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Transplantation

Auszeichnung für Antikörper

18.10.2011  16:10 Uhr

Von Gudrun Heyn, Basel / Anfang des Jahres wurde in Deutschland erstmals ein polyklonaler Antikörper zur Graft versus Host Disease Prophylaxe in der Fremdspender-Stammzelltransplantation zugelassen. Das Präparat ATG-Fresenius S® wurde kürzlich mit dem MMW-Arzneimittelpreis 2011 gekürt.

Im Januar dieses Jahres erteilte das Paul-Ehrlich-Institut Hersteller Fresenius Biotech die Zulassung für den Einsatz seines polyklonalen Antikörpers in der Stammzelltransplantation. ATG-Fresenius S kann seitdem in der Indikation »Graft versus Host Disease (GvHD)-Prophylaxe bei Fremdspender-Stammzelltransplantation in Erwachsenen« eingesetzt werden.

Die GvHD gehört zu den schwersten Komplikationen einer Stammzelltransplantation. Dabei richten sich immunkompetente Zellen des Spenders gegen die fremden Antigene des Patienten. Organ- und Gewebeschädigungen mit teilweise chronischem Verlauf sowie hoher Morbidität und Mortalität sind die Folge. Eine adäquate Prophylaxe der GvHD ist daher eine wesentliche Voraussetzung für den erfolgreichen Verlauf einer Transplantation von hämatologischen Stammzellen, die von einem Fremdspender stammen (allogene SCT).

 

»ATG-Fresenius S unterdrückt durch spezifische Bindung an T-Lymphozyten die immunologische Abwehrreaktion und hat dadurch erfolgreiche Organtransplantationen erst möglich gemacht«, begründete Professor Dr. Hermann S. Füeßl vom Isar-Amper-Klinikum München-Ost die Entscheidung der Jury anlässlich der Preisverleihung in Basel.

 

Basis der Zulassung bildete eine randomisierte Studie mit 202 Leukämie-Patienten. Überprüft wurde der Stellenwert einer zusätzlichen Gabe von ATG-Fresenius zur Standard-GvHD-Prophylaxe mit Ciclosporin und Methotrexat. Die Ergebnisse zeigten eine signifikante Reduktion aller Formen der GvHD. So lag die Inzidenz für eine akute GvHD Grad III-IV in der Prüfgruppe bei 11,7 Prozent gegenüber 24,5 Prozent in der Kontrollgruppe. Die Rate der extensiven chronischen GvHD betrug 12,2 Prozent im Vergleich zu 42,6 Prozent im Kontrollarm. Auch die Chance des Überlebens ohne längerfristige Immunsuppression erhöhte sich durch Zugabe des Antikörpers deutlich. Vergleichbar bleiben das Rezidivrisiko, die therapieassoziierte Mortalität, das Gesamtüberleben sowie lebensbedrohliche infektiöse Komplikationen. / 

ATG-Fresenius s®

Der polyklonale Antikörper wird seit über 30 Jahren zur Behandlung und Prophylaxe akuter Abstoßungen in der Transplantation solider Organe (SOT) eingesetzt. Sein Wirkmechanismus, der primär auf aktivierte T-Zellen zielt, umfasst komplementvermittelte Zytolyse, Apop­tose-Induktion von T-Zellen und Antigen-präsentierenden Zellen. Ebenfalls wird ein direkter Anti-Tumor-Effekt bei verschiedenen hämatologischen Tumoren beschrieben.

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