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Studentenwettbewerb

Schmerz im Fokus

17.10.2011  13:45 Uhr

Von Aline Rühtz / Im Rahmen des Novartis Consumer Health-Wettbewerbs »Schmerz im Fokus« stellten sich Pharmaziestudenten der Herausforderung, die komplexen Zusammenhänge der Schmerzbekämpfung leicht verständlich darzustellen. Ende September wurde die Siegergruppe an der Uni Mainz mit 5000 Euro Preisgeld geehrt.

Wer kann den Wirkmechanismus von Schmerzmitteln wie Diclofenac am besten verständlich machen und visualisieren? Das galt es für die Jury, bestehend aus Professor Dr. Carsten Culmsee von der Uni Marburg, Werner Schelken und Dr. Agnes Hug von Novartis Consumer Health, herauszufinden.

Der deutschlandweite Wettbewerb, der sich an alle interessierten Pharmaziestudenten richtete, setzte sich aus einem theoretischen und einem praktischen Teil zusammen. Im ersten Schritt bemühten sich die Teilnehmer, eine wissenschaftliche Ausarbeitung über die aktuelle Studienlage von nicht steroidalen Antirheumatika (NSAR) zu verfassen. Dabei beleuchteten sie vor allem den Wirkstoff Diclofenac und wie es diesem gelingt, sich vornehmlich im entzündeten Gewebe anzureichern. Außerdem sollte ein kreatives Konzept entwickelt werden, mit dem man beispielsweise einem Kunden in der Apotheke die Wirkweise von Analgetika verständlich machen könnte. Denn als Apotheker »bin ich nicht nur verantwortlich für das, was ich sage. Sondern vielmehr für das, was der andere versteht«, erklärte Schelken. Obwohl gerade dieser Aspekt die Beratungskompetenz des Apothekers ausmacht, lernt man während des Studiums kaum, wie man sein Lehrbuchwissen für die Praxis übersetzt. In der zweiten Runde hieß es dann »Wissenschaft leicht gemacht«: Das zuvor entwickelte Konzept musste in die Realität umgesetzt werden.

 

Studenten im Fokus

 

Die drei teilnehmenden Studentengruppen aus Mainz, Hamburg und Würzburg überzeugten die Jury davon, dass sich Pharmazie und Kreativität nicht ausschließen. Sie begeisterten mit ganz unterschiedlichen Ideen.

 

Der dritte Platz ging an die Projektgruppe der Universität Würzburg, bestehend aus David Gerberich, Georg Menacher, Alexander Schmitt, Franziska Schuster und Julia Wagner. Sie nahmen die Schmerzbekämpfung wörtlich und entschieden sich für eine Zeitreise in die Vergangenheit. Der Schmerz-Kampf wurde ausgefochten zwischen dem edlen Ritter »Diclofenac« und einem feuerspeienden Drachen, der die Entzündung verkörperte. Da ihnen jedoch ein einziges Bild für die komplizierten Zusammenhänge nicht ausreichend erschien, entstanden ein Comic und ein animierter Kurzfilm. Selbst chemische Vorgänge wie die pH-Wert-Verschiebung haben sie mithilfe von Zitronen veranschaulicht, die dem Ritter den Weg zum Ungeheuer erleichterten. Besonders die Kreativität der Würzburger beeindruckte die Jury.

 

Die zweitplazierten Hamburger Studentinnen Nadine Rudolph und Friederike Aschermann setzten die Aufgabe auf spielerische Art und Weise um. Ihre erste Idee war ein Daumenkino, das sich als Give-away für Apotheken eignen sollte. »Uns gefiel der Gedanke auf Anhieb, da es eine gewisse Interaktivität beinhaltet, indem der Betrachter es in die Hand nehmen und die Geschwindigkeit des Durchblätterns selbst bestimmen kann«, berichten die zwei Hamburgerinnen. Damit ihre Umsetzung auch für ein breiteres Publikum zugänglich ist, erweiterten sie es zu einer Art digitalem Daumenkino. Es entstand ein selbst gezeichneter »Stop-Motion-Clip«. In der Hauptrolle: die Entzündungsmediatoren als Panzerknacker. Als Nebendarsteller: der Hut-Träger Diclofenac. Dieser konnte nur mit Kopfbedeckung (protonierte Form) die Zelle am Entzündungsherd betreten. Da er seinen Hut im Inneren aber absetzen musste, gelang ihm der Rückweg nicht mehr (Ionenfallen-Prinzip).

Die glücklichen Gewinner aus Mainz legten »eine nahezu perfekte Filmanimation zu den Mechanismen der Entzündung und der Wirkung von Diclofenac vor. […] Die Darstellung des Sachverhaltes ist für ein informiertes Laienpublikum oder die Ausbildung/Information von pharmazeutischem Personal optimal gelungen«, begründet Culmsee die Jury-Entscheidung.

 

Theorie und Praxis vereinen

 

Verena Wünsch, Manuel Weinheimer und Lyudmil Tserovski konnten mit ihrem Animationsfilm am meisten überzeugen. Anhand eines Smileys mit rotem geschwollenem Daumen wurden die Ursachen für Schmerz bis in die kleinsten Zellbestandteile professionell dargestellt.

 

Das Projekt bot den Teilnehmern die einzigartige Möglichkeit, einmal aus dem starren Rahmen des Studienalltags auszubrechen und zu überprüfen, ob sie ihr Wissen auch auf einem untypischen Weg anwenden können. Nachdem der Pharmaziestudent erst im siebten und achten Semester in der Theorie lernt, wie und weshalb ein Schmerzmittel wirkt, muss er es in der Apotheke dem Kunden direkt kompetent vermitteln. Damit sind viele Pharmazeuten zu Beginn des Praktischen Jahres überfordert. Die Teilnehmer dieses Wettbewerbs werden sicherlich keine Probleme haben, ihren ersten Kunden optimal zum Thema Analgetika zu beraten.

 

Für das Unternehmen Novartis sei die Nachwuchsförderung ein sehr großes Anliegen und somit werden solche oder ähnliche Projekte auch in Zukunft wieder stattfinden, versicherte Britta Rösch, Mitverantwortliche des Wettbewerbs und Brand Managerin für die Marke Voltaren bei der Novartis Consumer Health. /

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