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Hermann Kunz-Krause

Sächsischer Pharmazie-Professor

04.10.2011
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Von Christoph Friedrich und Susi Müller, Marburg / Vor 150 Jahren wurde Hermann Kunz-Krause (1861 bis 1936) geboren, der als Hochschullehrer fast 25 Jahre die pharmazeutisch-chemische Ausbildung an der Tierärztlichen Hochschule in Dresden leitete. Einen Namen machte er sich sowohl mit Arbeiten zur Alkaloidchemie als auch mit Untersuchungen zum Arzneibuch, zur Galenik und mit Werken zur Gesetzeskunde.

Johann Wilhelm Hermann Kunz wurde am 5. Oktober 1861 in Leipzig geboren. Er besuchte bis 1877 das St. Thomas Gymnasium seiner Heimatstadt und begann danach in der zehn Jahre zuvor eröffneten Schloss-Apotheke Plauen seine Lehre bei Apotheker Theodor Pallmann. Ab 1880 konditionierte er bei Richard Krause in der Ranstädter Apotheke Leipzig und arbeitete 1881/82 in der Schweiz in Luzern, Vallorbe und Genf. Danach war er nochmals für ein halbes Jahr in der Ranstädter Apotheke Leipzig als Gehilfe tätig (1,2).

Im Sommersemester 1883 begann Kunz an der Universität Leipzig das Studium der Pharmazie. Seine Lehrer waren hier Gustav Wiedemann (1826 bis 1899), der Entdecker des Biurets, und Christoph Heinrich Hirzel (1828 bis 1908) (3), der zu den ersten Apothekern gehört, die an der Universität in Leipzig lehrten (4). Bereits 1883 wurde Kunz Assistent am Pharmakologischen Institut bei Professor Justus Radius (1797 bis 1884) und nach dessen Tod bei Rudolf Boehm (1844 bis 1926). Ein Jahr später bestand er das Staatsexamen und war noch bis zum Ende des Sommersemesters 1886 im Pharmakologischen Institut tätig. 1886 wurde er mit einer Arbeit über die chemischen Bestandteile der Atropa Belladonna und des Extractum Belladonnae an der Universität Freiburg zum Dr. phil. promoviert (5), da dies in Leipzig ohne Abitur nicht möglich war.

 

Von der Schweiz nach Dresden

 

Anschließend arbeitete er in der Schweiz in der Apotheke in Fontaines und übernahm danach die Verwaltung der Matthey‘schen Apotheke in Neuchâtel (6). 1887 wurde er Assistent der Agriculturchemischen Untersuchungsstation des Züricher Polytechnikums und noch im gleichen Jahr am Chemischen Institut der École de Pharmacie Lausanne, die 1891 der Universität angeschlossen wurde. Am Department de L’Instruction publique et de cultures erfolgte 1888 seine Ernennung zum Professeur agrégé und ein Jahr später zum Professor mit Lehrauftrag für Angewandte und Pharmazeutische Chemie (1).

1892 heiratete er die Tochter seines früheren Prinzipals in der Löwen-Apotheke Freiberg, Hermann Krause, wobei er nun einen Doppelnamen annahm. Seine Frau schenkte ihm zwei Söhne (7) und verfolgte seine Vorträge mit großem Interesse.

 

1899 trat Kunz-Krause die Nachfolge von Ewald Geissler (1848 bis 1898) als Professor und Direktor des Chemischen Institutes der Tierärztlichen Hochschule in Dresden an. Während Geissler noch zusätzlich die dortige Apotheke geleitet hatte, erfolgte nun eine Trennung zwischen Apothekenleitung und Lehramt. Gleichzeitig wurde Kunz-Krause zum Apothekenprüfer bestellt (1). Er visitierte auch die Hirsch-Apotheke Dresden, die durch kriminelle Machenschaften des Apothekers Carl Thiele und des Handlungsgehilfen Max Breitkopf 1921 zu zweifelhaftem Ruhm gelangte. Thiele musste sich wegen ungenehmigten Lebensmittelhandels vor Gericht verantworten, weil er über Breitkopf für Arzneizwecke bestimmten Zucker als teures Lebensmittel verkauft hatte (8).

 

1903 avancierte Hermann Kunz-Krause an der Tierärztlichen Hochschule Dresden zum ordentlichen Professor. Ein Jahr später wurde er außerordentliches und 1907 ordentliches Mitglied der Technischen Deputation des Sächsischen Ministeriums des Inneren. Ab 1907 gehörte er dem Landes-Medizinalkollegium an, aus dem später das Landesgesundheitsamt hervorging. 1916 erfolgte seine Ehrenpromotion zum Dr. med. vet. h. c. an der Medizinischen Fakultät der Universität Leipzig. Drei Jahre später wurde er zum Mitglied des Reichsgesundheitsamtes gewählt (1).

 

1923 zog die Tierärztliche Hochschule von Dresden nach Leipzig um, wo sie nun als Veterinärmedizinische Fakultät der Universität Leipzig existierte, und Kunz-Krause wurde emeritiert. Im Frühjahr 1925 erkrankte er schwer, weshalb er von allen Ämtern zurücktrat.

 

Wissenschaftliches Werk

 

Hermann Kunz-Krause veröffentlichte über 120 Zeitschriftenaufsätze sowie acht Bücher, davon allein vier Bände seines Werkes »Die Apothekengesetzgebung im Königreich Sachsen«, von dem der erste 1908 erschien. Neben seiner Dissertation beschäftigt sich auch die von ihm angefertigte Übersetzung eines Buches von Icillio Guareschi mit der Alkaloidchemie (9). Ein weiteres Werk ist dem Sammeln und Trocknen von Pflanzen gewidmet (10). Bereits in der Schweiz wandte sich Kunz-Krause der Phytochemie zu, insgesamt erschienen 27 Publikationen zu diesem Thema, die sich Alkaloiden wie Emetin oder Morphin, Gerbstoffen und Senfölen widmen, wobei auch Methoden der Konstitutionsermittlung und Nachweisreaktionen im Mittelpunkt stehen. Bemerkenswert ist, dass ein großer Teil – 43 Publikationen – galenische Fragen behandelt, obwohl dieses Gebiet zu jener Zeit noch kein Hochschulfach war, sondern als Handwerk galt.

Kunz-Krause beschäftigte sich sowohl mit der Herstellung als auch der Prüfung von Arzneiformen, entwickelte Geräte und bewertete Abgabegefäße. Er veröffentlichte einen großen Teil dieser Studien unter dem Titel »Wissenschaftliche Beiträge zur praktischen Pharmazie« in der Apothekerzeitung, um damit die Adressaten konkret anzusprechen. Auch zu chemischen Fragen wie den Salzen der Gallipharsäure sowie zu analytischen Nachweisreaktionen erschienen insgesamt 24 Aufsätze. 1891 empfahl Kunz-Krause den Ersatz von Schwefelwasserstoffwasser durch Natriummonosulfid, ein Vorschlag, der in das DAB 6 übernommen wurde. 1897 wies er als Erster auf die Bedeutung der Kapillar-Analyse für die Untersuchung von Extrakten und Tinkturen hin (7).Neben vier toxikologischen Beiträgen veröffentlichte Kunz-Krause sogar acht pharmaziehistorische Studien, in denen er die Geschichte der Apothekerausbildung, das Wirken bedeutender Wissenschaftler und die Apothekengeschichte untersuchte (11). Schließlich wirkte Kunz-Krause auch als Schriftleiter der von der Firma Gehe herausgegebenen »Pharmazeutischen Nachrichten aus Wissenschaft und Praxis« (1).

 

Resümee

 

Im Unterschied zu den an pharmazeutischen Instituten wirkenden Hochschullehrern ist Kunz-Krause weniger bekannt, da er überwiegend Veterinärmediziner unterrichtete. Bedenkt man aber, dass Tierärzte bis heute das Dispensierrecht besitzen und damals in ihrer Hausapotheke häufig Arzneimittel herstellten, kann der Unterricht an dieser Hochschule durchaus als eine wichtige pharmazeutische Aufgabe angesehen werden. Wie Rudolf Schmitz ausführt, bestand in Dresden zudem die Möglichkeit, Pharmazeuten auszubilden, wenngleich es dafür keine einheitliche Organisation gab (12).

 

Kunz-Krause verfasste zwar ein beachtliches wissenschaftliches Werk, die Bekanntheit eines Johannes Gadamer (1867 bis 1928) oder Hermann Thoms (1859 bis 1931) vermochte er dennoch nicht zu erreichen, obwohl viele seiner Arbeiten vor allem für praktische Apotheker bestimmt waren. Mit diesen Beiträgen zählt er indes zu den Wegbereitern der Pharmazeutischen Technologie, die ja in Dresden auch mit Eugen Dieterich (1840 bis 1904) einen der wichtigsten Vorläufer besaß. Schließlich zählt Kunz-Krause auch zu den Hochschullehrern, die sich bereits mit Fragen der Gesetzeskunde beschäftigten. /

Quellen und Literatur

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O. A., Geheimer Medizinalrat Dr. phil Dr. med. vet. h. c. Hermann Kunz-Krause. In: Apotheker Zeitung 42 (1927), S. 387.

G. Arends, Hermann Kunz-Krause zum goldenen Berufsjubiläum. In: Pharm. Ztg. 72 (1927), S. 384.

Verzeichnis der im Sommer-Halbjahre 1883 auf der Universität Leipzig zu haltenden Vorlesungen. Leipzig 1883.

Ch. Friedrich, Apotheker als Hochschullehrer an der Universität Leipzig. In: Stadt und Universität Leipzig – Beiträge zu einer 600-jährigen wechselvollen Geschichte. Leipzig 2010, S. 282.

H. Kunz, Beiträge zur Kenntnis der chemischen Bestandteile der Atropa Belladonna und des Extractum Belladonnae. Freiburg 1886.

G. Schramm, Hermann Kunz-Krause (1861–1936) und seine »Einführung in das Studium der Alkaloide«. In: Beiträge zur Geschichte der Pharmazie 40 (1988), S. 37f.

C. Schnabel, Hermann Kunz-Krause. In: Apotheker-Zeitung 51 (1936), S. 268f.

H. Goldschei, Pharmaziegeschichte Dresdens. Dresden 1996, S. 101f.

H. Kunz-Krause (Hrsg.), Einführung in das Studium der Alkaloide mit besonderer Berücksichtigung der vegetabilischen Alkaloide und der Ptomaine [deutsch nach Guareschi, Icilio: Introduzione allso studio degli alcaloidi. Turin 1892]. Berlin 1896.

H. Kunz-Krause, Der Kräutersammler – Anleitung zum Sammeln und Trocknen von Arznei-, Gewürz- und sonstige Gebrauchspflanzen. Dresden 1924.

H. Kunz-Krause, Festschrift zum 350-jährigen Jubiläum der Stadt-Apotheke zum Löwen zu Pirna 1928. Pirna 1928.

R. Schmitz, Die deutschen pharmazeutisch-chemischen Hochschulinstitute. Ingelheim am Rhein 1969, S. 94f.

 

Herrn Professor Dr. Thorsten Beyrich zum runden Geburtstag gewidmet.

Verfasser:

Professor Dr. Christoph Friedrich, Institut für Geschichte der Pharmazie, Roter Graben 10, 35032 Marburg. ch.friedrich(at)staff.uni-marburg.de

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