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Drogerien

Kampf um den Gesundheitsmarkt

11.10.2011  12:18 Uhr

Von Guido Michels / Drogeriemärkte wagen sich immer weiter in den Markt der Apotheken hinein. Auf der anderen Seite positionieren sich manche Apothekenkonzepte bewusst in Richtung der Drogisten. Der Wettbewerb untereinander wächst.

Zurzeit gibt es in Deutschland geschätzte 15 000 Drogeriemärkte. Allein der Marktführer Schlecker betreibt rund 10 000 Filialen – damit hat jede zweite Apotheke einen Schlecker-Markt in der Nähe. Aber im Gegensatz zu den Apotheken steigt die Filialzahl aller Märkte laufend an – wohl auch noch in den kommenden Jahren.

Im Bereich der Freiwahl konkurrieren Apotheken und Drogerien schon länger. Sortimente wie Kosmetik, Nahrungsergänzung, Zahnpflege, Mutter und Kind sind in beiden Geschäften zu finden. So werden zum Beispiel 40 Prozent der Nahrungsergänzungsmittel in der Apotheke gekauft, die Drogerien folgen jedoch mit 28 Prozent Marktanteil auf Platz zwei. Wie das untere Balkendiagramm zeigt, setzen Schlecker und Co. dabei auf das preisgünstige Segment, während in den Apotheken die höherwertigen – und damit teureren – Marken geführt werden.

 

Drogisten schielen aufs Apothekensortiment

 

Somit ist die Qualität der Ware und das Angebot der Beratung immer noch der entscheidende Unterschied zwischen Apotheke und Drogerie. Doch diese Barriere bricht immer weiter auf. Für die Drogerie sind Produkte aus der Apotheke beziehungsweise aus dem Bereich Gesundheit attraktiv. Müller wirbt zum Beispiel auf der Homepage offensiv mit apothekenexklusiven Produkten, auch in den Filialen anderer Händler taucht immer wieder Ware auf, die eigentlich nur für die Apotheke bestimmt ist. Außerdem arbeitet inzwischen jede große Drogeriekette mit einer Partner-Apotheke zusammen.

Umsatz 2010 (Mrd. Euro) Filialen in Deutschland Internet-Shop Partner-Apotheke
Schlecker 6,55 10 000 ja Vitalsana
dm 5,65 1185 nein Europa-Apotheek
Rossmann 4,60 1580 ja DocMorris
Müller 3,00 478 nein mycare
Budnikowski 0,33 150 nein Budni Partner-Apotheken

Quelle: Angaben der Unternehmen, eigene Recherche; Umsatz und Filialzahl näherungsweise

Schlecker und dm setzen dabei auf ein Pick-up-System. In den Märkten kann man Apothekenbestellungen aufgeben und später abholen.

 

Kooperation mit Versandapotheken

 

Schlecker hat dazu die Vitalsana-Versandapotheke gegründet, dm kooperiert mit der holländischen Europa-Apotheek. Rossmann und Müller bieten zwar kein Pick-up in den Geschäften an, jedoch haben beide eine Versandapotheke als Kooperationspartner. So liegen Prospekte von DocMorris in den Rossmann-Märkten aus. Darüber hinaus gibt es einen Fünf-Euro-Gutschein für den ersten Einkauf. Müller-Kunden kaufen bei mycare versandkostenfrei ein und nehmen an einem Bonusprogramm teil.

 

Budnikowski wirbt um Apotheken als Partner

 

Die Hamburger Drogeriekette Budnikowski geht einen dritten Weg: Stationäre Apotheken können zur Budni-Partner-Apotheke werden. Neben dem Namen der Drogeriekette führen diese Apotheken auch die Bonuskarte von Budnikowski. Somit werden die Drogeriemärkte immer mehr zur Konkurrenz für die Offizin-Apotheke. Manche Apotheken versuchen dem entgegenzutreten, indem sie selbst die Verhaltensweisen der Drogisten kopieren. So ist zum Beispiel in einer Easy-Apotheke die Einrichtung und Sortimentsauswahl teilweise stark an die Drogeriemärkte angelehnt. Und das von dm eingeführte Pick-up-Modell wird inzwischen auch in inhabergeführten Apotheken kopiert.

 

Wer sich abgrenzen will, der muss die Unterschiede zwischen Apotheke und Drogerie herausstellen. Und die liegen in der persönlichen und kompetenten Beratung sowie in den exklusiven, hochwertigen Sortimenten. Wer diese Gegensätze bewusst in den Vordergrund stellt, kann sich abgrenzen und so dem Wettbewerb aus dem Weg gehen. /

Diplom-Ökonom Guido Michels ist Mitarbeiter der Betriebswirtschaftlichen Abteilung der Treuhand Hannover GmbH Steuerberatungsgesellschaft, Hildesheimer Straße 271, 30519 Hannover, Telefon 0511 83390-0, www.treuhand-hannover.de

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