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Bei Obstipation abgestuft therapieren

18.10.2016
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Patienten mit chronischer Obstipation brauchen eine gute Basisdiagnostik, damit eine effektive Therapie eingeleitet werden kann. Dazu gehöre auch die Arzneimittelanam­nese, betonte Professor Thomas Frieling vom Darmzentrum Krefeld bei der Pharma World. Neben Opioiden zählen auch Calcium-Antagonisten, Thiazide, Psychopharmaka, Antiepileptika oder Antibiotika zu den Auslösern einer chronischen Verstopfung.

 

Diagnostisch unterscheide man Entleerungsstörungen vom trägen Darm, sagte der Gastro­enterologe. Erstere treten zum Beispiel bei Frauen nach der Entbindung oder bei älteren Personen mit Becken­bodenschwäche auf und werden meist mit lokalen Maßnahmen wie Klysmen, Suppositorien oder Irrigation (»Einlauf«) behandelt. Auch Toilettentraining kann ­hilfreich sein.

 

Beim trägen Darm kommen eher Laxan­tien zum Einsatz. Bei 10 bis 20 Prozent der chronisch Obstipierten reichen jedoch auch Allgemeinmaßnahmen wie Ballaststoffzufuhr und ausreichendes Trinken, so Frielings Erfahrung. Erste Wahl bei Laxantien sind laut der S2k-Leitlinie zur chronischen Obstipation (Stand 2013) Macrogol, Bisacodyl und Natriumpicosulfat. Zweite Wahl sind Zuckerstoffe wie Lactulose und Anthrachinone. Es gebe keine Daten, dass Laxantien bei regelgerechten Gebrauch schädlich sind. »Wenn Patienten auf ein Mittel gut ansprechen, sollte man es ihnen nicht wegnehmen.« Man könne auch kombinieren, zum Beispiel Laxantien und Klysmen in zeitlichem Abstand.

 

Wenn Kinder an chronischer Verstopfung litten, solle man sehr vorsichtig sein und die kleinen Patienten an einen gastroenterologisch versierten Pädiater verweisen, sagte Frieling. Bei akuten Problemen, zum Beispiel auf Reisen, reichten lokale Maßnahmen meistens aus.

 

Reichten diese Maßnahmen nicht, gebe es weitere Optionen, zum Beispiel den Serotonin-5HT4-Agonisten Prucaloprid. Das Prokinetikum lindere nicht nur Verstopfung, sondern auch viele Begleitbeschwerden. Auch das Sekretagogum Linaclotid lindere Obstipation, Schmerzen, Meteorismus und Distension (Überdehnungsgefühl im Darm) und sei ein Reservepräparat für Reizdarmpatienten. Als chirurgische Option nannte der Arzt die Sakralnervenstimulation, zum Beispiel bei anorektaler Inkontinenz. /

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