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Drogeriemarkt

Rezeptsammelstellen laufen so lala

22.10.2007
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Rezeptsammelstellen laufen so lala

Von Uta Grossmann, Berlin

 

Der Bestell- und Abholservice für Arzneimittel in einigen Filialen der Drogeriemarktkette dm scheint kein großer Renner zu sein. Derweil ist der Rechtsstreit zwischen dm und der Stadt Düsseldorf um die Erlaubnis, Rezepte für den Versandhandel sammeln zu dürfen, zur Revision vor dem Bundesverwaltungsgericht zugelassen worden.

 

Das Bundesverwaltungsgericht (BVG) nannte als Begründung, warum es die Revision zulässt, die grundsätzliche Bedeutung der Rechtssache. Das Revisionsverfahren, heißt es in dem BVG-Beschluss, könne Gelegenheit zur Klärung der Frage bieten, wie der Begriff des »Versandes an den Endverbraucher« im Arzneimittelgesetz auszulegen sei und welche Bedeutung in diesem Zusammenhang der Regelung für Rezeptsammelstellen zukomme. Mit einer Entscheidung ist nicht vor Sommer 2008 zu rechnen.

 

Platz zwei hinter Schlecker

 

Das Oberverwaltungsgericht Münster hatte vor gut einem Jahr den Bestell- und Abholservice für Medikamente in dm-Filialen erlaubt und für vereinbar mit dem Arzneimittel- und Apothekenrecht erklärt. Es hob ein Verbot der Stadt Düsseldorf auf, die den Medikamentenservice in acht nordrhein-westfälischen dm-Märkten 2004 untersagt hatte. Inzwischen bietet dm in 80 Filialen in Nordrhein-Westfalen die Möglichkeit, apothekenpflichtige Arzneimittel über den Versandhandel der niederländischen Europa Apotheek zu bestellen.

 

Die Firma dm-drogerie markt mit Sitz in Karlsruhe hat im vergangenen Geschäftsjahr 2006/2007, das Ende September endete, zum ersten Mal mit den 936 deutschen Filialen mehr als drei Milliarden Euro Umsatz erwirtschaftet. Zusammen mit den 913 europäischen Filialen in Österreich, Bosnien, Kroatien, Serbien, Slowakei, Slowenien, Tschechien und Ungarn stieg der Umsatz der dm-Gruppe auf über vier Milliarden Euro. Damit behauptet sich die Drogeriemarktkette in Deutschland auf Platz zwei hinter Schlecker und vor Rossmann. Beim durchschnittlichen Umsatz pro Filiale stehen die dm-Drogeriemärkte deutschlandweit sogar auf Platz eins vor Rossmann und Schlecker, sagte Professor Götz W. Werner, dm-Gründer und Vorsitzender der Geschäftsführung, vorige Woche in Berlin. Nach Angaben Werners hat dm den Umsatz im Heimatmarkt um 11,9 Prozent steigern können. In den europäischen Ländern betrage das Umsatzplus sogar 16 Prozent. Im Schnitt eröffne dm in Deutschland 100 neue Filialen pro Jahr und mache 30 wieder zu.

 

Für das gerade begonnene neue Geschäftsjahr hat sich der 63 Jahre alte Unternehmer, selbst gelernter Drogist, vorgenommen, den tausendsten dm-Markt in Deutschland zu eröffnen und zum Ende des Geschäftsjahres 2007/2008 europaweit insgesamt 2000 Filialen zu führen.

 

Rezepte und Wickeltisch

 

Wie erfolgreich der Bestellservice für Arzneimittel in 80 nordrhein-westfälischen Märkten tatsächlich ist, wollte Werner nicht deutlich sagen. Zwischen den Zeilen war zu lesen, dass das Angebot kein Renner ist. Trotzdem gab sich Werner zufrieden: »Wir müssen nicht zwingend einen Riesenumsatz damit machen.«

 

Er zog den Vergleich zu den Wickeltischen, die in manchen Filialen aufgestellt seien. Wie viele Eltern ihre Babys dort am Tag wickelten, sei nicht so erheblich. Er als siebenfacher Vater freue sich jedesmal, dass dieser Service für die Kunden überhaupt angeboten werde.

 

Im Arzneimittelgeschäft bewege sich dm »tastend und vorsichtig«, denn schließlich sei die rechtliche Situation noch nicht stabil. Die Reaktionen der Apotheker halte er jedenfalls für »hysterisch«.

 

Die Bundesregierung ließ auf eine Anfrage des FDP-Abgeordneten Daniel Bahr zur dm-Problematik keinen Handlungsbedarf erkennen (siehe dazu Bundesregierung: Keine Stellungnahme zu dm-Markt).

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