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Augenoperation

Antikoagulation absetzen oder nicht?

07.10.2015
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Von Christina Müller, Berlin / In welchen Fällen und wie lange vor einer OP blutgerinnungshemmende Medikamente abzusetzen sind, sorgt unter Chirurgen regelmäßig für Diskussionen. Dem Blutungsrisiko steht immer auch die Gefahr eines thrombotischen Ereignisses gegenüber. Für lokale Eingriffe am Auge gibt ein Experte Entwarnung.

Augenärzte können Patienten, die blutgerinnungshemmende Arzneimittel wie Vitamin-K-Antagonisten einnehmen, in der Regel operieren, ohne das Antikoagulans abzusetzen. Dieses Fazit zog Professor Dr. Nicolas Feltgen von der Augenklinik der Universität Göttingen auf dem Kongress der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft in Berlin.

Bei Augenoperationen besteht laut Feltgen – auch aufgrund der oft kurzen Dauer des Eingriffs von unter einer Stunde – häufig nur ein geringes Blutungsrisiko. Das Absetzen von Vitamin-K-Antagonisten gehe jedoch mit einem um bis zu 6 Prozent erhöhten Risiko für eine Embolie einher. Das gelte auch im Fall des temporären Einsatzes von Heparin, des sogenannten Bridgens. Zudem gebe es keine Studiendaten zu der Frage, bei welchen Blutgerinnungs­werten eine Operation sicher sei.

 

Feltgen forderte die Kollegen auf, sich diesbezüglich um eine verbesserte interdisziplinäre Kommunikation zu bemühen. »Fragen Sie den Hausarzt nach den Gründen für den Einsatz des Gerinnungshemmers«, sagte er. Gerade bei Patienten mit Vorhofflimmern sei ein Unterbrechen der Therapie möglichst zu vermeiden. Oft könne der Chirurg in Abstimmung mit dem Allgemeinmediziner planbare Eingriffe auf einen Zeitpunkt verschieben, zu dem keine Antikoagulation mehr erforderlich sei.

 

Im Zweifelsfall, so Feltgen, sollten Augenärzte auf das Absetzen von Gerinnungshemmern verzichten. Er verwies darauf, dass Kardiologen eine Therapieunterbrechung hauptsächlich bei Eingriffen mit hohem Blutungsrisiko, wie Hüftoperationen, empfehlen. In der Ophthalmologie sei dies nur selten erforderlich. Dennoch gebe es Ausnahmen. Daher wollte Feltgen seinen Vortrag als Denkanstoß und nicht als allgemein gültige Handlungsanweisung verstanden wissen: »Letztlich entscheidet immer der Operateur«. /

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