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Versandhandel

DocMorris geht an Zur Rose

30.10.2012  17:16 Uhr

Von Stephanie Schersch / Für insgesamt 25 Millionen Euro wird die schweizerische Zur Rose AG die Versandapotheke DocMorris übernehmen. Zur Rose will damit zum Marktführer in Deutschland aufsteigen.

Mit dem Verkauf von DocMorris treibt der bisherige Mutterkonzern Celesio einen breit angelegten Umbau voran. Das Unternehmen will sich künftig wieder stärker auf das Kerngeschäft, den Großhandel mit Arzneimitteln, konzentrieren. Erst Ende Juli hatte Celesio die Dienstleistungstochter Movianto sowie die Tochtergesellschaft Pharmexx abgestoßen.

 

Belastete Beziehung

 

Durch die Trennung von DocMorris will sich Konzernchef Markus Pinger darüber hinaus mit den Apothekern aussöhnen. Pingers Vorgänger Fritz Oesterle hatte die niederländische Versandapotheke im Jahr 2007 gekauft und damit die Geschäftsbeziehungen zu den Apothekern erheblich belastet. Denn mit der Marke DocMorris wollte Oesterle in Deutschland auch eine Apothekenkette aufbauen. Dieses Vorhaben scheitere jedoch, nachdem der Europäische Gerichtshof im Mai 2009 das deutsche Fremdbesitzverbot bestätigt hatte. Oesterle hatte sich verzockt und musste Celesio 2011 schließlich verlassen.

Pinger, der von Beiersdorf zu Celesio kam, setzte fortan sehr viel daran, das Vertrauen der Apotheker zurückgewinnen. Mit dem Verkauf von DocMorris werde der andauernde Konflikt mit den deutschen Apothekenkunden nun gelöst, heißt es bei Celesio. In Zukunft wolle man den Apothekern neue Partnerschaftsmodelle anbieten. Unter dem Label DocMorris firmieren bislang auch rund 150 Franchise-Apotheken. Diese dürfen den Namen bis zum Ende ihrer Vertragslaufzeit zunächst weiterführen. Die ersten Verträge werden nach Angaben von Celesio frühestens in gut fünf Jahren auslaufen. Genauere Angaben wollte man nicht machen.

 

Dem Verkauf an Zur Rose müssen noch die zuständigen Kartellbehörden zustimmen. Celesio hatte für DocMorris ursprünglich 200 Millionen Euro bezahlt. Der Verkauf für nur noch 25 Millionen Euro macht zusätzliche außerplanmäßige Wertminderungen in Höhe von rund 30 Millionen Euro in der Celesio-Bilanz notwendig, die im Zwischenabschluss zum 30. September 2012 berücksichtigt werden. Celesio rechnet trotzdem damit, das Geschäftsjahr 2012 auf dem Niveau des Vorjahres mit einem bereinigten EBITDA von mindestens 550 Millionen Euro abschließen zu können.

 

Großes Synergiepotenzial

 

Zur Rose wird mit der Übernahme von DocMorris nach eigenen Angaben in Deutschland zum größten Anbieter im Arzneimittelversand. Der Zusammenschluss eröffne erhebliches Synergiepotenzial. »Der Erwerb von DocMorris stärkt die Position der Zur-Rose-Gruppe in einem strategisch wichtigen Markt sowie im zukunftsträchtigen Segment des Arzneimittelversands«, sagte Zur-Rose-Vorstand Walter Oberhänsli. Auch DocMorris-Vorstand Olaf Heinrich zeigte sich zufrieden. »Die beiden Unternehmen stimmen in vielen strategischen Punkten überein. Das ist eine sehr gute Basis, um die Zukunft zu gestalten.«

 

DocMorris ist mit einem Umsatz von zuletzt 327 Millionen Euro eine der bekanntesten Versandapotheken in Deutschland. Ihr Marktanteil liegt laut Zur Rose bei rund 29 Prozent. Zur Rose wurde 1993 in der Schweiz von Ärzten ursprünglich als Praxisgroßhandel gegründet. Seit 2001 ist das Unternehmen auch als Versender tätig.

 

Ihren Stammsitz hat Zur Rose im schweizerischen Frauenfeld, darüber hinaus gibt es die Logistiktochter Zur Rose Pharma GmbH in Halle/Salle und die Versandapotheke VfG Cosmian in Tschechien. Die deutsche Versandapotheke Zur Rose mit Sitz in Halle/Saale wird wesentlich durch die Zur Rose Pharma GmbH unterstützt. Sie wird ab 2013 zudem neuer Pick-up-Partner der Drogeriemarktkette dm (lesen Sie dazu auch Pick-Up: »Zur Rose« wird Partner von dm, PZ 43/2012).

 

An den verschiedenen Standorten beschäftigt die Zur-Rose-Gruppe nach eigenen Angaben mehr als 300 Mitarbeiter. Im Geschäftsjahr 2011 erwirtschaftete das Unternehmen einen Umsatz von rund 488 Millionen Franken (403 Millionen Euro). /

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