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Steuertipp

Wenn zwei Haushalte nötig sind

09.09.2008
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Steuertipp

Wenn zwei Haushalte nötig sind

Von Oliver Schmitz

 

Der Steuergesetzgeber schränkt die steuerliche Abzugsfähigkeit von Erwerbsaufwendungen immer mehr ein. Ein Beispiel ist die Pendlerpauschale. Anders bei der doppelten Haushaltsführung. Hier lässt der Fiskus Aufwendungen noch fast unbegrenzt zum Abzug zu.

 

Unser Wirtschaftsleben verlangt immer mehr, dass die Erwerbstätigen örtlich noch flexibler werden. Dieser Tatsache hat sich der Fiskus zumindest nicht bei der sogenannten doppelten Haushaltsführung verschlossen. Hier lässt er Aufwendungen noch fast unbegrenzt zum Abzug zu. Anders bei der Pendlerpauschale: Hier bleiben die ersten zwanzig Entfernungskilometer der Fahrten zur Arbeitsstätte unberücksichtigt.

 

Damit eine doppelte Haushaltsführung im steuerlichen Sinn vorliegt, muss ein Unternehmer oder Arbeitnehmer außerhalb des Orts, in dem er einen eigenen Hausstand unterhält, beschäftigt sein und am Beschäftigungsort eine Zweitwohnung haben. Außerdem muss die doppelte Haushaltsführung beruflich veranlasst sein,  zum Beispiel durch den Wechsel des Arbeitgebers oder die Eröffnung eines eigenen Betriebs.

 

Wo ist der Lebensmittelpunkt?

 

Die Aufwendungen für eine doppelte Haushaltsführung können sowohl Verheiratete als auch Alleinstehende steuerlich geltend machen. Bei Unverheirateten muss nach aktueller Rechtsprechung bei zunehmender Dauer der Auswärtstätigkeit geprüft werden, ob nicht die eigentliche Haushaltsführung und damit der Mittelpunkt der Lebensinteressen an den Beschäftigungsort verlegt wurde. Ist dies der Fall, versagt das Finanzamt die Abzugsfähigkeit der Kosten.

 

Liegt eine doppelte Haushaltsführung vor, können insbesondere folgende Aufwendungen steuerlich geltend gemacht werden: Fahrtkosten aus Anlass des Wohnungswechsels zu Beginn und am Ende der doppelten Haushaltsführung sowie für eine wöchentliche Heimfahrt; die notwendige Miete der Zweitwohnung; Kosten für die in der Zweitwohnung benötigten Möbel; Verpflegungsmehraufwendungen in den ersten drei Monaten; Umzugskosten.

 

Notwendige und somit steuerlich anzuerkennende Mietaufwendungen liegen nur vor, soweit sie nicht den Betrag überschreiten, der für eine Wohnung mit bis zu 60 Quadratmetern Wohnfläche und einem nach Lage und Ausstattung durchschnittlichen Wohnstandard am Beschäftigungsort entsteht. Maßgeblich ist die ortsübliche Durchschnittsmiete für eine bis zu 60 Quadratmeter große Wohnung. Dies gestattet, zum Beispiel bei der Wohnungsgröße Abstriche zu machen und dafür einen höheren Standard zu wählen oder umgekehrt.

 

Ein Beispiel: Der Apotheker Anton Krüger unterhält im Jahr 2008 am Ort seiner Apotheke eine Wohnung mit einer Wohnfläche von 90 Quadratmeter. Die hierfür von ihm entrichtete Miete beträgt 1350 Euro, also 15 Euro pro Quadratmeter. Angemessen ist ein Quadratmeterpreis von zehn Euro. Anton Krüger lebt zusammen mit seiner Lebensgefährtin circa 60 Kilometer entfernt.

 

Miete bis 600 Euro ist angemessen

 

Höchstens als Betriebsausgaben abzugsfähig sind 600 Euro (60 Quadratmeter mal angemessener Quadratmeterpreis von zehn Euro). Denn nur insoweit gelten die Mietkosten als angemessen. Der darüber hinausgehende Anteil von 750 Euro bleibt steuerlich unberücksichtigt.

 

Zu den steuerlich zu berücksichtigenden Aufwendungen im Rahmen einer doppelten Haushaltsführung gehören nach dem Gesetz auch die Pauschalen für den Verpflegungsmehraufwand der ersten drei Monate. Die Pauschale beträgt in der Regel 24 Euro pro Tag.

 

Ob diese zeitliche Begrenzung rechtens ist, muss übrigens durch den Bundesfinanzhof (BFH) geklärt werden (Az. des BFH: VI R 10/08). Bis zur Entscheidung über dieses Verfahren sollten Unternehmer und Arbeitnehmer mit einer doppelten Haushaltsführung den pauschalen Verpflegungsmehraufwand über die ersten drei Monate hinaus geltend machen. Gegen ablehnende Steuerbescheide kann dann Einspruch eingelegt und unter Hinweis auf das anhängige Revisionsverfahren ein Ruhen des Verfahrens beantragt werden.

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