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Kein Luxus

30.08.2017  11:19 Uhr

Apotheker, die selbstverständlich an der morgendlichen Visite teilnehmen, auf Station jederzeit ansprechbar sind und die Medikation jedes ­einzelnen Patienten optimieren, sind in angelsächsischen Ländern längst ein nicht mehr wegzudenkender Standard. Hierzulande sind dagegen immer noch zu selten Apotheker auf Stationen zu finden. Das Uniklinikum Dresden könnte eines der ersten Krankenhäuser in Deutschland werden, das auf allen Stationen Apotheker beschäftigt. Mehr als die Hälfte der Patienten wird dort bereits direkt pharmazeutisch betreut (lesen Sie dazu Uniklinikum Dresden: Mit Apothekern auf Station).

 

Leistet sich hier ein Uniklinikum ein Prestigeprojekt? Wohl kaum. Die Klinikapotheke hat zunächst in einem Probelauf und mittlerweile im ­Alltag bewiesen, wie sehr ein Apotheker auf Station die Arzneimitteltherapiesicherheit erhöht und Ärzte und Pflegepersonal entlastet. Apo­thekenleiter Dr. Holger Knoth spricht im Interview mit der PZ von einer dauerhaft niedrigen Fehlerquote (Lesen Sie dazu Stationsapotheker: Strukturen in der Fläche fehlen). Auch immer mehr Klinikverwaltungen erkennen langsam diese Vorteile, zumindest nimmt die Zahl der Stellenausschreibungen für Stationsapotheker zu.

 

Sprunghaft steigen könnte sie demnächst in Niedersachsen. Als Konsequenz aus der Krankenhausmordserie, bei der einem ehemaligen Pfleger nach neuesten Ermittlungen mindestens 90 Morde zur Last gelegt werden, sollen die Krankenhäuser unter anderem zur Einstellung von Sta­tionsapothekern verpflichtet werden. Zwar liegt das Gesetzesvorhaben wegen der vorgezogenen Neuwahlen derzeit auf Eis, doch bestand zumindest auf fachlicher Ebene bereits eine Einigung. Umstritten ist, wie die zusätzlichen Stellen finanziert werden sollen, ob aus den laufenden Budgets der Kliniken oder durch zusätzliche Gelder von den Krankenkassen.

 

In diesem Zusammenhang nur auf die Kosten zu schauen, ist jedoch kurzsichtig. Man kann nicht erwarten, dass ein Stationsapotheker seine Stelle über eingesparte Arzneimittelkosten auf Dauer selbst finanziert. Mag das Einsparpotenzial anfangs vielleicht hoch sein, lässt sich bei konsequent optimaler Therapie nicht ständig mehr herausquetschen. Die ­Klinik- und Krankenkassenchefs sollten aber nicht vergessen, dass eine dauerhaft erhöhte Arzneimitteltherapiesicherheit durchaus ein Pfund ist, mit dem sich wuchern lässt – sie ist kein Luxus, sondern sollte eine Selbstverständlichkeit sein.

 

Daniela Hüttemann

Redakteurin Pharmazie

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