sie zunächst nach Krabi und Pangnga, dann nach Phuket und zu guter Letzt auf die Insel Koh Samui. Neben heißen Quellen mitten im Regenwald, Lagunen und paradiesischen Stränden bekamen die Reisenden auch viele verschiedene Tempel und riesige Buddhastatuen zu sehen. Thailands Kultur und Naturschönheit ließ diese Tour für alle Teilnehmer unvergessen bleiben.

 

An dieser Stelle möchte ich mich beim BPhD für die Gelegenheit bedanken, am Weltkongress teilnehmen zu können. Jedes Jahr vergibt der BPhD ein Stipendium in Höhe der Kongressgebühren. Für den diesjährigen Kongress wurde mein Motivationsschreiben ausgewählt. Ein weiterer Dank gilt, auch im Namen von Franziska Dörfer, dem Freundeskreis des pharmazeutischen Instituts der Friedrich-Schiller-Universität Jena für die finanzielle Unterstützung bei den Reisekosten. /

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