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Studie

Echinacin bei Atemwegserkrankungen

04.10.2011
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Von Mike Kämmerer, Matthias Oberst, Monika Wolter und Simone Nüdling / In einer nicht interventionellen Studie des Herstellers Rottapharm/Madaus erwies sich Echinacin® Liquidum als wirksam und sicher in der täglichen Praxis der Behandlung von Erkältungssymptomen im Frühstadium.

Mit Herbst und Winter beginnt auch die Erkältungssaison, und jeder zweite Arztbesuch erfolgt wegen eines akuten Infekts der oberen Atemwege. Obwohl selbstlimitierend, kann er nicht oder nicht adäquat therapiert zu Bronchitis, Sinusitis oder Mittelohrentzündung führen. Nachfolgende bakterielle Sekundärinfektionen können weitere Komplikationen bis hin zu Pneumonie oder Chronifizierung mit rezidivierenden oder permanenten Symptomen zur Folge haben. Umso wichtiger ist es, Erkältungen nicht zu bagatellisieren, sondern deren rasche und vollständige Ausheilung zu unterstützen.

Infekte der oberen Atemwege werden zunehmend durch Selbstmedikation behandelt. Für die meisten Patienten ist daher der Apotheker die erste Anlaufstelle.

 

Häufig wird zunächst auf pflanzliche Arzneimittel zurückgegriffen. Mit Echinacin Liquidum Madaus steht ein rein pflanzliches Produkt zur Steigerung der körpereigenen Abwehrkräfte auf natürlicher Basis zur Verfügung. Bereits die Ureinwohner Nordamerikas nutzten die Heilkraft von Echinacea bei Husten, Halsschmerzen, Schlangenbissen und als Analgetikum (Smith HH. Bull Pub Museum Milwaukee 1928;4, Seiten 175-326. Bauer R et al., eds. Echinacea. Stuttgart, Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft 1990, Seiten 9-21). Der Presssaft aus Purpursonnenhutkraut (Echinacea purpurea) wirkt als unspezifisches Immunstimulans. Er aktiviert Monozyten und Makrophagen, steigert die Phagozytose und die Freisetzung von Zytokinen. Dadurch wird eine Vermehrung immunkompetenter Zellen herbeigeführt, der Properdinspiegel wird erhöht und die Hyaluronidase gehemmt. Insgesamt führt dies zu einer Stärkung der körpereigenen Abwehr. Für die antivirale Wirkung sind vor allem die oberen Pflanzenteile von Echinacea purpurea verantwortlich, in denen verschiedene antiviral aktive Bestandteile nachgewiesen wurden (Vimalanathan S et al., Pharmaceutical Biology 2005;43, Seiten 740-745).

PZ-Originalia

In der Rubrik Originalia werden wissen­schaftliche Untersuchungen und Studien veröffentlicht. Eingereichte Beiträge sollten in der Regel den Umfang von zwei Druckseiten nicht überschreiten und per E-Mail geschickt werden. Die PZ behält sich vor, eingereichte Manuskripte abzulehnen. Die veröffentlichten Beiträge geben nicht grundsätzlich die Meinung der Redaktion wieder.

Mehrere klinische Studien belegten die klinische Effektivität von Echinacin bei chronisch-rezidivierenden Atemwegsinfektionen (Hoheisel O et al., Eur J Clin Res 1997;9, Seiten 261-269, Schulten B et al., Arzneim-Forsch/Drug Res 2001;51, Seiten 563-568, Shah SA et al., Lancet Infect Dis 2007;7, Seiten 473-480). Durch die Stimulierung des unspezifischen Immunsystems können Schweregrad und Dauer von grippalen Infekten signifikant verringert werden.

 

Ziel der vorliegenden Beobachtungsstudie war es, umfassende Erkenntnisse zur Wirksamkeit von Echinacin Liquidum Madaus unter Alltagsbedingungen bei einem großen Patientenkollektiv mit Erkältungssymptomen im Frühstadium zu gewinnen. Insbesondere sollten der Verlauf einer Erkältungskrankheit und die Compliance im Rahmen der Selbstmedikation nach Beratung durch den Apotheker evaluiert werden.

 

Studiendesign

 

Die Studie wurde als offene, prospektive nicht interventionelle Beobachtungsstudie (NIS) gemäß §§ 4 Abs. 23, Satz 3 und 67 Abs. 6 AMG in 67 Apotheken in ganz Deutschland durchgeführt. Von November 2009 bis April 2010 nahmen 292 Anwender von Echinacin Liquidum teil. Die Patienten mussten mindestens 18 Jahre alt sein, die Einverständniserklärung unterschrieben haben, eine akute wiederkehrende Erkältungssymptomatik im Frühstadium aufweisen, unabhängig von dieser Studie die Entscheidung getroffen haben, das Präparat Echinacin Liquidum Madaus zu erwerben, und sie durften keine Kontraindikationen gemäß Fachinformation aufweisen sowie innerhalb der letzten drei Wochen kein Echinacin Liquidum Madaus eingenommen haben.

 

Die Teilnehmer wurden vom Apotheker konsekutiv aus seinem Kundenpool ohne zusätzliche Selektion ausgewählt und informiert. Nach schriftlicher Einwilligung wurde anhand standardisierter Patientenerhebungsbögen die Ausgangssituation (demografische und anamnestische Daten, Symptomatik) dokumentiert. Nach der Einnahmeperiode erfolgte die Beurteilung des Therapieverlaufes nach 10 bis maximal 14 Tagen. In einem Tagebuch erfassten die Anwender täglich die Symptomatik.

Demografische Daten und anamnestische Daten

Parameter (n=235) n (Prozent)
Geschlecht
weiblich 168 (71,5)
Alter (Durchschnitt, Standardabweichung) 40,3 ± 14,8
Median (Range) 39 (18-83)
Anzahl Erkältungsepisoden pro Jahr (Durchschnitt, Standardabweichung) 2,5 ± 1,5
Median (Range) 2 (0-8)
Lebensstil
Raucher 47 (20,0)
gesunde Ernährung 186 (79,1)
sportlich aktiv 130 (55,3)
Grippeschutzimpfung 44 (18,7)
Begleitmedikation
Schmerzmittel 65 (27,7)
Vitamin-/Mineralstoffpräparate 61 (26,0)
Expektoranzien 44 (18,7)
Antitussiva 14 (6,0)
Antibiotika 8 (3,4)
Asthma-Präparate 5 (2,1)

Die Studie wurde unter Einhaltung von international anerkannten Qualitätssicherungsstandards (SOPs) durch ein unabhängiges Institut durchgeführt. Die statistische Auswertung erfolgte anhand von epidemiologischen/ deskriptiven Methoden.

 

Ergebnisse

 

Insgesamt lagen 292 auswertbare Dokumentationen vor. 57 Patienten wurden von der Auswertung ausgeschlossen, da sie die Selektionskriterien nicht erfüllten: Ein Patient war jünger als 18 Jahre, bei 56 Patienten bestanden die Erkältungssymptome länger als zwei Tage. Somit gingen 235 Patienten in die Auswertungsanalyse ein. In der Sicherheitsanalyse wurden alle 292, bei denen Daten zu mindestens einer Einnahme von Echinacin Liquidum Madaus vorlagen, berücksichtigt. Das Tagebuch hatten 214 Anwender ausgefüllt.

 

Die Daten des Patientenkollektivs sind in der Tabelle zusammengefasst. Bei der Produktwahl nahm der Apotheker eine entscheidende Rolle ein. Etwa zwei Drittel der Anwender (72,8 Prozent) kauften das Produkt auf Empfehlung des Apothekers (Arztempfehlung 3,8 Prozent, eigene Erfahrung 26,4 Prozent, Empfehlung anderer 8,1 Prozent). Fast die Hälfte der Befragten hatte bereits Vorerfahrung mit Echinacin Liquidum.

 

Ausgangssymptomatik

 

Die vorherrschenden Symptome bei der Eingangsdokumentation waren Schwäche/Krankheitsgefühl, Halsschmerzen, Müdigkeit, Kopfschmerzen und »verstopfte Nase«. Deren durchschnittlicher Ausprägungsgrad war meist gering bis mittel. Die Symptome »erhöhte Temperatur«, Frösteln und Ein-/Durchschlafstörungen waren bei der Mehrheit nicht vorhanden. Bei 82,1 Prozent bestand die Symptomatik seit ein bis zwei Tagen. 34 Anwender (14,5 Prozent) hatten bereits den Arzt aufgesucht und bei 27 (11,5 Prozent) erfolgte eine Krankschreibung beziehungsweise die Anwender planten, zu Hause zu bleiben.

 

Fast alle Patienten waren in ihrer Tagesaktivität und Lebensqualität eingeschränkt. Die Einschränkung lag im Durchschnitt im mittleren Bereich: 3,1 ± 1,5 beziehungsweise 3,1 ± 1,6 auf einer siebenstufigen Skala (0 = keine Einschränkung, 1 = wenig bis 6 = sehr stark).

 

Therapie und Wirksamkeit

 

Die mittlere Anwendungsdauer von Echinacin Liquidum betrug elf Tage. 77,9 Prozent der Anwender nahmen es kontinuierlich entsprechend der Dosisempfehlung ein.

 

Im Behandlungsverlauf verbesserte sich die Erkältungssymptomatik kontinuierlich. Fast alle Einzelsymptome verbesserten sich bereits am zweiten Tag der Einnahme (Abbildung 1a). Die Einschränkungen von Tagesaktivität und Lebensqualität gingen rasch zurück. (Abbildung 1b). Lediglich bei dem sich später manifestierenden Husten kam es am zweiten Tag zunächst zu einer geringen Verschlechterung. Der Schweregrad der Gesamtsymptomatik verringerte sich kontinuierlich von 22,4 ± 12,4 auf 1,0 ± 4,2 (Gesamtscore mit maximal 66 Punkten).

Eine deutliche Linderung der Symptomatik verspürten die Anwender im Durchschnitt nach vier Tagen (Abbildung 2). Die Mehrzahl (57,4 Prozent) empfand die aktuelle Erkältungsepisode kürzer als vorherige (Abbildung 3). Insgesamt beurteilten 77,9 Prozent der Apotheker und 77 Prozent der Anwender die Wirksamkeit von Echinacin Liquidum mit gut bis sehr gut (Abbildung 4). Nach der im Mittel elftägigen Anwendung war bei 82,1 Prozent der Erkältungsinfekt vollständig ausgeheilt. Compliance und Therapiezufriedenheit waren sehr hoch, und die Mehrheit (82,1 Prozent) gab an, bei einer erneuten Erkältung Echinacin Liquidum wieder einnehmen zu wollen.

21 Anwender brachen die Therapie vorzeitig ab; in einem Fall aufgrund von Juckreiz, die übrigen Patienten gaben als Gründe unzureichende Wirkung (3), Patientenwunsch (12), Einnahmeschwierigkeiten im Tagesablauf (2), Antibiotikaeinnahme (1) oder Unverträglichkeit gegenüber Antibiotika (1) an. Insgesamt traten bei drei von 292 Anwendern (1,0 Prozent) drei unerwünschte Arzneimittelwirkungen (Diarrhö, Juckreiz, Sodbrennen) auf. Für den Juckreiz wurde der Kausalzusammenhang zu Echinacin Liquidum mit wahrscheinlich angegeben. Unter Einschluss der drei Angaben »unzureichende Wirkung« ergeben sich insgesamt sechs Meldungen; schwerwiegende unerwünschte Ereignisse wurden nicht dokumentiert.

Die Verträglichkeit von Echinacin Liquidum wurde überwiegend positiv beurteilt: In 88,7 Prozent der Fälle bewerteten die Apotheker sie mit gut bis sehr gut, bei den Anwendern waren dies 90,4 Prozent (Abbildung 5).

 

Diskussion

 

Bei Erkältungskrankheiten gewinnt die Selbstmedikation einen immer höheren Stellenwert. Zugleich wird die Be-ratung durch den Apotheker immer wichtiger. Diese Beobachtungsstudie bestätigt die Position des Apothekers als wichtiger Ansprechpartner: Die meisten Anwender vertrauten seinem Rat. Nur in wenigen Fällen wurde ein Arzt aufgesucht.

Die vorliegende Studie bestätigte die gute Wirksamkeit und Verträglichkeit von Echinacin Liquidum unter Alltagsbedingungen. Im Gegensatz zu anderen Erkältungsmitteln, die vorwiegend auf eine Linderung der rhinitischen Symptome ausgerichtet sind, wirkt Echinacin als unspezifisches Immunstimulans auf alle Symptome, die gleichmäßig und rasch gelindert wurden. Die Zeit bis zur Besserung der Gesamtsymptomatik betrug im Durchschnitt vier Tage und ist damit kürzer als dies bei unbehandelten Erkältungskrankheiten üblicherweise der Fall ist. Bei den meisten Patienten war der Erkältungsinfekt innerhalb von 10 bis 14 Tagen vollständig ausgeheilt. Bei den wenigen Anwendern mit fortbestehender Symptomatik handelte es sich um unspezifische Symptome, deren Ursache ein grippaler Infekt oder Heuschnupfen sein könnte. Damit konnten frühere Befunde aus klinischen Studien mit dem Nachweis einer signifikanten Verkürzung der Erkältungsdauer und einer raschen Abschwächung der Symp­tomatik unter Alltagsbedingungen überzeugend verifiziert werden.

Placebokontrollierte, randomisierte Studien belegten, dass unter Echinacin eine signifikant frühere und schnellere Besserung charakteristischer Erkältungssymptome eintritt (Schulten B et al., Arzneim-Forsch/Drug Res 2001;51, Seiten 563-568) und dass bei frühzeitiger Behandlung signifikant weniger Patienten ein voll ausgeprägtes Krankheitsbild entwickeln (Hoheisel O et al., Eur J Clin Res 1997;9, Seiten 261-269). Eine Kohortenstudie konnte darüber hinaus zeigen, dass die Infektanfälligkeit und die Rezidivhäufigkeit mit der Echinacin-Therapie signifikant reduziert ist und sich mit Hinzufügung dieses Präparates zu einer vom Arzt frei gewählten Standardtherapie Einsparungen im Gesundheitswesen erreichen lassen (Heinen-Kammerer T et al., Gesundheitswesen 2005;67, Seiten 296-301).

Konventionelle Erkältungs- und Grippemittel können unerwünschte Arzneimittelwirkungen wie Müdigkeit, verlangsamtes Reaktionsvermögen und Interaktionen mit anderen Medikamenten hervorrufen. Der übermäßige Gebrauch von schleimhautabschwellenden Mitteln kann die Nasenschleimhaut schädigen (Spector SL, J Allergy Clin Immunol 1995;95, Seite 1133), und die langfristig äußerst ungünstigen Effekte einer raschen Antibiotika-Anwendung bei vergleichsweise banalen Infekten ist gerade in letzter Zeit intensiv diskutiert worden (Arroll B, Kenealy T. Cochrane Database Syst Rev 2005; Jul 20;(3):CD000247). Zubereitungen mit Echinacin sind dagegen gut verträglich. Die Beobachtungsstudie bestätigt dies und belegt darüber hinaus die gute Akzeptanz und Patientenadhärenz.

 

Fazit

 

In der vorliegenden nicht interventionellen Studie erwies sich Echinacin Liquidum als wirksam und sicher in der täglichen Praxis der Behandlung von Erkältungssymptomen im Frühstadium. Diese Beobachtung unter Alltagsbedingungen bestätigt klinische Studien, in denen unter randomisierten, placebokontrollierten Bedingungen gezeigt wurde, dass Echinacin Liquidum den Krankheitsverlauf verkürzt, die Symptomatik abschwächt und damit dazu beitragen kann, dass Folgeerkrankungen und Sekundärinfektionen erst gar nicht auftreten. Zudem werden durch die verringerte Krankheitsdauer und die in Vergleichstudien nachgewiesene Senkung der Rezidivhäufigkeit sowohl aus Sicht der Krankenkassen als auch aus gesundheitspolitischer Perspektive Kosten eingespart. /

Für die Verfasser:

Matthias Oberst, Rottapharm/Madaus GmbH, Colonia-Allee 15, 51067 Köln

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