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Wundversorgung

Sauber halten

18.10.2011
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Von Annette Mende, Berlin / Chronische Wunden wie Ulcus cruris oder Dekubitus sind eine große Herausforderung für Ärzte und Pflegepersonal. Essenziell für den Heilungserfolg ist neben der Ursachenbeseitigung eine moderne Wundversorgung. Am Anfang steht dabei immer die Wundreinigung.

Jeder, der sich schon einmal in den Finger geschnitten hat, weiß, dass selbst kleine Wunden erstaunlich lange brauchen können, bis sie wieder verheilt sind. Dennoch schließt sich eine solche Schnittverletzung nach einer überschaubaren Zeit von selbst wieder, vorausgesetzt sie entzündet sich nicht. Ist jedoch eine Wunde zwölf Wochen nach ihrem Entstehen nicht abgeheilt und sind auch keine Heilungstendenzen erkennbar, spricht man von einer chronischen Wunde.

 

Durchblutung verbesern

 

Anders als akute Verletzungen entstehen chronische Wunden in der Regel nicht durch Fremdeinwirkung, sondern aufgrund von Durchblutungsstörungen. Beispiele für chronische Wunden sind das Wundliegen (Druckgeschwür, Dekubitus) und das offene Bein (Unterschenkelgeschwür, Ulcus cruris). Der mit Abstand häufigste Grund für ein Ulcus cruris ist eine chronisch-venöse Insuffizienz. Daneben kommen aber auch eine periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK), Diabetes mellitus, Gerinnungsstörungen oder Tumorerkrankungen als Verursacher infrage.

»Es gibt viele verschiedene Ursachen, die das gleiche klinische Bild erzeugen«, sagte Dr. Hendrik Altenkämper, niedergelassener Allgemeinarzt und Phlebologe aus Plettenberg, bei einer Veranstaltung der Firma Urgo in Berlin. Vor Behandlungsbeginn die richtige Diagnose zu stellen, sei daher essenziell. Denn die Versorgung der Wunde müsse immer mit einer kausalen Therapie der Grunderkrankung kombiniert werden.

 

State of the art in der Versorgung von chronischen Wunden ist heute die feuchte Wundbehandlung. Wo früher noch Farbstofflösungen mit Kristallviolett, Brillantgrün oder Ethacridinlactat zum Einsatz kamen, werden mittlerweile Alginate, Hydrogele, Distanzgitter, Hyperabsorber, Hydrokolloidverbände und absorbierende Schaumstoffe verwendet. Obsolet ist hingegen die Lokaltherapie mit Antibiotika wie Neomycin, Gentamicin, Nitrofural oder Tetracyclinen und Quecksilber-haltigen Lösungen wie Merbromin.

 

In einer chronischen Wunde finden sich nahezu immer abgestorbene oder infizierte Gewebsanteile sowie fibrinhaltige Wundbeläge. Diese stören die Mikrozirkulation und bereiten so den Boden für eine mögliche Entzündung. Die Reinigung der Wunde ist daher die erste Phase des Heilungsprozesses. »Nur eine saubere Wunde kann heilen«, betonte Altenkämper.

 

Totes Gewebe abtragen

 

Die schnellste Art der Wundreinigung ist die chirurgische. Dabei trägt der Arzt das nekrotische Gewebe mit dem Skalpell mechanisch ab. Bei der enzymatischen Wundreinigung setzt man Enzyme wie Streptokinase oder Strepto­dornase ein. Diese zersetzen Fibrinbeläge und Nekroseschichten, greifen aber die intakte Haut nicht an. Ziel der autolytischen Wundreinigung ist es, beispielsweise mithilfe von Hydrogelen ein physiologisches Wundmilieu zu schaffen und die Freisetzung körpereigener Enzyme wie Kollagenasen und Elastasen zu fördern.

 

Sehr effektiv, aber gewöhnungsbedürftig ist eine weitere Möglichkeit der Wundreinigung, die sogenannte Biochirurgie. Dabei werden Nekrosen auf einer Wunde durch den Einfluss von Proteasen aus dem Speichel der Goldfliegenmade entfernt. Die Maden werden dazu auf die Wunde gesetzt. Das gesunde Gewebe wird bei dieser Methode komplett geschont.

 

Mit UrgoClean® hat die Firma Urgo jetzt eine neue Wundauflage zur Versorgung fibrinöser, exsudierender Wunden in der Reinigungsphase auf den Markt gebracht. Sie besteht aus Polyacrylatfasern mit hoher Absorp­tionskapazität und ist als Kompresse zur Versorgung flacher sowie als Tamponade zur Versorgung tiefer und zerklüfteter Wunden erhältlich. Die Wundauflage bildet mit dem Wundsekret ein Gel. »Das führt dazu, dass die Verbandwechsel für den Patienten nahezu schmerzfrei sind«, sagte Altenkämper.

 

Vergleichsstudie gestartet

 

Das Polyacrylatgewebe leitet überschüssiges Sekret nach außen ab und verhindert so ein unerwünschtes Aufweichen der Wundränder. Ein Vorteil bei der Versorgung von blutigen Wunden sei zudem, dass die Wundauflage hämostatische Eigenschaften habe, so der Mediziner. Die Ergebnisse einer ersten klinischen Studie mit 50 Teilnehmern bescheinigen der Wundauflage gute Verträglichkeit und Akzeptanz. Nun soll laut Herstellerangaben ein direkter Vergleich mit dem Konkurrenzprodukt Aquacel folgen, das bereits seit Längerem auf dem Markt ist. / 

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