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Abholstellen

Pick-up auch bei Schlecker

01.09.2008
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Abholstellen

Pick-up auch bei Schlecker

Von Uta Grossmann

 

Nach den dm-Drogeriemärkten bietet inzwischen auch die Schlecker-Gruppe mit den Drogeriemärkten Schlecker, Ihr Platz und drospa Abholstellen für Medikamente an. Der Deutsche Apothekerverband forderte die sofortige Einstellung der Arzneimittelabgabe.

 

Bisher konnte in Filialen der Schlecker-Gruppe nur bestellt werden. Die von der ebenfalls zu Schlecker gehörenden niederländischen Versandapotheke Vitalsana gelieferten Arzneimittel wurden dem Kunden per Post zugestellt. Inzwischen kann er sich das Päckchen auch in einer der deutschlandweit 11.000 Drogerie-Filiale abholen. Ein Sprecher der in Ehingen ansässigen Firmengruppe Anton Schlecker sagte der PZ, dass alle Besteller, die bei Vitalsana ein Rezept vorlegen, für jedes verschreibungspflichtige Medikament einen Einkaufsgutschein über drei Euro erhalten. Die Kunden müssen sich bei der Abholung in der Verkaufsstelle mit Abholschein und Personalausweis ausweisen. Branchenkenner vermuten, dass Schlecker die Pick-up-Stellen als »Frequenzbringer« betrachtet, die mehr Kunden in die Märkte locken.

 

Abholstellen für Arzneimittel außerhalb von Apotheken sind durch ein Urteil des Bundesverwaltungsgerichts in Leipzig vom 13. März möglich geworden. Als Erste boten dm-Drogeriemärkte solche Pick-up-Stellen an, momentan in 208 Märkten in Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg, Berlin und Niedersachsen. Deutschlandweit hat dm 1000 Filialen, Versandhandelspartner ist die Europa Apotheek in Holland. Die Drogeriemarktkette Rossmann arbeitet mit der Deutschen Internet Apotheke (Erftstadt) zusammen. Nach Auskunft des Mitarbeiters der Pressestelle Edzard Schönrock sind derzeit keine Abholstellen in den 1300 Filialen geplant.

 

Der Deutsche Apothekerverband (DAV) reagierte auf das Bekanntwerden des Pick-up-Service bei Schlecker mit der Forderung, die Arzneimittelabgabe in den Filialen von Schlecker und dm sofort einzustellen. DAV-Vorsitzender Hermann Stefan Keller sagte: »Wir brauchen jetzt endlich eine klare Entscheidung des Gesetzgebers und eine schärfere Kontrolle zugunsten der Verbraucher.«

 

»Banalisierung von Medikamenten«

 

Zum jüngsten Auswuchs des Versandhandels fand Keller klare Worte: »Schlecker & Co. verramschen Gesundheit.« Politiker in Bund und Ländern sollten die Banaliserung von Medikamenten beenden und die volle Arzneimittelsicherheit wiederherstellen.

 

Die Länder Bayern und Sachsen haben einen Gesetzesentwurf in den Bundesrat eingebracht, der den Versandhandel mit rezeptpflichtigen Arzneimitteln wieder verbieten soll. Gleichen Inhalts ist ein Antrag, den die Fraktion Die Linke in den Bundestag eingebracht hat, während ein FDP-Antrag lediglich die Pick-up-Stellen wieder verbieten will. Alle Initiativen sind noch im parlamentarischen Verfahren.

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