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Die Kunst kommt im Koffer

02.09.2015
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Von Ulrike Abel-Wanek / Eine Ausstellung geschrumpft auf handliches Kofferformat? Die Kunst- und Kulturstiftung Opelvillen Rüsselheim packen ihre Bilder ein, um sie Menschen zu zeigen, die nicht ins Museum kommen können. Das Projekt richtet sich speziell an Senioren mit Demenz und mit Migrationshintergrund.

»Seit 2013 bieten wir Führungen für Menschen mit Demenz bereits erfolgreich an«, sagt die Kunstvermittlerin Jennifer Konrad. Da aber viele Betroffene nicht den Weg ins Museum fänden, weil der Weg zu weit oder zu teuer sei, mache sich das Museums-Team jetzt selbst auf den Weg in Pflegeeinrichtungen und Seniorenheime.

Im Gepäck befinden sich keine Originale. Zurzeit haben die Kunstlotsen einige großformatige Abzüge des 1998 verstorbenen Fotografen Pietro Donzelli mit dabei. Die Schwarz-Weiß-Fotos des Künstlers zeigen Typisches und Alltägliches aus dem Italien der 1950er-Jahre. Nachkriegsstimmung und ein Blick in das Leben vergangener Zeiten. Die Bilder sind ein Fundus für Menschen mit Demenz, die sich an das Gestern gut erinnern, sich aber im Heute verloren fühlen. Eine Angel, ein Paar schicke weiße Damenhandschuhe oder ein Sonnenhut: Diese Dinge gilt es nicht nur in den Fotografien zu entdecken. Sie befinden sich auch im Reisegepäck des Museumsteams und sollen helfen, das mobile Ausstellungserlebnis auch haptisch erlebbar zu machen, die Sinne anzuregen und Raum für Erinnerungen und Geschichten zu eröffnen. »Wir hoffen, dass sie sich erinnern, dass wir da gewesen sind«, sagt Konrad über das Projekt, das noch in den Kinder­schuhen steckt und zunächst bis zum Ende des Jahres 2015 vom Hessischen Ministerium für Soziales und Integra­tion finanziell unterstützt wird. Ziel ist es, möglichst vielen Menschen in verschiedenen Pflege­einrichtungen neue Impulse für den Alltag zu geben. /

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