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Trockener Reizhusten

Husten im Keim ersticken

22.09.2010
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Trockener Reizhusten ist für die Betroffenen lästig und anstrengend. Mehr noch: Jeder Hustenstoß reizt und schädigt die Schleimhäute zusätzlich. Ein Teufelskreis entsteht. Verschiedene Arzneimittel bewirken, dass dieser erst gar nicht entsteht.

Den Beginn eines viralen Infekts markiert meist eine Rachenentzündung. Dabei ist die Rachenschleimhaut stark gerötet und geschwollen, der Hals brennt und kratzt. Jeder neue Hustenstoß reizt und schädigt die Schleimhäute aufs Neue. Das unterhält einen Circulus vitiosus aus Gewebeschädigung, Entzündung und immer stärkerer Sensibi­lisierung der für die Husten-Auslösung im Rachen zuständigen C-Fasern. Die Reizschwelle, um einen Hustenstoß auszulösen, sinkt.

Hinweis: In diesem ersten Stadium eines grippalen Infekts hat der Husten mit einem »festsitzenden Husten«, wie viele Patienten fälschlicherweise annehmen, nichts zu tun. Zu Beginn einer Erkältung hat sich noch kein Schleim gebildet und abgelagert. Erst im weiteren Verlauf der Erkältung wird der Husten produktiv.

 

Samtiges für den Hals

 

Der Teufelskreis lässt sich unterbrechen, und zwar auf unterschiedlichem Weg. Für Patienten, die neben ihrem Husten über ein kratziges Gefühl im Hals klagen (»fühlt sich an wie Sandpapier«), sind am besten die Darreichungsformen Saft, Sirup oder Lutschpastillen geeignet. Beide hinterlassen einen samtigen Film in der rauen Kehle. Die mehrmalige Einnahme pro Tag wäre günstig, weil so die Kontaktzeit der Wirkstoffe mit der Mund- und Rachenschleimhaut erhöht wird.

Tipps für kleine Patienten

Kinder bekommen meistens Säfte. Darauf achten, dass sie statt mit Zucker mit Zuckeraustauschstoffen wie Xylit gesüßt sind (wie Hustagil® Hustensaft).

Bei ganz kleinen Patienten kann man sich mit Zäpfchen behelfen (wie Prospan® Suppositorien).

Hustenlöser sollten Kleinkindern nicht direkt vor dem Mittagsschlaf gegeben werden. Denn wenn die expektorierende Wirkung einsetzt, könnten sie sich sonst leicht verschlucken. Ab einem Alter von zwei Jahren ist der Schluckreflex normalerweise ausgereift.

Auch der Einsatz von homöopathischen Mitteln hat sich bei hustenden Kindern bewährt. Bei Reiz- und krampfartigem Husten, auch zusätzlich bei Keuchhusten, bietet sich Monapax® an. Der Saft kann bereits Säuglingen ab sechs Monaten gegeben werden, die Tropfen schon ab drei Monaten. Bei Kindern über einem Jahr bietet sich das Antihomotoxikum Husteel® an.

 

So setzen periphere Antitussiva die Ansprechbarkeit der Hustenrezeptoren im oberen Atemtrakt herab. Bekannteste Vertreter dieser Wirkstoffgruppe sind Dropropizin/Levodropropizin (wie Larylin® Hustenstiller Pastillen, Quimbo®) und Benproperin (wie Tussafug® Dragees). Letzteres ist erst für Kinder über sieben Jahre zugelassen, Dropropizin kann bereits ab zwei Jahren verabreicht werden. Prinzipiell besitzen die peripheren Antitussiva auch eine mehr oder weniger ausgeprägte zentrale Komponente. Umgekehrt greifen auch die zent­ral wirksamen Substanzen, etwa die Opioide, auf peripherem Weg an.

 

Zu den hauptsächlich peripher wirkenden Antitussiva zählen auch pflanzliche Präparate, die Wirkstoffe aus Schleimdrogen wie Spitzwegerich (wie Broncho-Sern®), Eibisch (wie Phytohustil®) oder Isländisch Moos (wie Isla Moos®) enthalten. Ihre Schleimstoffe schirmen kurzzeitig die Chemorezeptoren im Rachen ab. Diese Wirkung macht allerdings deutlich, dass die Pflanzenextrakte in der passenden Darreichungsform eingesetzt werden müssen. Eibischextrakt als Dragee wäre sinnlos. Tipp für das Beratungsgespräch: Hustensaft möglichst lange im Mund lassen und nicht sofort he­runterschlucken. Und: Bei den Phytotherapeutika ist oft eine klare Abtrennung zwischen Hustenstillern und Schleimlösern nicht möglich. Das liegt an der Vielzahl an Inhaltsstoffen, die pflanzliche Drogen beinhalten und die das Wirkspektrum ausmachen. Spitzwegerich-Extrakt wird etwa abhängig vom Fertigarzneimittel als Antitussivum oder als Sekretolytikum ausgelobt.

Letztendlich sind auch Lokalanästhetika wie Ambroxol (wie Mucoangin® Lutschtab­letten) oder Lidocain (wie Trachisan® Halsschmerztabletten) periphere Hustenstiller, auch wenn sie die Empfindlichkeit der Hustenrezeptoren auf andere Art und Weise herabsetzen. Sie blockieren spannungsabhängige Natriumkanäle und setzen dadurch die Aktivität sensorischer Nerven herab. Das verhindert die Depolarisation; die Entstehung und Übertragung einer Erregung in den leitenden Fasern wird somit unterbrochen. Allerdings gibt es derzeit in Deutschland kein reines Lokalanästhetikum mit der Indikation Husten, die Zulassung läuft auf die Indikation Halsschmerzen.

 

Auch altbewährte Hausmittel wie die Milch mit Honig, Hustentees sowie Salbei- oder Honigbonbons haben bei Reizhusten und Halsschmerzen ihre Berechtigung, ihre Wirksamkeit geht über einen reinen Placeboeffekt hinaus. Das im Theater so beliebte Honigbonbon regt nämlich den Speichelfluss an, und beim Lutschen schirmt es die entzündeten Areale und die mehr oder weniger freiliegenden C-Fasern kurzzeitig ab. Dafür ist seine Viskosität der Lösung von Zuckern und Zuckerersatzstoffen verantwortlich. Allerdings sorgen diese sogenannten Demulzenzien nur für 10 bis maximal 30 Minuten für Ruhe im Rachen.

 

Hustenreiz zentral angehen

 

Fehlt dagegen die Rachenkomponente, ist es sinnvoll, zentrale Hustenstiller einzusetzen. Sie dominieren das Feld vor den peripheren Vertretern. Für die Selbstmedikation stehen allerdings nur zwei Substanzen zur Verfügung, Dextromethorphan (wie Wick® Husten-Sirup gegen Reizhusten) und Pentoxyverin (wie Silomat® gegen Reizhusten Petoxyverin Tropfen oder Saft). Die Standardsubstanzen Codein, Dihydrocodein sowie Noscapin sind verschreibungspflichtig. Die zentralen Antitussiva wirken, indem sie die Reizschwelle im Hustenzentrum anheben und so die Hustenfrequenz und bedingt die Hustenintensität senken. Dabei bleibt ein notwendiges Abhusten, wie beim Verschlucken oder bei der Aspiration eines Fremdkörpers, erhalten.

 

Dextromethorphan und Pentoxyverin, beide seit rund einem halben Jahrhundert auf dem Markt, sind für Kinder ab zwei Jahren zugelassen. Pentoxyverin ist übrigens das einzige Antitussivum, das auch in Form von Zäpfchen im Handel ist. Beide Hustenstiller mindern ob ihrer zentralen Wirkkomponente das Reaktionsvermögen. Deshalb ist bei der Teilnahme am Straßenverkehr oder beim Bedienen von Maschinen Vorsicht geboten.

 

Bei den Kontraindikationen unterscheiden sich die beiden Substanzen: Absolute Kontraindikationen sind für Dextromethorphan Asthma, chronisch obstruktive Atemwegserkrankung (COPD) und Ateminsuffizienz. Da Pentoxyverin zusätzlich spasmolytisch und leicht bronchodilatorisch wirkt, beeinflusst es in therapeutischen Dosen das Atemvolumen nicht. Alles Gründe, warum Pentoxyverin auch bei Grunderkrankungen wie Asthma und COPD gegeben werden darf. /

Achtung bei der Abgabe

Bislang ging man davon aus, dass Dextromethorphan in Deutschland in nur geringem Ausmaß missbraucht wird. Dennoch bittet das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) um erhöhte Aufmerksamkeit, wenn Arzneimittel mit diesem Arzneistoff wiederholt oder in ungewöhnlich großen Mengen verlangt werden. Grund: Im Vergleich zu den Vorjahren haben die Berichte über (vermutete) missbräuchliche Anwendungen deutlich zugenommen. Die Meldungen stammen vor allem aus Apotheken.

 

Bei der vorgeschriebenen Dosierung ist die Anwendung von Dextromethorphan sicher und das Suchtpotenzial gering. In mindestens zehnfach gesteigerter Dosis missbrauchen es aber vor allem Jugendliche in den USA als Halluzinogen, oft in Kombination mit anderen Drogen oder Alkohol. Bei derartiger Überdosierung drohen schwerwiegende und zum Teil lebensbedrohliche Nebenwirkungen wie ausgeprägte Tachykardien, massiver Blutdruckanstieg, Atemnot und komatöse Zustände. Zum Missbrauch muss Dextromethorphan innerhalb kürzester Zeit in hoher Dosis eingenommen werden. Es muss als »Kick« sehr rasch anfluten. Dazu werden bevorzugt der reine Wirkstoff, der etwa über das Internet bezogen wird, oder Kapsel- und Tablettendarreichungen geschluckt, geschnupft oder geraucht. Zum Teil werden auch nicht retardierte Säfte eingenommen. Mit Lutschpastillen oder Retardsäften lässt sich der Rausch praktisch nicht erzielen, es sei denn es erfolgt eine aufwendige Extraktion.

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