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PPI können zu Fettleber führen

18.10.2017
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Von Annette Mende / Eine Studie mit Mäusen und alkoholabhängigen Menschen deutet darauf hin, dass die Einnahme von Protonenpumpeninhibitoren (PPI) indirekt die Leber schädigt. Den im Fachjournal »Nature Communications« veröffentlichten Ergebnissen zufolge beruht die Schädigung auf einer Veränderung der Darmflora durch den Anstieg des pH-Werts im Magen.

 

Aus Sicht der Forscher um Seniorautor Professor Dr. Bernd Schnabl von der University of California San Diego ist es bedenklich, dass Patienten mit chronischer Lebererkrankung besonders häufig mit PPI behandelt werden. Die Wissen­schaftler raten zu einem zurückhaltenden Einsatz der Säureblocker bei diesen Patienten (DOI: 10.1038/s41467-017-00796-x).

Für ihr Experiment verwendeten die Forscher ein Mausmodell mit nicht alkoholischer Fettleber (NAFL) beziehungsweise der entzündlichen Variante der NAFL, der nicht alkoholischen Steatohepatitis (NASH). Bei diesen Tieren wurde entweder durch den PPI Omeprazol oder durch gentechnische Veränderung die Magensäure-Produktion unterbunden. Der Vergleich des Darm-Mikrobioms dieser Mäuse mit dem von Tieren mit normaler Säureproduktion zeigte eine Verschiebung hin zu mehr Bakterien der Gattung Entercoccus. Dies begünstigte eine Leber­entzündung und in der Folge die Entwicklung von NAFL, NASH und Alkohol-induziertem Leberschaden. Indem sie Mäuse mit intakter Darmflora mit Enterococcus faecalis kolonisierten, konnten die Forscher zeigen, dass die Dominanz von Enterokokken im Mikro­biom tatsächlich die Ursache dieser Entwicklung war. Die so behandelten Tiere entwickelten daraufhin ebenfalls eine milde Steatose und verstärkt Alkohol-bedingte Leberschäden.

 

Um die Übertragbarkeit auf den Menschen zu untersuchen, werteten die Autoren die Daten von 4830 Patienten mit chronischem Alkoholmissbrauch aus. Von diesen nahmen 21 Prozent PPI ein und auch bei ihnen zeigten sich im Stuhl erhöhte Konzentrationen von Enterokokken. Diese Patienten hatten ein Risiko von 20,7 Prozent, innerhalb von zehn Jahren eine alkoholische Lebererkrankung zu entwickeln. Bei den­jenigen, die früher PPI angewendet hatten, das aber nicht mehr taten, betrug das Risiko 16,1 Prozent und bei Patienten, die noch nie PPI eingenommen hatten, 12,4 Prozent.

 

»Unsere Ergebnisse legen nahe, dass die stark angestiegene Verwendung von Säureblockern zur ebenfalls gestiegenen Häufigkeit von chronischen Lebererkrankungen beigetragen haben könnte«, sagt Schnabl in einer Mitteilung der Univer­sität. Hauptrisikofaktor für die Entwicklung von NAFL und NASH ist Adipositas und Adipöse greifen wiederum auch häufiger zu PPI als Normalgewichtige – ein Teufelskreis. Gewichts­reduktion sowie Zurückhaltung bei Alkohol, Kaffee, Fett und scharfen Gewürzen sei für diese Patienten die leberschonendste Möglichkeit, saures Aufstoßen zu behandeln. Andere Antacida hätten dagegen vermutlich auch ­einen ­negativen Effekt auf die Zusammensetzung der Darmflora, weil auch sie die Säurekonzentration im Magen effektiv reduzieren könnten, so Schnabl. /

 

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