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Gesetzliche Krankenversicherung

Beitragssenkung kaum zu spüren

29.10.2014
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Von Stephanie Schersch / Wie erwartet hat das Bundes­ministerium für Gesundheit den durchschnittlichen Zusatzbeitrag für 2015 auf 0,9 Prozent festgesetzt. Einzelne Kassen wollen von ihren Versicherte allerdings weniger verlangen.

Obwohl der allgemeine Beitragssatz in der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) im Januar von derzeit 15,5 Prozent auf dann 14,6 Prozent fällt, dürften die Versicherten davon wenig spüren. Grund dafür sind die Zusatzbeiträge der Krankenkassen. Der durchschnittlichen Extrabeitrag wird 2015 bei 0,9 Prozent liegen. Damit wird die Beitragsabsenkung faktisch nivelliert.

 

Das Ministerium legte den Zusatzbeitrag auf Basis der Berechnungen des sogenannten Schätzerkreises fest, der seine Prognose wenige Tage zuvor veröffentlicht hatte. Demnach liegen die Einnahmen der GKV 2015 bei 198,3 Milliarden Euro, die Ausgaben schätzen die Experten auf 209,5 Milliarden Euro. Über Zusatzbeiträge oder Rücklagen sollen die Kassen die Finanzierungslücke füllen.

 

Der durchschnittliche Extrabeitrag ist für die Krankenkassen eine Art Richtgröße. Je nach individueller Finanzlage können sie von ihren Mitgliedern weniger oder aber mehr Geld verlangen. Fällt der Zusatzbeitrag höher aus, muss die jeweilige Kasse ihre Mitglieder allerdings darauf hinweisen, dass sie in eine günstigere Krankenkasse wechseln können. Diese Regelung »steigert die Vergleichbarkeit der Krankenkassen und nutzt den Versicherten«, sagte Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU).

 

Laut Ministerium haben rund zwanzig Kassen bereits angekündigt, ihren Zusatzbeitrag unter 0,9 Prozent absenken zu wollen. So gab etwa die in Sachsen und Thüringen ansässige AOK Plus in der vergangenen Woche bekannt, im kommenden Jahr lediglich 14,9 Prozent Beitrag von ihren Mitgliedern zu verlangen. Der Zusatzbeitrag liegt damit bei 0,3 Prozent.

 

Gröhe geht davon aus, dass mehrere Millionen Versicherte von sinkenden Beiträgen profitieren werden. Die Opposition sieht das anders. In den kommenden Jahren werde der durchschnittliche Zusatzbeitrag deutlich steigen, prognostizierte Grünen-Gesundheitsexperten Maria Klein-Schmeink. Die Folge: »Ein reiner Preiswettbewerb um den niedrigsten Beitragssatz wird die Kassen von Investitionen in eine bessere Versorgung abhalten.« /

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