Pharmazeutische Zeitung online
Präventionsstudie

Apotheker als Lotsen

09.10.2012  16:02 Uhr

Von Brigitte M. Gensthaler / Kann die intensive pharmazeutische Begleitung eines Menschen mit erhöhtem Diabetesrisiko die Risikofaktoren reduzieren? Dies soll eine neue Studie des WIPIG – Wissenschaftliches Institut für Prävention im Gesundheitswesen klären.

Am 1. Oktober fiel der Startschuss für »GLICEMIA«, laut WIPIG die erste Diabetes-Präventionsstudie in öffentlichen Apotheken. Am Start sind 42 Apotheken in ganz Bayern. Jede soll 30 bis 35 Teilnehmer rekrutieren und ein Jahr lang begleiten. Auf das Ergebnis sind die wissenschaftliche Leiterin der Studie, Professor Dr. Kristina Leuner aus Erlangen, und ihre Doktorandin Karin Schmiedel heute schon gespannt.

 

Erkennen und beraten

 

Die prospektive randomisierte kontrollierte Studie verfolge zwei Ziele, erklärt Leuner gegenüber der Pharmazeutischen Zeitung. »Zum einen wollen wir überprüfen, ob Risikopersonen, die möglicherweise in den nächsten Jahren einen Typ-2-Diabetes entwickeln, in der öffentlichen Apotheke erkannt werden können. Zum anderen wollen wir klären, ob eine intensive Betreuung dieser Personen durch ihren Apotheker mit einem verminderten Risiko für eine Neuerkrankung assoziiert ist.«

Die Studienapotheker sprechen Kunden ab 35 Jahren an, die ein potenzielles Risiko für einen Diabetes, aber keine manifeste Erkrankung haben. Das Risiko wird mithilfe des Findrisk-Fragebogens erhoben; zudem misst das Apothekenteam Blutdruck und Blutzucker und befragt die Teilnehmer nach ihrer Lebensqualität. Wer durch eine hohe Risikopunktzahl auffällt, dem empfiehlt die Apotheke, zum Arzt zu gehen.

 

Um den Effekt der persönlichen gezielten Betreuung zu ermitteln, informiert die Hälfte der Apotheken (Kontrollgruppe) die Studienteilnehmer nur allgemein über richtige Ernährung und Bewegung, während die andere Hälfte eine individuelle Begleitung und fünf Vorträge in der Apotheke anbietet. Zudem werden persönliche Präventionsziele vereinbart und in einem Präventionspass notiert. »Maßnahmen der Teilnehmer können beispielsweise Bewegungssteigerung, Gewichtsreduktion oder Raucherentwöhnung sein«, sagt Leuner. Am Ende sollten sie ein »Wohlfühlgewicht« erreicht haben und es gewohnt sein, sich im Alltag möglichst viel zu bewegen.

 

Nach sechs und zwölf Monaten kommen alle Teilnehmer zu einer erneuten Datenerhebung in die Apotheken. Kunden, die durch ein erhöhtes Risiko auffallen, verweisen die Kollegen immer umgehend an einen Arzt.

 

In der Prävention begleiten

 

Die Apotheker könnten mit dieser Studie ihren Mehrwert für das Gesundheitswesen zeigen, betont Leuner. Bislang sei es in der Bevölkerung relativ wenig bekannt, dass man dem Typ-2-Diabetes vorbeugen kann. »Dass die Apotheken hierzu eine Studie durchführen, macht schon einige neugierig«, sagt die Professorin. Häufig fehle den Menschen einfach die Unterstützung, denn viele würden gerne abnehmen und sich mehr bewegen. Mit professioneller Begleitung und in einer Gruppe gelinge dies leichter. »Die Stärke der Apotheken ist ganz klar: Wenn Probleme oder Fragen auftauchen, können sich die Teilnehmer vertrauensvoll an ihren Apotheker wenden.«

 

Leuner lobt das Engagement der Kollegen. »Ich bin stolz darauf, dass wir so viele motivierte Kolleginnen und Kollegen finden konnten, die mit uns in der Diabetes-Prävention aktiv werden. Sie sind bereit, einen nicht unerheblichen Dokumentationsaufwand zu leisten, um valide Zahlen zu liefern.«

 

Dass dies dringend nötig ist, unterstreicht WIPIG-Geschäftsführer Dr. Helmut Schlager im Gespräch mit der PZ. Die hochgesteckten Ziele der Diabetesvorbeugung seien noch lange nicht erreicht. »Prävention ist eine Aufgabe für alle und die müssen wir gemeinsam anpacken.« Er wolle die Apotheker als »Präventionslotsen« im Gesundheitswesen verankern. Ein wichtiger Baustein dazu sei die GLICEMIA-Studie.

 

Für diese große bayernweite Präventionsstudie hat das WIPIG zahlreiche namhafte Kooperationspartner gefunden. Dies sind die Initiative Gesund.Leben.Bayern des Bayerischen Gesundheitsministeriums (lesen Sie dazu auch Glicemia-Studie: Diabetes-Prävention in der Apotheke), der BKK-Landesverband Bayern, die Dr.-August-und-Dr.-Anni-Lesmüller-Stiftung, die Förderinitiative Prävention, die Diabetes-Stiftung DDS, das Zentrallaboratorium Deutscher Apotheker, die Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg und die Bayerische Landesapothekerkammer. /

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