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Solarien

Gefahr für Haut und Leben

22.10.2007
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Solarien

Gefahr für Haut und Leben

Von Christiane Berg, Hamburg

 

Trotz der gesundheitlichen Risiken ist der Trend zur braunen Haut und der Zulauf zu Solarien ungebrochen. Experten fordern daher strengere Auflagen für Sonnenstudios.

 

Ab 2009 ist ein gesetzliches Verbot der Nutzung von Sonnenbänken für Jugendliche unter 18 Jahren geplant. »Das allein reicht nicht aus. Künstliche UV-Strahlung geht für Menschen jeden Alters mit unendlichen Gesundheitsrisiken einher«, sagte Dr. Rüdiger Greinert, Generalsekretär der European Society of Skin Cancer Prevention (Euroskin) anlässlich der 5. Internationalen Konferenz der Gesellschaft in Hamburg. Tagungspräsident Professor Dr. Eckhard Breitbart, Buxtehude, sprach von einer »alarmierenden Situation«: Trotz aller Warnungen suchen in Deutschland circa zwölf Millionen Bundesbürger regelmäßig und rund vier Millionen, meist junge Menschen, sogar zweimal wöchentlich ein Sonnenstudio auf. »Sie werden fast alle auf dem Operationstisch landen«, sagte Breitbart, gleichermaßen Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Dermatologische Prävention (ADP). »Wer vor dem 30. Lebensjahr regelmäßig in ein Solarium geht, steigert das Risiko, im Laufe des Lebens an einem malignen Melanom zu erkranken, um 75 Prozent.«

 

Die Bevölkerung sei sich der Gefahren des »Geschäfts mit krebserregender Strahlung« nicht bewusst. Im Gegenteil: Nach wie vor definieren nicht nur junge Menschen den Grad ihrer Attraktivität über die Tiefe ihrer Bräune. Daher seien weitere, gegebenenfalls gesetzliche Regelungen zur Hautschutzprävention erforderlich. Breitbart und Greinert machten deutlich, dass nicht nur Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren, sondern auch Personen mit sehr empfindlicher, heller Haut, roten oder sehr blonden Haaren beziehungsweise Sommersprossen der Zutritt zu Sonnenstudios grundsätzlich verweigert werden sollte. Gerade sie hätten ebenso wie Menschen über 40 Jahren mit vielen, insbesondere atypischen Pigmentmalen oder Personen mit häufigen Sonnenbränden in der Kindheit im Solarium nichts zu suchen.

 

Mangel an Fachkräften

 

Unumgänglich sei, dass geschultes Personal beim ersten Besuch stets nicht nur das Alter und den Hauttyp der Solariengänger prüft, sondern auch nach einer etwaigen, die Haut sensibilisierenden Medikamenteneinnahme (Antidiabetika, Psychopharmaka und Antibiotika) fragt. Gerade an Fachkräften jedoch mangelt es in Sonnenstudios. Im Gegensatz zu anderen europäischen Ländern wie Frankreich, Schweden und der Schweiz gibt es in Deutschland kein Gesetz, das den Betrieb von Solarien regelt. »Jeder, der will, kann ein Sonnenstudio betreiben. Zur Eröffnung bedarf es keiner Ausbildung, sondern lediglich eines Gewerbescheins«, kritisierte Breitbart.

 

»Die aktuellen Studienergebnisse zum erhöhten Krebsrisiko durch Solariennutzung sprechen für sich«, so Greinert. Haut und Leben seien in Gefahr. Seit Jahren versucht Euroskin, einheitliche Regeln zum Betrieb und zur Nutzung von Sonnenstudios bei der EU durchzusetzen. Einen Erfolg kann die Gesellschaft bereits vorweisen: So gilt auf ihr Bestreben seit dem 27. Juli 2007 europaweit die Beschränkung der Bestrahlungsstärke auf 0,3 Watt/m2 für alle Neugeräte in Sonnenstudios als verbindlich. In Deutschland wurde der Grenzwert in Übereinkunft mit der Sonnenstudiobranche in die freiwillige Zertifizierung des Bundesamtes für Strahlenschutz für »Geprüfte Sonnenstudios« aufgenommen.

 

Nur 100 von 6000 zertifiziert

 

Diese Maßnahme wird als ein erster Schritt zur Reduktion gesundheitlicher Risiken durch Solariennutzung bewertet. Sie ist jedoch nur ein Tropfen auf dem heißen Stein, zumal sich bisher nur rund 100 von 6000 Studios haben zertifizieren lassen. Außerdem verwenden die meisten Solarien noch Altgeräte, für die diese Beschränkung nicht verbindlich ist. Um weitere Schutzmaßnahmen zu initiieren, hat Euroskin einen Neun-Punkte-Katalog von Minimalforderungen, den »Code of Practice for artificial Tanning«, bei der EU eingereicht, der als Grundlage für die gesetzliche Regulierung von Sonnenstudios dienen soll.

 

Dieser Katalog enthält nicht nur die Forderung nach einem Verbot der Nutzung von Solarien für Jugendliche unter 18 Jahren. Er besagt auch, dass die Beschränkung der Bestrahlungsstärke in Sonnenstudios auf 0,3 Watt/m2 nicht ausreichend ist. »Dies entspricht immer noch einem UV-Index von 12«, sagte Greinert. »Bei diesem Wert empfiehlt die WHO, im Haus zu bleiben und jede UV-Exposition zu vermeiden.« Zusätzlich müsse sichergestellt werden, dass bei dieser Bestrahlungsstärke 1 MED, also eine Minimale Erythem-Dosis, nicht überschritten werden kann. Um Sonnenbrand sicher zu vermeiden, müsse durch ausgebildetes Personal jeweils ein individueller Bestrahlungsplan erstellt werden. Münz-Solarien und Bräunungsbeschleuniger seien zu verbieten.

 

Keine Gesundheitswerbung

 

Greinert hob als weitere zentrale Forderung von Euroskin den Verzicht von Sonnenstudios auf Werbung mit »biopositiven« Effekten auf die Gesundheit hervor. Um eine ausreichende Vitamin-D-Produktion des Körpers zu gewährleisten, sei der Gang auf die Sonnenbank nicht notwendig. Er sei auch nicht zur Selbstmedikation zum Beispiel von Akne oder Neurodermitis geeignet. Sollte eine medizinisch begründete UV-Bestrahlung zum Beispiel zur Vorbeugung oder Behandlung von Osteoporose oder Hauterkrankungen erforderlich sein, so dürfe diese nur in medizinischen Einrichtungen und unter ärztlicher Aufsicht erfolgen.

 

»Wir brauchen keine Solarien, die Sonne reicht«: Um den täglichen Vitamin-D3-Bedarf zu decken, genügen geringe UV-Expositionen, betonten die Referenten. Selbst wenn nur 6 Prozent der Körperoberfläche, zum Beispiel Hände und Gesicht, am Mittag eines normalen deutschen Sommertages dem Licht ausgesetzt sind, produziere ein gesunder Mensch (Hauttyp II) in einer Viertelstunde genügend Vitamin D. Ein täglicher 15-minütiger Spaziergang sei somit absolut ausreichend.

 

Auch wenn sich herausstellen sollte, dass, wie derzeit diskutiert, die für den Menschen notwendige Vitamin-D-Menge bislang unterschätzt wurde, sei auch dann von einer zusätzlichen UV-Exposition aufgrund der großen Gefahren für die Haut abzusehen. Wie die Weltgesundheitsorganisation rät auch Euroskin, mögliche Vitamin-D-Defizite gegebenenfalls über eine ausgewogene Ernährung zum Beispiel mit Fisch oder Nahrungsergänzungsmitteln zu kompensieren.

 

In Deutschland erkranken jedes Jahr 140.000 Menschen neu an Hautkrebs. Die Tendenz ist steigend. Insbesondere bei Jugendlichen ist eine deutliche Zunahme der Erkrankungsrate zu verzeichnen. Für die Behandlung werden in Deutschland schon heute 3 Milliarden Euro jährlich ausgegeben. Häufigste Formen sind Tumore der Oberhaut (»heller Hautkrebs«) und melanozytäre Tumore (»schwarzer Hautkrebs«). An einem malignen Melanom sterben pro Jahr mehr als 2000 Bundesbürger.

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