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Weiterbildung

Neuer AMTS-Studiengang nimmt Form an

Die Apothekerschaft brennt für die Arzneimitteltherapiesicherheit (AMTS). Das wurde deutlich, als Expertinnen und Experten aus diesem Bereich bei einem Workshop über die Ausgestaltung eines berufsbegleitenden und interprofessionellen AMTS-Masterstudiengangs diskutierten, der kommendes Wintersemester anlaufen soll.
Carolin Lang
18.03.2022  09:00 Uhr

Der geplante Studiengang ist ein Resultat des Aktionsplans AMTS 2016-2019 des Bundesgesundheitsministeriums (BMG), der als Maßnahme ein Modellprojekt zur Entwicklung und Evaluation eines universitären, weiterbildenden Masterstudiengangs AMTS vorsah. Eine multiprofessionelle Projektgruppe aus Apothekern, Ärzten, Pflegewissenschaftlern, Pharmakoepidemiologen und Pharmakovigilanzspezialisten der Universitäten Bonn, Heidelberg und Tübingen sowie weiteren Institutionen startete auf dieser Grundlage das Projekt »SINA«, welches eine Bedarfsanalyse mit Umfragen bei potenziellen Studierenden, Arbeitgebenden sowie Berufsverbänden und Dozierenden und die Erarbeitung eines Mustercurriculums für solch einen Studiengang umfasste. Die Ergebnisse bilden die Grundlage für den neuen Studiengang.

Im Januar 2022 startete die Projektgruppe im Folgeprojekt »WILMA« mit der Einrichtung des Studiengangs. Im Zuge dessen lud sie AMTS-Expertinnen und -Experten verschiedener Professionen – darunter Apotheker, Ärzte und Pflegewissenschaftler – Anfang März dazu ein, ausgewählte Aspekte des Studiengangs gemeinsam weiterzuentwickeln. »Jetzt ist der Moment, in dem wir Feedback brauchen – wo wir spiegeln wollen, ob das, was wir uns überlegt haben, das Richtige ist«, adressierte Professor Dr. Ulrich Jaehde die 37 Teilnehmenden, die bei einem von zwei Workshop-Terminen zusammenkamen. Jaehde ist Professor für Klinische Pharmazie an der Universität Bonn und moderierte als Teil der Projektgruppe den Workshop.

Grundzüge des AMTS-Studiengangs

Zunächst stellte die Projektgruppe die bereits erarbeiteten Strukturen für den Studiengang vor. Übergeordnetes Ziel ist, den Absolventen die Fähigkeit zu vermitteln, sich in AMTS-relevanten Strukturen zu bewegen und zur Verbesserung der AMTS zielorientiert handeln zu können. Es geht also weniger darum, fachlich-inhaltliche Schwerpunkte zur Arzneimitteltherapie zu vertiefen, sondern vielmehr strategische Entscheidungen zur Verbesserung der Arzneimitteltherapie in einem interprofessionellen Umfeld treffen zu können. Der Studiengang soll ab dem Wintersemester 22/23 an den Universitäten Bonn, Heidelberg und Tübingen starten. Vorerst ist eine Semestergröße von insgesamt 20 bis 25 Studierenden vorgesehen. Als berufsbegleitender Studiengang richtet er sich primär an Apotheker, Ärzte und Pflegefachpersonen. Aber auch anderen Berufsgruppen, die mit AMTS zu tun haben – wie Medizininformatikern und Hebammen – soll er offenstehen. Als Voraussetzungen gelten ein Bachelor oder Staatsexamen sowie mindestens ein Jahr Berufserfahrung.

Das Studium soll regulär vier Semester umfassen. »Im ersten Semester stehen Pflichtmodule auf dem Lehrplan, da erst einmal Grundlagen gelegt werden müssen«, erklärte Jaehde. Im zweiten Fachsemester kommen Wahlpflichtmodule, im dritten zusätzlich ein Praktikum an einer Institution mit AMTS-relevanten Tätigkeiten hinzu. Im vierten und letzten Semester sollen die Studierenden sich ganz ihrer Masterarbeit zu einem Thema im Bereich AMTS widmen.

 

Geplante Pflichtmodule Geplante Wahlpflichtmodule
Arzneimitteltherapie AMTS im ambulanten Bereich und an den Schnittstellen
Grundlagen und Systeme AMTS im Krankenhaus
AMTS-Maßnahmen AMTS in der stationären Langzeitversorgung
Kommunikation AMTS in bestimmten Lebensphasen
Patientenzentrierung AMTS bei Organdysfunktion
Translation Pharmakoepidemiologie
Wissenschaftliche Methoden Integrative Medizin
Adhärenz
E-Health
Tabelle 1: Geplante Pflicht- und Wahlpflichtmodule

Um das Studium neben dem Beruf zu ermöglichen, ist ein sogenanntes Blended-Learning-Konzept vorgesehen. Das heißt, eine vorrangig digitale Lehre wird durch Selbststudium und Präsenzlehre ergänzt. Basierend auf den Umfrageergebnissen der Bedarfsanalyse sind aktuell ein bis zwei Präsenztermine pro Semester sowie ein termingebundener Abend pro Woche vorgesehen. »Die restlichen Veranstaltungen sollen sich die Studierenden frei einteilen können – so, wie sie in ihr Leben passen. Auch hier wollen wir auf kooperative und moderierte Lernformen setzen, die Spaß machen und zu besseren Lerneffekten führen«, erläuterte Dr. Dorothee Dartsch. Die ehemalige Juniorprofessorin für Klinische Pharmazie an der Universität Hamburg ist seit 2012 Geschäftsführerin der CaP Campus Pharmazie GmbH.

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