Pharmazeutische Zeitung online
Interview

Berufsbegleitend zum Betriebswirt

04.10.2011
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Von Sven Siebenand, Frankfurt am Main / Antworten auf betriebswirtschaftliche Fragestellungen gibt es im Pharmaziestudium keine. Viele Apotheker entscheiden sich daher für einen Aufbaustudiengang. Im Gespräch mit der Pharmazeutischen Zeitung (PZ) erläutert Professor Dr. Peter Oberender von der Universität Bayreuth, warum der Studiengang »Praktischer Betriebswirt für die Pharmazie« von der Wirtschaftsakademie Deutscher Apotheker (WDA) eine wertvolle Ergänzung ist.

PZ: Was war der Anlass, den Studiengang »Praktischer Betriebswirt für Pharmazie« ins Leben zu rufen?

 

Oberender: Bereits in den 1980er-Jahren zeichnete sich ab, dass gesundheitsökonomisches Wissen und betriebswirtschaftliches Know-how für Apotheker immer wichtiger werden wird. An entsprechenden Qualifizierungsangeboten im Rahmen des Pharmaziestudiums mangelte es aber. Da- ran hat sich bis heute nichts Grundlegendes geändert. Im Gegenteil: Gerade in den vergangenen Jahren haben sich die Anforderungen an den Beruf des Apothekers massiv geändert. Im Gesundheitswesen vollziehen sich einschneidende Veränderungen. Der Apotheker ist mittendrin. Mit dem Studiengang wollen wir Apotheker »aufrüsten«, zum Heilberufler den Unternehmer hinzupacken.

 

PZ: Was ist das Ausbildungskonzept für den Studiengang?

Oberender: Ökonomische Kompetenz und kaufmännisches Know-how sollen vermittelt werden, um die Arzneimittelversorgung sowohl unter pharmazeutischen als auch unter ökonomischen Gesichtspunkten zu gewährleisten. Die Ausbildung ist bewusst breit angelegt. Natürlich sind im Lehrplan Fächer wie Betriebswirtschaft, Finanzwirtschaft und Marketing vorgesehen. Ergänzt werden diese durch Vorlesungen mit starkem Praxisbezug. Ganz wichtig ist uns die regelmäßige Evaluation der Vorlesungen durch die Teilnehmer. Damit können wir auf Anregungen eingehen und noch höheren Praxisbezug bieten.

 

PZ: Wer ist die Zielgruppe für diesen Studiengang?

 

Oberender: Der Studiengang richtet sich ausschließlich an Apotheker. Die Teilnehmer sind hoch motivierte junge Kolleginnen und Kollegen mit in der Regel drei bis vier Jahren Berufserfahrung. Viele von ihnen streben die Übernahme oder die Eröffnung einer Apotheke an, andere wollen zwar angestellt bleiben, sich aber als Filialleiter quali- fizieren.

 

PZ: Wie ist das Studium aufgebaut?

 

Oberender: Es handelt sich um Präsenzveranstaltungen. Die Vorlesungen finden an der Universität Bayreuth statt. Die Gesamtstudiendauer beträgt neun Wochen, die sich über drei Semester verteilen.

 

Ingesamt sind sechs schriftliche Prüfungen zu bestehen. Vier davon finden in den Pflichtfächern Betriebs- und Volkswirtschaft, Marketing und Gesundheitsökonomie statt. Aus den vier Wahlpflichtfächern Steuern, Rechnungswesen, Recht und Finanzierung wählen die Teilnehmer zwei weitere Prüfungsfächer.

 

Die meisten Absolventen hängen noch ein Semester an und fertigen eine Masterarbeit an, um so den MBA »Health Care Management« an der Universität Bayreuth zu erwerben. Mögliche Themen der Masterarbeit sind dabei: »Hat der Versandhandel eine Zukunft?«, »Hat die inhabergeführte Apotheke eine Zukunft?« oder »Sind Kooperationen sinnvoll?«

Noch mehr Infos

Wirtschaftsakademie Deutscher Apotheker (WDA), Strahlenbergerstraße 112, 63067 Offenbach, Telefonnummer 069 79200513, E-Mail: info(at)wda-akademie.de, www.wda-akademie.de.

PZ: Wie hoch ist der durchschnittliche Zeitaufwand, den die Teilnehmer neben den Vorlesungstagen einplanen sollten?

 

Oberender: Für die Nachbereitung des Vorlesungsstoffes und die Vorbereitung auf Prüfungen sollten die Teilnehmer noch mal die Zeit einplanen, die sie auch bei uns an der Uni verbringen. Ein erfolgreiches Studium ist auf alle Fälle neben der Arbeit in der Apotheke machbar.

 

PZ: Wie hoch liegen die Kosten für den Studiengang?

 

Oberender: Insgesamt betragen die Kursgebühren knapp 6000 Euro. Eine Investition, die sich lohnt. Denn mit dem gelernten Wissen lässt sich eine Apotheke wirtschaftlicher führen. Angestellte Apotheker können mit ihrem Chef auf der Basis dieses Abschlusses natürlich auch ein Gehaltsgespräch führen, mit dem Ziel, neue Konditionen auszuhandeln.

 

Profitieren können die Teilnehmer zudem vom Austausch mit den anderen Kolleginnen und Kollegen. Oftmals bilden sich auf diese Weise Netzwerke, die viele Jahre über das Studium hinaus bestehen bleiben. Viele Absolventen geben auch diesen Aspekt als zusätzlichen Pluspunkt des Studiums an. /

Professor Dr. Peter Oberender (geboren 1941) ist Volkswirt und Gesundheitsökonom. Oberender ist Direktor der Forschungsstelle für Sozialrecht und Gesundheitsökonomie der Universität Bayreuth. Neben vielen weiteren Positionen ist Oberender unter anderem Mitglied der Bayerischen Bioethik-Kommission und Wissenschaftlicher Leiter der Wirtschaftsakademie Deutscher Apotheker (WDA).

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