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Medikationsmanagement

Kooperation zum Wohl des Patienten

29.10.2013
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Von Hannelore Gießen, Berlin / Das Ziel eines Medikations­managements ist klar: Es soll bei Patienten mit Polymedikation die Arzneimitteltherapiesicherheit verbessern. Nicht ganz so eindeutig scheint allerdings zu sein, wie dieses Ziel am besten zu erreichen ist. Hier kommt es auf gute Zusammenarbeit der Heilberufe an.

»Im Vergleich zu anderen Ländern ist das Medikationsmanagement in Deutschland unterentwickelt«, konstatierte Dr. Horst Möller, Ministerialrat a. D., auf der Jahrestagung des Studiengangs Consumer Health Care in Berlin. Allerdings sei noch nicht allgemein festgelegt, was Medikationsmanagement genau bedeute. Zwar gebe es eine Definition in der neuen Apothekenbetriebsordnung, doch gelte diese nur für Apotheken.

Arzt und Apotheker gemeinsam

 

Im gemeinsamen Versorgungsmodell von ABDA und Kassenärztlicher Bundesvereinigung (KBV) werde Medika­tionsmanagement als das koordinierte Zusammenwirken aller Heilberufe beschrieben. Auch die Sondergutachten 2009/2012 des Sachverständigenrats zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen unterstreichen ein kooperatives Medikationsmanagement als grundsätzliche Aufgabe aller Heilberufe mit dem Ziel der »Förderung der Therapiesicherheit und des bestimmungsgemäßen Gebrauchs«.

 

Eine koordinative Abstimmung zwischen Arzt und Apotheker ist insbesondere dann wichtig, wenn der Patient Risiken ausgesetzt ist, die entweder eine Änderung der Medikation oder eine besondere Beratung des Patienten erfordern. Zur Unterstützung der Koopera­tion zwischen den Heilberufen schlug Möller vor, für bestimmte Patientengruppen eine Arzt-Apotheken-Bindung oder auf Länderebene Arzt-Apotheken-Kooperationen festzulegen.

 

Zahlreiche Hindernisse verzögerten derzeit die Weiterentwicklung der Arzneimitteltherapiesicherheit (AMTS). So existiere keine formelle zentrale Koordinierung der AMTS in Deutschland, und Vorbehalte bei Ärzten und Apothekern würden die Arbeit erschweren, bedauerte Möller, der außerordentliches Mitglied der Koordinierungsgruppe der Arzneimittelkommission der Deutschen Ärzteschaft ist. Die bereits systematisch erhobenen Daten würden zudem unzureichend genutzt und Fehler nicht analysiert, sodass kein Lerneffekt erfolge.

 

Noch sei auch die technische Ausstattung und die Kompatibilität der unterschiedlichen Software für ein kooperatives Medikationsmanagement unzureichend. Die Apotheken seien hier zwar deutlich besser aufgestellt als die Arztpraxen, könnten die Möglichkeiten ihrer Software jedoch noch deutlich besser nutzen. Für ein koordiniertes Medikationsmanagement hält Möller Fachanforderungen für AMTS-Prüfsysteme sowie eine einheitliche Schnittstelle zwischen Systemsoftware und AMTS-Prüfsystem für erforderlich.

 

Auch die Stoffklassifizierung sei derzeit unbefriedigend, monierte der langjährige Ministerialrat im Bundesgesundheitsministerium, da eine Verknüpfung mit der Pharmazentralnummer ebenso fehle wie die Kodierung von Patientencharakteristika, wie Alter, Geschlecht, Erkrankungen. So sei noch kein patientenbezogener Überblick über die Medikation möglich.

 

Große Wissenslücken bei Patienten

 

Herzstück des Medikationsmanagements ist der Medikationsplan, der ein Codefeld enthält, in dem alle Informationen elektronisch abgelegt sind und regelmäßig aktualisiert werden müssen. »Der Medikationsplan dient in erster Linie dem Patienten und ersetzt nicht die elektronische Gesundheitskarte, Arztbriefe, Patientendokumente oder Ähnliches«, unterstrich Möller. Wie wichtig eine solche Information ist, erläuterte er anhand einer 2002 im »British Journal for Clinical Pharmacology« publizierten Studie: Danach kennen nur 30 Prozent der über-65-jährigen Patienten, die bis zu acht Arzneimittel einnehmen, die verordnete Dosis ihrer Medikation. Bei neun verordneten Arzneimitteln waren es sogar nur 10 Prozent der Patienten (doi: 10.1046/j.0306-5251. 2001.01401.x). /

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