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Arzneimittel nur über Apotheken

28.10.2008
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Arzneimittel nur über Apotheken

Von Daniel Rücker, Wiesbaden

 

Die Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM) warnt Patienten davor, Arzneimittel über das Internet zu bestellen. Das Risiko, auf diesem Weg ein gefälschtes Medikament zu erwerben, sei unkalkulierbar.

 

Es sind nicht nur die Apotheker, denen der Versandhandel mit rezeptpflichtigen Arzneimitteln Sorgen bereitet. Auch die Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin lehnt diese Vertriebsform ab, weil Arzneimittelfälscher sie nutzen, um ihre Plagiate in den deutschen Markt einzuschleusen. Patienten könnten diese Gefahren allerdings kaum richtig abschätzen, sagte der Vorsitzende der DGIM, Professor Dr. Rainer E. Knobloch, bei einer Pressekonferenz in Wiesbaden: »Er kauft eine Blackbox mit ungewissen Folgen.« Für die DGIM ist es deshalb höchste Zeit, dass die Bundesregierung den Versandhandel mit rezeptpflichtigen Arzneimitteln wieder verbietet. Bis dahin müssen die Heilberufler ihre Patienten vor größerem Schaden bewahren.

 

Professor Dr. Ulrich Robert Fölsch, Direktor der Klinik für Allgemeine Innere Medizin am Uniklinikum Schleswig-Holstein, forderte die Ärzte auf, in der Praxis vor Internetapotheken zu warnen: »Es ist von entscheidender Bedeutung, die Patienten darauf hinzuweisen, dass es wichtig ist, sowohl die rezeptpflichtigen wie auch die rezeptfreien Medikamente ausschließlich über die Apotheke zu beziehen.«

 

Professor Dr. Harald G. Schweim von der Universität Bonn schloss sich diesem Appell an. Zwar seien die deutschen Versandapotheken sicher, es gebe für die Patienten aber keine Möglichkeit, im Internet eine seriöse Versandapotheke von einem unseriösen Versender zu unterscheiden. Auch ein Qualitätssiegel nütze dabei wenig, da die Fälscher auch dieses fälschten.

 

Herbe Kritik äußerte Schweim an den deutschen Behörden. Sie reagierten mit einer »erschreckenden Hilflosigkeit und Ignoranz auf das Problem«. Die bestehenden Gesetze im Kampf gegen illegale Versender würden nicht angewendet. Dem Bundesgesundheitsministerium warf er vor, seit Jahren nicht gegen den tschechischen Versender »Volksversand.de« vorzugehen, obwohl dieser dem Ministerium mit Adresse bekannt sei und nicht auf der Länderliste stehe.

 

Auch die pharmazeutische Industrie drängt auf ein konsequentes Vorgehen gegen Fälschungen. Sie hat dabei allerdings weniger ein Verbot des Versandhandels im Sinn als eine bessere Kontrolle der Arzneimittelpackungen. Große Hoffnungen setzt sie unter anderem auf das von EU-Kommissar Günter Verheugen geplante Umpackverbot von Arzneimitteln. Dieses würde den Parallelimport zumindest dramatisch einschränken, wenn nicht unmöglich machen. Die deutschen Pharmahersteller sehen in den Reimporten neben dem Versandhandel das zweite große Einfallstor für gefälschte Medikamente. Allerdings steht es um Verheugens EU-Richtline zurzeit nicht allzu gut. Wegen erheblicher Kritik der anderen EU-Kommissare wurde der Entwurf nicht wie geplant am 21. Oktober veröffentlicht, sondern soll überarbeitet und angeblich Ende November vorgestellt werden (siehe dazu »Patienteninformation: Gegenwind für Kommissar Verheugen«, PZ 44/2008).

 

Zahlencode für jede Packung

 

Das Umpackverbot wäre aber eine Grundlage für die von den forschenden Pharmaunternehmen angestrengte europaweite einheitliche Kennzeichnung aller Arzneimittelpackungen. Gemeinsam mit Apothekern und pharmazeutischem Großhandel hat der Europäische Verband der Pharmaindustrie (EFPIA) ein System entwickelt, dass den Fälschern die Arbeit schwerer macht. Die Pharmahersteller setzen dabei auf ein System, das jede in der EU in Verkehr gebrachte Arzneimittelpackung eindeutig identifizierbar macht. In Wiesbaden erläuterte Michael Dammann vom Verband forschender Arzneimittelhersteller (VFA) die Grundzüge: »Ein kleiner 2D-Barcode auf der Verpackung soll dabei wichtige Informationen zu dem jeweiligen Produkt und der Herstellungscharge sowie dem Verfallsdatum enthalten, ebenso eine für jede Arzneimittelpackung einmalig vergebene Seriennummer, anhand derer die Packung eindeutig identifiziert werden kann.« Die Kontrolle der Packung erfolgt in der Apotheke. Dort wird sie gescannt und mit einer Datenbank abgeglichen, in der die Seriennummern aller im Markt befindlichen Packungen gespeichert sind.

 

Das System soll 2009 in einem Pilotversuch getestet werden. Nach Angaben Dammanns sollen daran 150 bis 200 Apotheken teilnehmen. Allerdings haben sich Apotheker und Industrie noch nicht darauf verständigt, welche Apotheken bei dem Test mitmachen sollen.

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