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Stammzelltransplantation
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Den passenden Spender finden

Während es an Organ- und Blutspenden mangelt, steht Deutschland bei Stammzellspenden relativ gut da. »Wir finden mittlerweile eigentlich immer einen Spender«, erklärte kürzlich ein Experte bei einer Apothekerfortbildung.
AutorKontaktDaniela Hüttemann
Datum 30.04.2026  12:00 Uhr

Bei Aufrufen für Stammzellspenden denken viele erst einmal an Kinder mit Leukämie. Die mit Abstand am häufigste Indikation sei jedoch die akute myeloische Leukämie (AML), gefolgt von myelodysplastischen Myelomen (MDS) – und das seien eher Erkrankungen, die bei älteren Menschen vorkommen, erklärte der Blutkrebsspezialist Professor Dr. Friedrich Stölzel vergangenes Wochenende beim Fortbildungskongress der Apothekerkammer Schleswig-Holstein in Neumünster.

Insgesamt stehe Deutschland mit mehreren Datenbanken gut da, so der Sektionsleiter für Stammzelltransplanation und zelluläre Immuntherapie am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein in Kiel. Angesichts der demografischen Entwicklung brauche es trotzdem weiterhin neue Spender, die sich registrieren, auch weil bei den Spendern die Altersgrenze für eine Fremdspende (also an Nichtverwandte) bei 60 Jahren liegt.

Fremdspende: HLA-idente Geschwister bevorzugt

Mittlerweile finde man für 70 bis 80 Prozent der Patienten einen passenden Fremdspender, für die sogenannte allogene Stammzelltransplantation. Bevorzugt würde ein HLA-identes Geschwister. HLA steht für humane Leukozyten-Antigene, also individuelle Proteinstrukturen auf der Oberfläche der weißen Blutzellen. Gibt es keine (spendenbereiten) passenden Geschwister, wird zunächst ein HLA-kompatibler nicht verwandter Spender über die Datenbanken gesucht.

Wird niemand gefunden, ist mittlerweile auch eine Spende durch haploidente Verwandte möglich. Die eigenen Eltern oder Kinder, die immer mindestens 50 Prozent der eigenen Gene tragen, gelten als 100 Prozent haploident, bei Geschwistern liegt die Chance bei 50 Prozent, eventuell kommen auch Tanten, Onkel und Cousins und Cousinen infrage. »Das ging bis vor 15 Jahren nicht«, so Stölzel. Als letzte Möglichkeit bleibt, partiell kompatibles Nabelschnurblut aus entsprechenden Spendenbanken anzufordern. »Wir finden mittlerweile aber eigentlich immer einen Spender.«

Bei persönlichen Spendensuchaktionen im Umfeld sei es dagegen schon ein absoluter Glückstreffer, einen passenden Fremdspender zu finden – die Chance liegt nur bei 1 zu mehreren Millionen. Dies könne höchstens in Communitys mit Migrationshintergrund eine Rolle spielen, bei denen die Spenderdatenbanken der Herkunftsländer schlecht aufgestellt sind. Stölzel warb dafür, sich bei einer der bekannten Datenbanken typisieren zu lassen. Er befürwortete es ausdrücklich, wenn auch Apotheken hierfür werben würden.

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