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Hexal

»Mit Biosimilars Milliarden sparen«

18.10.2011
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Von Daniel Rücker, Holzkirchen / Der deutsche Generikamarkt ist schon lange kein Vergnügungspark mehr. Schuld daran sind auch die Rabattverträge. Der Generikahersteller Hexal beteiligt sich daran bislang nicht und steht dennoch an der Spitze der Branche, sagt Vorstands-Chef Helmut Fabry. Doch vom Paradies ist man auch in Holzkirchen ein Stück entfernt.

PZ: Kann man heute noch profitabel Generika herstellen?

 

Fabry: Natürlich kann man das. Wir würden es sonst nicht tun. Man muss aber natürlich genau schauen, was man macht. Das tun wir.

 

PZ: Sind Sie denn mit der Entwicklung von Hexal zufrieden? In den vergangenen Monaten befanden sich Umsatz und Gewinn nicht unbedingt im Steilflug nach oben.

 

Fabry: Hexal ist weiterhin sehr erfolgreich und profitabel. Man muss seine Erwartungen an der Marktentwicklung und den Rahmenbedingungen orientieren. Wenn Sie das berücksichtigen, dann haben wir uns in einem schwierigen Markt gut entwickelt.

 

PZ: Womit kann man im Generikageschäft noch Geld verdienen?

Fabry: Wir wollen mit allen Präparaten verdienen, das ist doch selbstverständlich. In vielen Marktsegmenten ist der Wettbewerb groß und der Spielraum klein. Also suchen wir uns Präparate, die nicht jeder herstellen und vermarkten kann.

 

PZ: Sie meinen die Biosimilars?

 

Fabry: Die gehören in diese Gruppe. Die Entwicklung von Biosimilars ist sehr teuer und aufwendig. Das können kleine Generika-Unternehmen nicht. Dazu braucht man viel Know-how und ausreichend Investitionsmittel, um Forschung und Entwicklung zu finan- zieren.

 

PZ: Ist es dafür hilfreich, dass Hexal zu der großen Generikagruppe Sandoz gehört? Ist es für Sie einfacher, sich auf so aufwendige Neuentwicklungen zu konzentrieren?

 

Fabry: Hexal war immer schon ein innovatives Unternehmen. Heute sind wir eingebettet in ein globales Netzwerk. Das hat einen zusätzlichen Gewinn an Know-how, Kompetenz und Kapazität gebracht. Das bringt uns auch die entscheidenden Vorteile bei komplexen Produkten, in der Onkologie etwa oder bei Asthma/COPD. Hier kann das deutsche Gesundheitssystem einiges von uns erwarten.

 

PZ: Wie sieht Ihre Planung für die kommenden Jahre aus? Werden Sie Ihr Engagement bei Biosimilars weiter ausbauen?

 

Fabry: Ganz bestimmt. Nur muss auch der Markt attraktiv bleiben, und zwar in zweierlei Hinsicht: Man muss im klassischen Generikageschäft rentabel arbeiten können und in den Zukunftsmärkten muss ein fairer Wettbewerb möglich sein. Bis 2020 können mit Biosimilars etwas mehr als 8 Milliarden Euro gespart werden. Das wird aber nur gelingen, wenn die Anbieter unterstützt und nicht behindert werden.

 

PZ: Bislang nimmt Hexal nicht an Ausschreibungen für Wirkstoffverträge teil. Könnten Sie sich vorstellen, diese Strategie zu überdenken und so Ihren Umsatz zu steigern?

 

Fabry: Wir haben uns vor einigen Jahren entschlossen, nicht an Wirkstoffverträgen teilzunehmen, das stimmt. Wir haben darin keinen Sinn gesehen, weil es nicht nur auf den Umsatz ankommt. Wir müssen auch den Ertrag sehen. Die Entscheidung, hier nicht mitzumachen, war richtig. Die Ergebnisse, die wir erzielt haben, geben uns recht. Im Übrigen gehört auch 1A-Pharma zu unserer Unternehmensgruppe, die sich sehr erfolgreich an Wirkstoffausschreibungen beteiligt.

 

PZ: Können Sie sich diese Haltung auch in Zukunft noch leisten? Es gibt immer mehr Wirkstoffe unter Rabattvertrag. Abgesehen von Generika für die Selbstmedikation wird der Kuchen immer kleiner für Sie.

 

Fabry: Auch dann müssen wir uns immer fragen, ob wir mit dem Ergebnis, das uns Rabattarzneimittel bieten können, rentabel und vor allem nachhaltig wirtschaften können.

 

PZ: Schließen Sie also aus, dass Sie sich in den kommenden Jahren an Wirkstoffausschreibungen beteiligen?

 

Fabry: Ich habe gesagt, dass es in den vergangenen Jahren richtig war, keine Wirkstoffverträge abzuschließen. Strategien werden aber nicht in Stein gemeißelt, sondern immer wieder überprüft, ob sie noch richtig sind. Wenn sie nicht mehr stimmen, dann muss man sie ändern.

 

PZ: Dann werden Sie sich demnächst womöglich an Rabattverträgen beteiligen?

 

Fabry: Ich habe gesagt, dass Strategien regelmäßig überprüft werden. Das ist doch ein ganz normaler Vorgang.

 

PZ: Was hat sich bei Hexal geändert, seitdem Sie zu Novartis gehören?

 

Fabry: Zum einen die Einbettung in das globale Sandoz-Netzwerk; zum anderen die enge Allianz mit den anderen Divisionen, vor allem Novartis Pharma. Dieses Bündnis eröffnet uns neue Optionen im Markt: Wir können erstmals einen Blockbuster wie Valsartan bereits fünf Monate vor Patentablauf auf den Markt bringen.

 

PZ: Bislang haben wir vor allem über Hexal gesprochen. Welche Entwicklung sehen Sie denn generell für den Generikamarkt?

 

Fabry: Den einen Generikamarkt gibt es nicht mehr. Wir haben heute eine Dreiteilung: Es gibt einen Discount-Markt, in dem allein der Preis ausschlaggebend ist. Es gibt den Bereich der Markengenerika, bei dem qualitative Weiterentwicklung, Vertrauen in die Marke, starker Vertrieb entscheidend sind. Und es gibt den Markt der Spezialprodukte, mit hohen Anforderungen sowohl an die Entwicklung wie an die Vermarktung. Es wird nur wenige Unternehmen geben, die in allen drei Bereichen erfolgreich sein können. Wir sind so aufgestellt, aber für kleine und mittlere Unternehmen ist das nahezu unmöglich. Die Konzentration wird also weiter zunehmen.

 

PZ: Die Bundesregierung will das von Kassenärzten und Apothekern entwickelte Versorgungskonzept für chronisch Kranke erproben. Die Apotheker freut das. Die Arzneimittelhersteller reagieren darauf skeptisch bis ablehnend. Was halten Sie davon?

 

Fabry: Wenn Ärzte und Apotheker durch eine enge Zusammenarbeit eine höhere Patientencompliance erreichen wollen, ist das positiv. Ich bin aber überzeugt, dass die Beratungsleistung der Apotheker auch heute schon gut bis sehr gut ist. Das Problem bei der Compliance sind die Wirkstoff-Rabattverträge. Solange die existieren, bleiben die Möglichkeiten für Ärzte und Apotheker eingeschränkt.

 

PZ: Der Medikationskatalog ist keine Positivliste. Es werden keine Arzneimittel vom Markt ausgeschlossen. Was stört Sie an dem Konzept?

 

Fabry: Dass leichtfertig angekündigt wird, weitere rund zwei Milliarden Euro einsparen zu können, das stört mich. Wenn das so wäre, dann müssten Ärzte und Apotheker ja bislang in Sachen wirtschaftliche Arzneimittelversorgung schlecht gearbeitet haben. Das kann doch nicht sein. Warum heizen große Standesorganisationen den ohnehin starken Kostendruck, mit dem Ärzte, Apotheker und Hersteller zu kämpfen haben, noch weiter an? Das verstehe ich nicht.

 

PZ: Ärzte verordnen Wirkstoffe und Apotheker geben Arzneimittelpackungen ab, auf denen der Wirkstoffname größer geschrieben ist als der Markenname. Könnten Sie damit leben, dass Markennamen weniger wichtig sind als Wirkstoffnamen?

 

Fabry: Was soll das bringen? Arzneimitteltherapie hat ganz viel mit Vertrauen zu tun: Patienten vertrauen ihrem Arzt, sie vertrauen ihrem Apotheker, und sie vertrauen einer bekannten und starken Marke. Wenn Ärzte oder Apotheker starke und bekannte Marken schwächen würden, schadeten sie sich letztlich selbst. /

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