Pharmazeutische Zeitung online
Examensfeier

Vom Studium ins Praktikum

03.11.2009
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Von Werner Kiefer, Mainz / Am 23. Oktober fand an der Mainzer Uni die Examensfeier für die Absolventinnen und Absolventen des Zweiten Staatsexamens statt. Die Zeugnisübergabe übernahm Professor Dr. Ulf Pindur vom Institut für Pharmazie.

Pindur überbrachte die Glückwünsche des Instituts und hob die sehr guten Leistungen der Absolventen hervor. « Ein hartes Studium, das sich auf jeden Fall lohnt, ist die Grundlage für das vielseitige und interessante Betätigungsfeld des Pharmazeuten«, so Pindur.

 

Die Glückwünsche der Landesapothekerkammer Rheinland-Pfalz überbrachte Pharmazierat Peter Stahl. »Die momentane Lage im Gesundheitswesen bringt natürlich auch Veränderungen in der öffentlichen Apotheke mit«, sagte der Kammervizepräsident. »Der Apotheker muss Eigen-initiative, Motivation und Begeisterung am Beruf zeigen, um die unruhigen Zeiten zu überstehen.« Zum Beispiel könne die Eigenherstellung von Arzneimitteln ein Weg sein, die Position des Apothekers in der öffentlichen Apotheke zu stärken. Die ordnungsgemäße und individuelle Herstellung von Rezepturen mit überprüfbarer Qualität – die originäre Aufgabe des Apothekers – müsse wieder stärker in den Vordergrund treten. Seine Kompetenz sollte der Apotheker nutzen und die Zusammenarbeit mit Ärzten intensivieren. »Die Nutzung von Fortbildungsveranstaltungen ist unerlässlich, um die Rolle des Apothekers als Heilberufler zu stärken«, betonte Stahl.

 

Kritik am Bologna-Prozess

 

Heike Schückes, Leiterin des Landesprüfungsamts für Studierende der Medizin und Pharmazie in Rheinland-Pfalz, nutzte die akademische Feierstunde, um die zu Ende gehende Studienzeit als Schlüsseljahre für die persönliche Entwicklung zu würdigen. Kritisch bewertete Schückes den Bologna-Prozess, der durch die Einführung von Bachelor- und Masterstudiengängen zu einer Überfrachtung des Curriculums und zu einer noch größeren Verschulung des Studiums führen wird. »Die Studienjahre sollen eine umfassende und nicht nur rein fachspezifische Ausbildung sein.« Junge Forscher, so Schückes, brauchen Kreativität und vernetztes Wissen. »Wissen und Kreativität gehören zusammen!«

 

In seinem Festvortrag mit dem Titel »Arzneimittelforschung – Plan oder Zufall« machte Professor Dr. Stefan Laufer von der Universität Tübingen deutlich, dass die erfolgreiche Entwicklung neuer und innovativer Wirkstoffe heutzutage ein hochgradig vernetzter und interdisziplinärer Prozess ist. Rationale Strategien und neue Technologien nehmen auf dem Gebiet der Wirkstoffentwicklung immer größeren Raum ein. Gerade Pharmazeuten könnten hier aufgrund ihrer breit gefächerten Ausbildung Schlüsselpositionen besetzen.

 

Methoden wie Molecular Modeling, In-vitro-Tests, kombinatorische Chemie und die Gentechnologie sind Laufer zufolge zu wichtigen Werkzeugen bei der Wirkstoffsuche geworden. Trotz enormer finanzieller Investitionen (80 Milliarden US-Dollar in 2007) sei die Zahl der innovativen und neu zugelassenen Arzneistoffe seit Jahren rückläufig, obwohl die Pipeline der forschenden Pharmaindustrie gut gefüllt sei. Der Zeitraum, bis ein Wirkstoffkandidat zu einem in der Therapie eingesetzten Arzneistoff geworden ist, betrage zehn bis 15 Jahre, die Entwicklungskosten liegen bei mehr als einer Millarade US-Dollar. Und selbst dann ist ein Erfolg nicht immer gewährleistet, wie am Beispiel des selektiven COX-2-Inhibitors Lumiracoxib deutlich geworden ist: Nur wenige Monate nach der Zulassung wurde der Arzneistoff aufgrund lebertoxischer Wirkungen vom Markt genommen.

 

Ratio und Zufall

 

Ein neuer Begriff macht die Runde: das »druggable genome«, also diejenigen Gene, die durch Arzneistofftherapie in ihrer Funktion beeinflusst werden können. Bisher sind nur circa 10 Prozent des »druggable genomes« für Arzneistoffe angreifbar. Für Kinasen, die mehr als 22 Prozent des durch Arzneistoffe modulierbaren Genoms ausmachen, befinden sich derzeit nur neun Hemmstoffe als Arzneimittel im Handel. Das »druggable genome«, so Laufer, bietet zukünftig viel Raum für rationale Forschung, aber auch für Zufall und Irrtum!

 

HIV-Proteasehemmstoffe wie Saquinavir sind ein Paradebeispiel für die rationale Entwicklung von Wirkstoffen. Genaue Kenntnisse des Enzymkatalysemechanismus der HIV-Protease und Einblicke in die 3-D-Struktur des Proteins haben zur Entwicklung dieser Wirkstoffklasse geführt. Rationale Ansätze in der Arzneistoffentwicklung führten aber auch schon in früheren Zeiten zur Entwicklung potenter Arzneistoffe. Paul Jansen entwickelte Allopurinol als Ergebnis einer biomimetischen Synthese, indem er Substratanaloge des Purinstoffwechsels als Enzymhemmstoffe synthetisierte.

 

Welche Rolle spielt der Zufall bei der Suche nach Wirkstoffen? Das wohl bekannteste Beispiel ist die Entdeckung der antibiotischen Wirkung von Penicillium notatum durch Alexander Fleming im Jahre 1928. Zufallsentdeckungen wurden aber auch im klinischen Bereich gemacht: Es fiel auf, dass Sulfonamide eine zusätzliche antidiabetische Wirkung haben. Die heute immer noch therapeutisch verwendeten Sulfonylharnstoffe sind von dieser Substanzklasse abgeleitet. Der Aufmerksamkeit des Pflegepersonals ist es zu verdanken, dass ursprünglich gegen Angina pectoris eingesetzte Phosphodiesterase-Hemmer (PDE5-Hemmer) durch ihre Nebenwirkungen auffielen. Heute werden diese Substanzen zur Behandlung der erektilen Dysfunktion eingesetzt. / 

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