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Die helfende Hand

22.10.2007
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Die helfende Hand

»Wenn du eine helfende Hand brauchst, schau auf die Verlängerung deines rechten Arms.« Ein zynischer Spruch? Vielleicht, aber auch ein realistischer. Apotheker sind in diesen Zeiten des Umbruchs gut beraten, sich auf die eigenen Kräfte und Fähigkeiten zu besinnen. Von politischer Seite ist wenig Unterstützung zu erwarten. Der jüngste Beleg aus dem Hause Ulla Schmidt: Der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesgesundheitsministerium Rolf Schwanitz (SPD) antwortete wachsweich auf eine Anfrage des FDP-Abgeordneten Daniel Bahr, wie die Bundesregierung denn die Nutzung von Drogeriemärkten zur Annahme von Rezepten und Abgabe von Arzneimitteln im Rahmen des Versandhandels beurteile. Versandhandel mit apothekenpflichtigen Arzneimitteln sei nach Gesetzeslage möglich. Zu neuen Vertriebsformen wie dem Bestell- und Abholservice der dm-Drogeriemärkte in Kooperation mit der Europa-Apotheek äußere sich die Bundesregierung nicht, weil der Rechtsstreit noch laufe (siehe dazu Bundesregierung: Keine Stellungnahme zu dm-Markt). Eine eigene Position sieht anders aus.

 

Der Rechtsstreit ist in der Tat noch nicht abgeschlossen, denn überraschend hat das Bundesverwaltungsgericht die Revision des Urteils des Oberverwaltungsgerichtes Münster nun doch zugelassen, nachdem die Stadt Düsseldorf gegen die Nichtzulassung Beschwerde eingelegt hatte. Das Bundesverwaltungsgericht hat erkannt, dass es hier um eine Rechtssache von grundsätzlicher Bedeutung geht. Zu klären ist, wie der Begriff des Versandes von Arzneimitteln an den Endverbraucher nach dem Arzneimittelgesetz auszulegen ist und welche Bedeutung der Regelung für Rezeptsammelstellen gemäß Apothekengesetz und Apothekenbetriebsordnung zukommt.

 

Dm-Chef Götz W. Werner äußerte sich entsprechend zurückhaltend über eine weitere Expansion der Rezeptsammelstellen: Man bewege sich tastend und vorsichtig im Arzneimittelgeschäft, denn die rechtliche Situation sei noch nicht stabil (siehe dazu Drogeriemarkt: Rezeptsammelstellen laufen so lala). Ein großes Geschäfts scheint dm mit dem Versandservice ohnehin nicht zu machen. Schließlich erkennen die Kunden von selbst, welche Angebote sinnvoll sind und welche nicht.

 

Noch eine gute Nachricht sandte am vergangenen Wochenende ein Berliner Kongress in die deutsche Apothekerschaft: Apotheker, die den Realitäten ins Auge schauen und sich von widrigen Rahmenbedingungen nicht schrecken lassen, haben gute Chancen, im nach wie vor wachsenden Gesundheitsmarkt ihre Nische zu besetzen - wenn sie sich auf ihre Kernkompetenz als Heilberufler besinnen. Die inhabergeführte Apotheke hat Zukunft.

 

Dr. Uta Grossmann

Ressortleitung Wirtschaft und Handel

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