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RA-Medikamente

Eignungs-TÜV für Schwangerschaft

12.09.2017  10:07 Uhr

Von Sven Siebenand, Stuttgart / Bestimmte Medikamente bei rheumatoider Arthritis (RA) sind vor und während der Schwangerschaft besser geeignet als andere. Darauf machte Professor Dr. Monika Østensen vom Universitätsklinikum Trondheim, Norwegen, beim Kongress der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie in Stuttgart aufmerksam. Nicht nur für Mütter oder Frauen, die es werden wollen, sondern auch für RA-kranke Väter in spe hatte sie Ratschläge.

Østensen betonte, dass es klinisch und ethisch verantwortlich ist, eine RA-Patientin in der Schwangerschaft zu behandeln. Denn eine gute Kontrolle der mütterlichen Krankheit sei die beste Voraussetzung für eine unkomplizierte Schwangerschaft und ein gesundes Kind. »Aktive mütterliche Krankheit kann riskanter sein als medikamentöse Nebenwirkungen beim Kind«, so die Referentin. Østensen nannte einige RA-Wirkstoffe, die in der Schwangerschaft ohne Schaden für das Kind gegeben werden können. Dazu gehören Sulfasalazin, Azathioprin, Antimalariamittel, Ciclosporin, Tacrolimus, Prednison in einer Dosis zwischen 2,5 bis 5 mg pro Tag sowie im ersten und zweiten Trimester nicht steroidale Antirheu­matika (NSAR).

 

Methotrexat absetzen

Andere Medikamente sind erwiesenermaßen teratogen, erhöhen die Fehlbildungsrate und müssen vor der Schwangerschaft von der RA-Patientin unbedingt abgesetzt werden. Ein bis drei Monate vor der Konzeption sollte das Basistherapeutikum Methotrexat (MTX) abgesetzt werden, drei Monate vorher Cyclophosphamid und bereits ein halbes Jahr vorher Mycophenolate.

 

Zwischen dem Ja und dem klaren Nein in der Schwangerschaft besteht laut Østensen bei einigen Wirkstoffen noch eine Grauzone. Der Einfluss auf das Kind sei beispielsweise bei Leflunomid, Tocilizumab, Ustekinumab und Anakinra nicht oder ungenügend untersucht. Deshalb sollten sie sicherheitshalber nicht zum Einsatz kommen, es sei denn es gibt kein anderes Medikament, das die mütterliche Krankheit effektiv unter Kontrolle bringen kann. Da die Wirkung beim Kind unbekannt ist, sollten auch die ganz neuen RA-Wirkstoffe, etwa die JAK-Kinasehemmer Baricitinib und Tofacitinib sowie der monoklonale Antikörper Secukinumab bei schwangeren Frauen sicherheitshalber tabu sein.

 

Østensen ging auch auf die Klasse der Biologika ein und machte wichtige Unterscheidungen. Nur die TNF-Inhibitoren seien ausreichend hinsichtlich ihrer Eignung in der Schwangerschaft untersucht. Alle anderen befänden sich in der Grauzone. Die Medizinerin riet, Frauen im fertilen Alter einen TNF-Inhibitor mit geringer Placentapassage zu verordnen, etwa Certolizumab. Dieser Antikörper könne auch während der gesamten Schwangerschaft zum Einsatz kommen. Infliximab, Adalimumab und Etanercept könnten ebenfalls bei Schwangeren verwendet werden. Die beiden ersten sollten aber nur bis zur 20. Schwangerschaftswoche verwendet werden, Etanercept höchstens bis zur 32. Woche. Besteht eine dringende Indikation, können aber alle drei Antikörper auch während der gesamten Schwangerschaft verordnet werden.

 

Tipps für Männer

 

Auch für Männer hatte Østensen ­einige Ratschläge parat. So sollten männliche RA-Patienten mit Kinderwunsch besser kein Sulfasalazin nehmen, da dies die männliche Fertilität negativ beeinträchtige. »Es scheint bei Männern nicht notwendig zu sein, MTX vor der Konzeption abzusetzen«, gab Østensen eine weitere Information. Untersuchungen hätten keine erhöhte Fehlbildungsrate bei väterlicher Exposition (10 bis 25 mg pro Woche) vor der Konzeption und keine erhöhte Rate von Spontanaborten gezeigt. Während Mycophenolate bei Frauen unbedingt rechtzeitig vor der Schwangerschaft abzusetzen sind, scheint auch dies bei Männern nicht notwendig zu sein. Østensen: »Es zeigte sich keine Erhöhung der Abort- oder Fehlbildungsrate.« /

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